Sprachgenie

Charis macht aus ihren Befindlichkeiten kein Geheimnis. Das finden wir gut. Denn: Was gibt es Schöneres als einen Hund, der deutlich kommuniziert?

Schon bei unserem Kennenlernbesuch auf der Pflegestelle konnten wir ihr ausgeprägtes Kommunikationsvermögen beobachten. Sie sprach sehr deutlich und unmißverständlich mit den dortigen Artgenossen und differenzierte dabei auch klar zwischen deren unterschiedlichen Temperamenten. Auch bei unseren Hundebegegnungen im Dorf oder sonst unterwegs können wir dies nun gut beobachten.

Natürlich ist Charis noch altersgemäß ungestüm, zumal sie bisher anscheinend Ruhe nicht wirklich gelernt hat. Auch die kastrationsbedingte Hormonumstellung mag ihr zu schaffen machen (zu merken ist allerdings soweit nichts), aber sie meistert alle Begegnungen gut. Egal, ob kleiner Hund oder Riese – egal, ob Welpe oder gestandener Senior (wobei ältere Jahrgänge für sie schon mal ‚anstrengend‘ sind). Auch geschlechtsspezifische Unterschiede können wir bislang nicht feststellen.

Selbstverständlich blökt sie allerdings zurück, wenn sie von Artgenossen angemacht wird. Das ist für mich auch vollkommen in Ordnung. Sie ruft eben ggf. genauso in den Wald hinein, wie es aus ihm herausschallte.

 

 

Allerdings heißt das nicht, dass wir nicht daran arbeiten würden – schon aus Prophylaxe. Aber das ist ein anderes Thema, das ich evtl. irgendwann einmal separat aufgreifen werde. 😉

Spannend zu beobachten ist auch Charis‘ Kommunikation mit Menschen. Grundsätzlich geht sie auf alle verhalten bis offen zu. Wer sich ihr körpersprachlich anbietet, wird unverzüglich stürmisch begrüsst und darf sie auch knuddeln. Menschen, die sich seltsam bewegen – z.B. die allgegenwärtigen Nordic Walker, Kinder auf ihren Blades oder schreiende bzw. überhaupt laute Menschen und dergleichen – werden zunächst gespannt beobachtet. Inzwischen nimmt sie dann häufig Blickkontakt mit uns auf (ich benamsel in solchen Situationen grundsätzlich) und läuft dann mit uns weiter. Sicherheitshalber nehme ich sie da auch schon mal etwas kürzer, damit sie nicht irgendeine dumme Fehlreaktion provoziert.

Charis reagiert sehr klar auf unterschiedlich laute Ansprache. Ich rede normalerweise recht leise mit meinen Hunden, so nun auch mit ihr. Vor ein paar Tagen rutschte mir – als sie etwas arg stürmisch im Spiel wurde – ein lautes ‚AUTSCH!‘ heraus. Darauf schreckte unsere Fledermaus gut 2m zurück, machte sich körperlich so klein wie sie nur konnte und beruhigte / beschwichtigte, was das Zeug hielt.

Natürlich habe ich die Situation sofort aufgelöst und ihr durch Abwenden und Ausstrecken der offenen, niedrig gehaltenen Hand signalisiert, dass die Welt in Ordnung ist. Dennoch brauchte sie einige Sekunden, um sich von dem Schrecken zu erholen.

 

 

Was die menschliche Kommunikation angeht, lebt Charis ‚mehrsprachig‘. Das ist lerntechnisch zwar nicht optimal, lässt sich bei uns aber kaum ändern.

Ich kommuniziere hauptsächlich über Körpersprache, Sichtzeichen, möglichst knappe akustische Signale (anderweitig Kommandos genannt) und natürlich Marker mit ihr. Reinhard versucht dies auch (was mich sehr freut!!!), tut sich dabei aber noch recht schwer und fällt immer wieder in alte Muster. Seine Signalgebung war auch bei unseren früheren Hunden oft eine andere als meine. Dennoch haben unsere früheren Hunde es geschafft, uns zu verstehen. 😉

Hinzu kommt, dass Charis derzeit auch auf einer Tagesstelle betreut wird. Ich muss sie erst langsam an den Büroalltag gewöhnen (momentan wäre sie damit noch vollkommen überfordert!) und werde sie vermutlich auch in Zukunft nicht immer mit ins Büro nehmen können. Glücklicherweise wird Charis nach meinen Anweisungen betreut und die Leute sehen vieles ähnlich wie ich. Allerdings bin ich eine für viele Hundeleute extrem ‚positive‘ Hundeführerin und Trainerin. Bei aller Kundenorientiertheit können gewisse Abweichungen von meiner / unserer Kommunikationsweise nicht ausgeschlossen werden. Wir alle müssen uns damit arrangieren. Solange Charis damit klar kommt (und das tut sie bislang hervorragend!), ist das für mich okay.

Ein erstaunliches Erlebnis hatten wir in den vergangenen Tagen. Reinhard war mit Charis unterwegs und hatte sie in ausbruchsicherem Gelände von der Leine gelassen. Dafür hatte sie sich natürlich sofort mit Rennen, Springen usw. bedankt. Auf dem anschließenden Spaziergang bemerkte Reinhard dann ein Humpeln. Schreck, lass nach! Er bliebt also stehen … und da … hob Charis eine Pfote hoch. Reinhard schaute nach und fand einen Dorn darin. Was hätten wir früher bei unseren Hunden manchmal dafür gegeben, wenn sie uns so deutlich gezeigt hätten ‚Hier tut’s weh! Mach was, damit das aufhört.‘!

Ob Charis es in ihrem vorigen Leben so gelernt hat oder ob sie das aus ‚Intuition‘ tat?

 

 

Wir sind jedenfalls sehr beeindruckt von unserem kleinen Sprachgenie!

Bürohund

Heute war ein aufregender Tag, ich kann’s Euch sagen! Also mal von vorne:

Am Morgen war noch alles normal. Nur ging Frauchen erst mit mir zum Auto, wo sie irgendwelche Dinge reinpackte. Dann ging’s los zum Morgenspaziergang.

Nach einer kurzen Strecke traf ich einen ’neuen‘ Hund. Booaaah, war der spannend. Toller Kerl! Ich muss mir unbedingt merken, wo der wohnt.

 

 

Der weitere Spaziergang war auch okay, aber statt zuhause die Treppe hoch zu gehen, gingen wir wieder zum Auto und Frauchen machte die Klappe auf. Ich also flott hineingehoppst und schon fuhren wir über die Autobahn. Natürlich habe ich immer fein geguckt, wo es hingeht. Hund weiß ja nie. 😉

Irgendwann kamen wir dann auch an. Frauchen holte mich aus dem Auto und wir gingen in so ein großes Haus hinein. Frauchen meinte, da wäre nun ihr Büro. Es gab jedenfalls ganz viele Räume darin. Klar, dass ich mir die alle erst mal genau angucken musste. Frauchen machte alle Türen auf und sagte immer ‚Ja, guck Du nur. Ist alles okay.‘ Na gut, wenn die das sagt! 🙂

Nach ein paar Minuten gingen wir wieder raus. Frauchen meinte, wir wären so früh dran, da könnte sie mir auch noch etwas von der Umgebung zeigen. Ha, und was sie mir da zeigte!

Zunächst einmal ein paar Meter hundsordinäre Hundeallee – mit jeder Menge Nachrichten überall auf dem Boden verstreut. Dann wechselten wir auf eine große Asphaltfläche (Menschen nennen so was glaub‘ ich Parkplatz). Frauchen dachte, das wäre vielleicht nicht ganz so aufregend für mich (neue Umgebungen finde ich nämlich immer erst mal sehr spannend!). Aber da hatte sie die Rechnung ohne dieses kleine freche braune K-Tier gemacht. Das sauste unvermittelt aus einem Strauch nur 15 m von uns entfernt quer über den ganzen Parkplatz und blieb dann auch noch deutlich sichtbar am Rande hocken. Holla, die Waldfee!!! Da entglitt mir doch glatt mal meine Contenance!

 

 

Leider findet Frauchen ja, dass ich nicht mit Kaninchen spielen soll. Also verhallten alle meine Argumente im Nirwana. Immerhin ging es dann wieder zur Hundeallee, wo ich ausführlich schnüffeln durfte.

Als wir zu diesem Bürodings zurück kamen, hat Frauchen erst mal mit ganz vielen Kartons die Haupttüre versperrt. Wieso bloß? 😉

Dann räumte Frauchen alle ihre Sachen raus und wir spielten ein wenig. Eine ganze Weile durfte ich mit meinem heissgeliebten Quietscheball rumrennen und dann gab es auch noch einen tollen großen Kauknochen für mich. Irgendwann meinte Frauchen aber, ich solle mich ruhig mal auf mein Schlafkissen legen. Ich überlege jetzt noch, wo das plötzlich herkam.

 

 

Na gut, soweit war alles in Ordnung. Aber es gab da lauter fremde Geräusche. Das Telefon klingt anders als zuhause und dann gibt’s da auch noch einen Kopierer usw. Jedes Mal, wenn ich zur Ruhe kam, piepste wieder eins von diesen Teilen los. Aber wisst Ihr was? Nach anderthalb Stunden spielen mit Frauchen, Rumkauen auf dem Knochen und bei jedem Pieps nachgucken, wo das nun wieder herkam, war ich es leid. Ich habe mich einfach auf mein Kissen gelegt und gaaaaaaaanz lange geschlafen.

 

 

Als ich irgendwann wieder wach wurde, ist Frauchen noch mal mit mir losgezogen. Diesmal habe ich wieder einen tollen Rüden kennengelernt. Einen großen Schäfer/Collie-Mix mit einem netten Frauchen an der Leine. Wir haben uns ein wenig unterhalten, aber der meinte dann irgendwann, ich wäre ihm zu albern! Pöh, so nicht mit mir!!! Also haben sich die Menschen verabschiedet, und wir gingen wieder ins Büro.

Frauchen meinte, sie müsste noch etwas arbeiten. Na, immerhin bekam ich dafür etwas zu Fressen und noch einen richtigen tollen Knochen. So einen echten mit Fleisch dran und so.

 

 

Was soll ich sagen? Als ich den endlich klein hatte, war die Sache mit dem Büro auch schon vorbei. War gar nicht so schlimm. Frauchen meint allerdings, an meinem Gebelle müssten wir noch arbeiten. Wollen wir mal sehen, was das dann wieder wird. Bis dahin freue ich mich erst Mal auf meinen nächsten Einsatz als Bürohund!

2. Woche

Charis macht weiterhin Fortschritte. Doch fordert ihre extrem hohe Lernkurve der ersten Tage natürlich ihren Tribut. Wohl kein Lebewesen auf der Welt kann permanent Neues hinzulernen und parallel dazu gerade erst Gelerntes verarbeiten und festigen!

 

 

Für uns bedeutet dies, ‚Rückschritte‘ zu akzeptieren und Charis Pausen zu gewähren. Nicht mehr und nicht weniger! 😉

Das Laufen an der Leine geht inzwischen auch bei mittelprächtiger Ablenkung zufriedenstellend. Das Stop-Weiter-Training geht weiter, aber die Signale können nun schon differenzierter gegeben werden. Schön ist, dass Charis sich immer öfter und stärker selbst an der Leine korrigiert. Sie stellt sich mehr und mehr auch auf unser Lauftempo ein.

Das Pfeifentraining zeigt Erfolge. Abpfeifen aus niedriger Ablenkung klappt schon ganz gut, aus mittelprächtiger Ablenkung auch schon etwas besser. Für uns bedeutet das, dass wir z.B. sehr vorsichtig die Distanz zu auffliegenden Vögeln oder auch – natürlich noch extrem aufregenden – Kaninchen reduzieren können. Beides wird für uns allerdings sicher noch sehr lange ein sehr spannendes Thema sein.

 

 

Das Benamseln greift langsam. D.h. Charis beginnt vereinzelt auf das entsprechende Signal hin zu filtern, worum es gerade geht: um den Menschen, der uns entgegen kommt, oder das Fahrrad, das an uns vorbeigleitet.

Das Osterwochenende war vor allem durch ‚Auto‘-Training gekennzeichnet. Die letzten Fahrten von Charis führten sie jeweils zu einer neuen Stelle oder zum Arzt (anläßlich der Kastration, die direkt nach ihrer Rücknahme von der ursprünglichen Endstelle durchgeführt wurde). Es bestand die Gefahr, dass das Autofahren für unsere Flattermaus negativ konditioniert würde. Wir haben also viele kleine Ausflüge mit dem Auto gemacht und dabei auch zwischen meinem und dem von Reinhard gewechselt.

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Wir besuchten Bekannte und fuhren ins Grüne. Alles jeweils in einer Dauer, die Charis noch gut verdauen konnte. Der Erfolg zeigte sich am Sonntagabend, indem sie zügig auf das betreffende Auto zulief und unverzüglich freudig erregt hineinsprang.

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Wie auch die heutige erste Fahrt ins Büro zeigte, ist die Mission geglückt.

 

 

Nachdem wir in den ersten anderthalb Wochen vom sonnigen, trockenen Wetter verwöhnt wurden, stellt seit gestern auch der Regen neue Herausforderungen an uns. Vorgestern früh habe ich noch eine kleine Runde durchs Feld gewagt. Dabei war mir klar, dass die vom herannahenden Regen schon leicht feuchte Luft natürlich alle Düfte viel besser transportiert und im Gras hält als die trockene. Doch es klappte erstaunlich gut! Charis war angespannt, aber selbst bei einer in 5m Nähe auffliegenden Krähe noch passabel zu handeln.

 

 

Gestern kippte die Situation. Nach ein paar kurzen Testmetern wechselte ich also auf ‚Dorfspaziergang‘. Das war auch noch spannend genug für die Fledermaus. 😉 Ein weiterer kurzer Abstecher auf einen Feldweg bestätigte mir dann, dass größere Anforderungen momentan für uns kein vernünftiges Lernen mehr gewährleisten würden.

Ich höre schon die Rufe, dass der Hund da durch müsse und wir doch nicht den Herausforderungen der Welt immer ausweichen können. Genau – wir können nicht immer ausweichen im Alltag! DAS ist momentan Herausforderung genug für uns. Ich habe meine früheren Hunde oft genug gerade in ihren jungen Jahren durch Situationen genötigt, mit denen sie – und auch ich – eindeutig überfordert waren. Wozu?

Ich möchte einen Hund, der gerne lernt und dies auch kann. Kein Gehirn der Welt kann im Zustand übermäßiger Erregung und bei zu großen Anforderungen lernen! Also versuche ich, meinem Hund das Leben lernenswert zu erhalten. Die Fortschritte, die Charis auf diese Weise in so kurzer Zeit gemacht hat, bestätigen mich in dieser Vorgehensweise.

Ein tolles Highlight gibt es noch zu vermelden: Am Mittwoch kamen wir auf unserem Morgenspaziergang an Schafen vorbei. Auf die hatte Charis am Freitag an anderer Stelle noch sehr heftig reagiert. Die Situation überraschte mich total. Wie gesagt, der Alltag steckt voller Überraschungen. 😉 Gerade rechtzeitg bevor die Anspannung für Charis zu groß wurde, hatte ich die Eingebung, ihr das Entspannungssignal zu geben. Volltreffer!!! Die Fledermaus entspannte sichtbar, blieb ansprechbar und ging nach einem ruhigen ‚Weiter‘ – ziemlich – brav mit mir an den Schafen vorbei.

Das Glücksgefühl, das mich dabei innerlich überkam, ruft jetzt noch eine Gänsehaut in mir hervor.

 

P.F.T.

Seit dem Einzug von Charis erreichen unsere Spaziergänge wieder ein Ausmaß, das sie seit Jahren nicht mehr hatten … und dies bei einem Tempo, das wir auch nicht mehr gewohnt waren.

Wir gehen Strecken, die wir lange Zeit aus unterschiedlichen Gründen mieden oder ganz einfach nicht mehr schafften. Ich begegne morgens u.a. wieder dem jungen Radfahrer, der zu den wenigen gehört, die einen auch vor 07.00 h in der Früh (meist) mit einem Lächeln im Gesicht grüßen. Es sind so viele kleine Dinge, die unsere Welt schlagartig wieder erweitern. 😉

Das tut gut, rundherum gut. Auch, wenn sich bei diesen Aktivitäten regelmäßig etwas Wehmut einschleicht in der Erinnerung an unsere Oldies …

 

 

Nun aber schauen wir vorwärts. Wir entdecken mit Charis Veränderungen in unserer Umgebung, die uns vermutlich nicht aufgefallen wären, wenn wir tagtäglich dort entlang gegangen wären.

Charis wiederum entdeckt diese Umgebung vollkommen neu für sich. Sie merkt sich genau, zu welchen Toren oder Türen welche Düfte gehören. Nachbars Katze, die Schafe ein paar Straßen weiter, der fesche Retriever vom anderen Ende des Dorfs oder die brummelige Hündin aus der Nachbarschaft usw. All diese Eindrücke saugt sie auf wie ein Schwamm.

Sie nimmt mittlerweile auch öfter in Situationen, die sie irritieren, Blickkontakt mit uns auf. Sobald wir ihr dann das erlösende Signal geben, geht sie weiter als wenn nichts gewesen wäre. Ihr Gang ist dabei jetzt immer öfter federnd und locker. Ihre seelische Entspanntheit spiegelt sich hier deutlich wieder. 😉

All das bedeutet auch eine nicht unerhebliche körperliche Umstellung für uns Menschen.

 

 

Statt umher zu trödeln, sind wir jetzt wieder forschen Schrittes unterwegs. Wir beobachten unser Umfeld mit anderen Augen, damit die Fledermaus uns nicht z.B. unerwartet in die Leine rennt. Die Leinenführigkeit ist durchaus noch optimierbar, aber überhaupt nicht mehr vergleichbar mit dem Status zur Übernahme.

Schon alleine aufgrund der sportlichen Einlagen, die Charis von uns einfordert, hätte sie den Titel einer Personal Fitness Trainerin verdient.

 

 

Fitness definiert sich aber nicht alleine über den Körper. Auch der Geist will fit erhalten bleiben … oder wieder in Schwung kommen. Charis bringt hier mächtig Schwung hinein. Mit ihr kann ich all die tollen Dinge trainieren, die ich speziell in den letzten 2 – 3 Jahren gelernt habe und sonst anderen Menschen vermittle. Das ist eine gute Erfahrung und spannend!

Es entstaubt die Gehirnwindungen, lässt frischen Wind hinein und bringt sie auf Touren! Das macht Spaß … und es ist auch anstrengend. Wenn ich aber sehe, wieviel Spaß es Charis macht, ist alle Anstrengung vergessen.

Soll sie uns doch weiter fordern, uns rennen lassen, uns ins Grübeln bringen, wie wir diese oder jene Aufgabe für sie passend lösen können …

Damit trainiert sie uns gewissermaßen ‚ganzheitlich‘: Unsere Charis … unsere Personal Fitness Trainerin!

Fleischwolf

Soweit ich mich erinnern kann, haben meine früheren Menschen immer extra für mich Futter gekauft. Das war in tollen Tüten oder Säcken verpackt, manchmal auch bedruckt mit Bildern. Auf manchen Tüten waren sogar Statussymbole abgebildet. Ich fand das immer sehr nobel. Schließlich haben nicht alle Hunde ihr eigenes Futter.

Aber nun ist Schluss damit!

 

 

Statt dessen gab es gleich am ersten Tag rohes Fleisch. Kein toller Duft, keine raschelnde Luxusverpackung – NIX! Ja, bin ich denn hier der Müllschlucker?

War ja wohl klar, dass ich da erst mal gestreikt habe. Daraufhin wurde dieses laffe Fleisch mir immerhin gebraten kredenzt. Okay, damit konnte ich mich anfreunden.

Nun sind ein paar Tage ins Land gegangen. Soll ich Euch was verraten? Ich finde dieses Fleischzeugs inzwischen richtig klasse!

 

 

Es gibt nämlich unterschiedliches Fleisch. Jawoll! Nicht nur von unterschiedlichen Tieren und so. Nicht nur roh oder gebraten. Nein, es gibt sogar püriertes!

Am Wochenende gab es z.B. Fleisch, das richtig toll super lecker duftete. Frauchen meinte, das wäre Pansen … und rümpfte dabei die Nase so komisch.

Und es gibt sogar Fleisch, in das hund so richtig herzhaft reinbeissen und daran rumknabbern kann. Da sind nämlich Knochen drin! Booaaahhhh – DAS macht vielleicht Spaß:

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Allerdings sind diese komischen Teile schon irgendwie unpraktisch. Da muss ich nämlich auch mit den Pfoten zupacken:

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Inzwischen klappt das aber immer besser!

Übrigens gibt’s hier auch Quark und Gemüse und Obst und lauter andere Sachen, die sonst den Menschen vorbehalten sind.

Tja, da habe ich zwar keine noblen Futtertüten mehr … aber dafür kriege ich auch Menschenfutter ab. Ha! Das kriegen andere Hunde bestimmt auch nicht immer. Seit ein paar Tagen gibt Frauchen sogar selbst angerührtes Knoblauchöl unter mein Futter. Nun glänzt mein Fell noch toller als vorher schon. Außerdem soll das gegen diese doofen Blutsaugeplagegeister helfen. Ich lasse mich überraschen.

Hauptsache ist doch, dass es schmeckt. Und mir schmeckt es. Deshalb hat Frauchen mir schon wieder ein neues Schild für mein Geschirr besorgt:

fleischwolf

Die Polizisten, an denen wir heute früh vorbei kamen, fanden das klasse! Die hätten glaub‘ ich auch gerne so ein tolles Schild für ihre Hunde.

Ich geb‘ meins aber nicht mehr her. Schließlich kann es nur einen Fleischwolf geben: und das bin ICH!!!

Charis beißt

… uns selbstverständlich nicht! Auch nicht im Spieleifer aus Versehen!

 

 

Aber sie macht etwas, was ich so bisher nur bei Charly erlebt habe. Sie ‚knuspelt‘. Dabei nimmt sie vorsichtig – so vorsichtig ein Jungspund es eben schafft – ein Stückchen Haut (meist am Unterarm) zwischen ihre vorderen Zähne und zwickt mehrfach hintereinander kurz hinein.

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Viele ahnungslose Menschen denken tatsächlich, dass ein Hund dann beißt. In der Hundesprache handelt es sich dabei jedoch eher um so etwas wie ein Zeichen besonderer Zuneigung. Menschlich gesprochen: ‚Ich hab‘ dich zum Fressen gern!‘

 

 

Hunde machen dies bevorzugt mit solchen Artgenossen, die sie besonders toll finden.

Für den Menschen sind solche Liebesbezeugungen natürlich nicht immer ganz so prickelnd.

 

 

Da es zurzeit sehr warm und sonnig ist, könnten demnächst im Dorf die ersten Gerüchte kursieren, dass Reinhard und ich uns womöglich regelmäßig prügeln, denn wir laufen beide in diesen Tagen mit kleinen blauen Flecken an den Armen herum.

Glücklicherweise beobachtet Charis uns beim Knuspeln immer sehr genau und ist inzwischen schon deutlich vorsichtiger geworden.

Dennoch möchte ich in diesen Tagen ganz sicher keinen meiner kleinen blauen Flecken missen!

Es ist Ostern

das Fest der Freude …

osterei

… und pünktlich an Karfreitag fand ich dieses kleine Ei in unserem Garten.

 

 

In unserem Haus lebt sich derweil unser vierbeiniges ‚Osterei‘ immer mehr ein. Jeden Tag, ach – eigentlich fast im Stundentakt – fällt uns irgendetwas auf, womit Charis uns zeigt, dass sie mittlerweile eine dicke Portion Vertrauen in uns entwickelt hat.

 

 

So wäre z.B. diese Szene von heute früh noch vor drei Tagen undenkbar gewesen:

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… zumindest solange wir mit am Tisch gesessen hätten.

 

 

Das Pfeifentraining zeigt deutlich Wirkung. Vögel – auch relativ nah auffliegende – werden immer uninteressanter. Wir pfeifen also fröhlich weiter vor uns hin … und markern selbstverständlich auch intensiv weiter. Auch hier zeigen sich deutliche Erfolge. Im ‚Stopp‘- und ‚Weiter‘-Training können wir inzwischen öfters auch einfach das Tempo bis zum Anhalten reduzieren, worauf unsere Fledermaus dann eine schöne Umorientierung zeigt, manchmal sogar schon mit einem (anfangs mittels Leckerchenwurf unterstützten) ‚Herum‘.

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D.h. wir arbeiten uns bereits an die Fuß-Position beim Losgehen heran. Genau genommen arbeitet Charis sich heran. Einfach genial!

Parallel dazu wird unsere Belohnungsliste auch langsam länger. Eine wichtige Position wird dabei sicherlich das Buddeln einnehmen:

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Je mehr die Fledermaus sich öffnet desto mehr erinnert sie uns an unsere Kessy und den 2009 verstorbenen Charly.

Seit gestern legt sie sich öfters mal an die Terrassentür oder auch auf die Terrasse (in der Sphinxhaltung von Charly) und schaut hochherrschaftlich auf ihr Gartenreich herab (ganz in Kessy-Manier).

Nicht nur erträgt sie unsere Nähe in gewissen Situationen immer besser …

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… sie sucht immer stärker unsere Nähe und öffnet sich sprichwörtlich auch im Schlaf. D.h. statt wie in den ersten Tagen zusammengekringelt zu liegen, streckt sie sich immer mehr und – unser absolutes Osterhighlight! – streckt uns manchmal sogar ihre schmale Brust zum Streicheln hin. Ich kann gar nicht beschreiben, was für ein unglaubliches Glücksgefühl das in uns auslöst!

 

 

Gleichzeitig beobachten wir immer wieder Situationen, die uns Hinweise darauf geben, dass sie vor uns wohl keinen wirklichen Familienanschluss gehabt hat. Sie erschrickt bei ganz alltäglichen Geräuschen: der Rasierer, das Dampfbügeleisen, der Toaster, die Waschmaschine … aber es wird immer besser.

Hallo Nürnberg

Frauchen und ich haben zwischenzeitlich so manche wohlwollende Stellungnahme oder auch begeisterte Reaktion auf diesen Blog erhalten.

Das freut uns natürlich sehr!

 

 

Ein Kritikpunkt wurde jedoch auch genannt. Frauchen hat eine Freundin in Nürnberg … und die war ganz entsetzt, als sie das Schild auf meinem neuen Geschirr sah. Wie Frauchen denn so was machen könne. Solche Leute wären bei ihr normalerweise aber gleich ganz tief unten durch.

 

 

Nun, Frauchen ist ja nicht ganz so heftig auf die Birne gefallen. Sie hat natürlich gleich mehrere unterschiedliche Schilder besorgt.

Et voilà!

zufallsprodukt

Ich weiß zwar nicht so genau, wer oder was da mit diesem ‚Zufallsprodukt‘ gemeint ist. Aber so ist sicher der Weltfrieden wieder hergestellt, oder?

1. Woche

Heute Abend ist Charis genau eine Woche bei uns. Jeden Tag aufs Neue überrascht sie uns mit ihrer blitzschnellen Auffassungsgabe und dem Tempo, in dem sie Gelerntes umsetzt. Einfach granatenscharf!

Diese erste Woche war natürlich zunächst einmal davon geprägt, Charis ihren neuen Namen zu vermitteln (neues Leben = neuer Name!) und ein passables Gehen an der Leine. Beides hat erstaunlich schnell geklappt, ist aber natürlich noch optimierungsfähig.

 

 

Als allererstes wurde Charis noch am Freitagabend von mir ‚angeclickert‘. Inzwischen haben wir sogar schon ein paar ganz kurze FreeShape-Sessionen mit und ohne Objekt hinter uns.

charisanbank

Da ich nicht weiß, ob sie in der Vergangenheit womöglich irgendwelche Unarten in Bezug auf die menschliche Umwelt entwickelt hat, habe ich vorsorglich direkt begonnen, die wesentlichen ‚Objekte‘, die uns hier beim Spazierengehen begegnen, zu benennen. Dies sind z.B. Mensch, Fahrrad, Auto, Hund, Vogel, Pferd und noch ein paar andere potentielle Auslöser. Das Ziel ist, ihr diese Objekte in nächster Zukunft entsprechend positiv belegt ankündigen zu können und mittel- bis langfristig Charis nach solchen ‚Dingen‘ Ausschau halten und sie anzeigen zu lassen.

Glücklicherweise zeigt sie bislang keinerlei Tendenzen, Fahrradfahrer oder Jogger zu jagen oder dergleichen. Sie werden zwar interessiert beim Herannahen und Passieren beobachtet, mehr aber nicht. Wir arbeiten daran, dass dies bitte auch so bleibt.

Diese Benennungsliste umfasst inzwischen auch einige besonders gerne von Charis ausgeführte Aktionen, wie z.B. das Schnüffeln, Buddeln oder auch Beobachten von potentiell Jagdbarem. Hier ist das mittel- bis langfristige Ziel, diese Aktivitäten als unter Signal ausgeführte Belohnungen einzusetzen.

Andere Hunde sind natürlich immer sehr spannend, werden aber durch die Bank freundlich – wenn auch stürmisch – begrüsst, solange sie sie nicht schon im Vorfeld anblöken. Auch Welpenbegegnungen sind gut verlaufen (das ist keine Selbstverständlichkeit – den viel beschworenen Welpenschutz gibt es per se nicht!). Soweit ist also alles im grünen Bereich.

Grün würde ihr wohl auch sonst gut stehen, denn ihre Jagdleidenschaft (Fixieren, Hetzen) hat sich bei vielerlei Gelegenheit recht deutlich gezeigt. Besonders Vögel haben es ihr angetan: Fasane!, Rebhühner!, Krähen, aber durchaus auch Spatzen und dergleichen. Ich bin gespannt, wie sie auf Rehe reagieren wird.

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Neben dem Clicker wurde Charis – auch vor diesem jagdlichen Hintergrund – inzwischen auf die Pfeife konditioniert. Hier konnten wir heute sogar schon ein erstes Erfolgserlebnis verzeichnen. Sie hechtete einem unerwartet neben uns auffliegenden Fasan zwar natürlich bis ans Leinenende hinterher, orientierte sich aber auf den Pfiff hin sofort nach mir um und kam sogar heran, um sich ihre Belohnung zu holen.

pfiff

Es mag ein Glückstreffer gewesen sein, aber das lässt hoffen für die weitere Ausbildung!

 

 

Eine weitere einschneidende Veränderung hat Charis inzwischen auch zu einem Großteil bewältigt: die Umstellung auf die Rohfütterung. Manche Fleischsorten sind ihr roh noch nicht ganz geheuer. Da hilft kurzes Anbraten – schon duftet die ganze Küche und die Sache wird für Charis gleich viiieeeel spannender. Langsam erweitern wir auch das Angebot an Gemüse, Obst, Milchprodukten usw.

Da Charis ein ziemliches Hibbelchen ist, haben wir am Wochenende mit dem Aufbau der konditionierten Entspannung begonnen. Noch wird der Akku (ich glaube, Charis braucht einen recht großen *gg*) geladen. Mal schauen, wann ich den ersten Test wagen kann.

Ansonsten besteht meine wesentliche Aufgabe momentan noch darin, eine Top20-Liste mit unterschiedlichen Belohnungsmöglichkeiten für die Fledermaus zu erstellen. Immerhin, bei ca. 10 bin ich schon. Der Rest sollte schnell zu identifizieren sein, sobald Charis sich bei uns weiter eingelebt hat.

Auch hier macht sie enorme Fortschritte. Sie fängt langsam und vorsichtig an, mit uns zu spielen, sucht inzwischen immer häufiger unsere Nähe baut zusehends Vertrauen auf.

charisimgras

Ich bin gespannt, was alles in der nächsten Woche passiert!

Flötentöne

Ich habe Euch ja schon erzählt, dass meine neuen Leute immer so komische Click-Geräusche machen.

Soll ich Euch was verraten? Seit gestern gibt’s da noch ein Geräusch, was Frauchen macht: Sie pfeift!

Nein, nicht auf dem letzten Loch … obwohl … manchmal …

 

 

Sie macht das mit so einem kleinen Flötenröhrchendings am Mund! Boah, ich sag’s Euch – das Teil ist vielleicht laut!

Vorgestern hat Frauchen die gleiche Nummer mit mir abgezogen wie an dem Abend, als ich zu diesen neuen Leuten kam. Also immer Pfiff – Leckerchen – Pfiff – Leckerchen usw.

Fand ich doch sehr nett von ihr, dass ich jetzt neben diesem Click-Geräusch noch ein zweites habe, bei dem ich Leckerchen abstauben kann!

 

 

Gestern hat Frauchen ein kleines Spiel mit mir gemacht. Wir sind in den Garten an der Terrasse gegangen, wo ich immer herumflitze. Frauchen hat ein paar mal diese Pfiff-Leckerchen-Sache mit mir gemacht und hat mich dann einfach mal so laufen lassen. Als ich so ziemlich am Ende des Gartens war, ertönte plötzlich dieser laute Pfeifton!

 

 

Hallo! – dachte ich kurz. Da war doch was … wenn’s pfeifft, gibt’s Leckerchen bei Frauchen. Ich guckte mich also um, wo Frauchen denn wäre … und schon sauste ich wie eine Rakete zu ihr. Währenddessen pfiff sie immer weiter. Je näher ich kam desto kürzer wurden die Abstände zwischen den Pfiffen und schwupps … war ich da und kriegte eine dicke Salve Leckerchen geworfen. Frauchen grinste dabei gaaaaanz breit über’s Gesicht. Ihr schien das zu gefallen! Na, und was Frauchen gefällt, gefällt mir schon lange!

 

 

Wir haben dieses Spielchen dann noch ein paar Mal wiederholt. Das macht Spaß! Mehr davon!