Krabbeln

Charis hat von Anfang an eine gewisse Scheu vor der Hand gezeigt – speziell, logisch 😉 – bei schnellen Bewegungen auf sie zu. Die Tortur letztens in der Tierklinik war da nicht wirklich hilfreich. 🙁

Gerade vor diesem Hintergrund freuen wir uns ĂŒber eine neue Entwicklung der letzten Tage:

Charis kommt inzwischen öfters und fordert Streicheleinheiten regelrecht ein. Das tat sie auch vorher schon mal, wich dann aber fast immer erst einmal der herannahenden Hand aus.

Von Zwangsknuddeln oder derartigen Aktionen halte ich nichts. Also haben wir das BerĂŒhren verbal angekĂŒndigt. Das hat ihr deutlich geholfen, die herannahende Hand nicht mehr einfach als Bedrohung wahrzunehmen (ihre Körpersprache ließ da keinen Zweifel).

Der beeindruckendste Durchbruch fand Mitte letzter Woche statt. Ich war mit ihr unterwegs und hatte sie fĂŒr irgendwas gemarkert. Unsere Belohnungen variieren seit einer Weile unterwegs von freundlichem Lob (in unterschiedlicher, der Situation angepasster AusprĂ€gung 😉 ) ĂŒber Leckerchen (natĂŒrlich verschiedene und unterschiedlich dargeboten und auch mal etwas Besonderes aus der Futtertube) bis hin zum zwischenzeitlich unter Signal gestellten Buddeln oder SchnĂŒffeln. Vorgestern stand ich da und fand irgendwie keine der Situation angepasste Belohnung. Mein GefĂŒhl sagte mir, dass Körperkontakt passen könnte, aber die Fledermaus war einige Meter von mir weg. Was also tun?

 

 

Genau in dem Moment kam Charis auf mich zu und wackelte mir den letzten Meter regelrecht mit dem Sterz entgegen. Also: Signal ‚Krabbeln‘ und vorsichtig berĂŒhren! Was soll ich sagen? Unsere Fledermaus hielt mir prompt die ganze Seite entgegen und drĂŒckte sich sogar kurz gegen die flache Hand. Das Ganze wohlweißlich unterwegs … im Feld … mit verschiedenen möglichen Auslösern um uns herum.

Ich war wie vom Donner gerĂŒhrt und hĂ€tte Charis vor Freude am liebsten krĂ€ftig gedrĂŒckt – was ich selbstverstĂ€ndlich nicht tat! 😉

Zwischenzeitlich haben wir das Krabbeln schon ein paar Mal als echte Belohnung einsetzen können.

Ich bin begeistert und freue mich unglaublich ĂŒber diesen neuen großen Schritt, den Charis auf uns zu gemacht hat!

 

Sitzprobe

… oder sollte ich doch besser schreiben: Stuhlprobe!?

Meine ersten vier Hunde wurden jahrelang brav nach Empfehlung des Tierarztes regelmĂ€ĂŸig prophilaktisch entwurmt und gegen allerlei Viechzeugs gespottet, geimpft und sonst was noch. Ich war damals 100%ig davon ĂŒberzeugt, das Richtige und natĂŒrlich nur Allerbeste fĂŒr meine Tiere zu tun.

Irgendwann entwickelte Kessy Hautprobleme. Wir wurden zu Stammkunden der Tierklinik, doch es wurde immer schlimmer. In meiner Verzweiflung wandte ich mich nach bald einem Jahr der erfolglosen Behandlung voller Skepsis an eine Tierheilpraktikerin. Ich konnte damals mit diesem ‚esotherischen Zeugs‘ nicht viel anfangen, sah aber nach Kessys langer Behandlung, unter der es ihr permanent schlechter ging, keine Alternative mehr,

Mit dieser Tierheilpraktikerin begann mein Umdenken (genau genommen ĂŒberhaupt erst Nachdenken 😉 ) … und Kessys rasche Genesung! 🙂

Seither werden meine Hunde nicht mehr einfach prophilaktisch gegen etwas behandelt, das sie vermutlich gar nicht haben (seit 2005 fielen alle Untersuchungen durch die Bank immer komplett negativ aus!).

Nachdem Charis inzwischen ĂŒber einen Monat bei uns ist und letztens ja eine Magen-/Darmverstimmung hatte, beschloss ich, dass es Zeit wĂ€re, einmal eine Stuhlprobe auf die ĂŒblichen VerdĂ€chtigen (BandwĂŒrmer, Einzeller, Giardien usw) untersuchen zu lassen:

probenroehrchen

Das Probensammeln hat sich gelohnt (bzw. eben nicht 😉 )!

Das Ergebnis kam gestern und war – natĂŒrlich – komplett negativ!

So soll es auch bleiben.

6. Woche

Nach den enormen Fortschritten, die Charis im ersten Monat bei uns gemacht hat, arbeiten wir seit zwei Wochen mehr und mehr an Details. Auch das ist ein Grund, ab jetzt nur noch zweiwöchentlich auf die aktuelle Entwicklung zu schauen. Es gibt momentan nicht viele ‘großartige‘ Nachrichten zu vermelden. Statt dessen gibt es mehr Kleinigkeiten, ĂŒber die wir uns freuen. Schließlich braucht es viele kleine Schritte, um zu einem fernen Ziel zu kommen.

  1. Markern
    Nachdem Reinhard mit schöner RegelmĂ€ĂŸigkeit unsere Fledermaus mit meinem Zungenclick herbei gelockt hat, habe ich meinen Marker umgestellt. Nun arbeiten wir eben mit einem Markerwort, das ihm sicher nicht so schnell ĂŒber die Zunge entgleiten wird. 😉
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  2. Zeigen + Benennen
    GlĂŒcklicherweise hat Charis weiterhin keine Probleme mit Menschen, Fahrzeugen oder dergleichen. Entsprechend habe ich das Zeigen + Benennen drastisch zurĂŒckgefahren. Nun mache ich es nur noch, wenn Charis erhöhtes ‘Interesse‘ an etwas/jemand zeigt. Immerhin beginnt sie sehr langsam, sich bei solchen Gelegenheit auch mal zu mir umzuorientieren.charisc-b
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  3. Benamseln
    ‘SchnĂŒffeln‘ und ‘Buddeln‘ kann ich seit ein paar Tagen unter Signal als Belohnung einsetzen. Toll!
     

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    Das ‘Schau‘ wird fast nur noch im jagdlichen Rahmen eingesetzt und wird wesentlicher Bestandteil des AJT werden.

  4. Tiere und Jagdfieber
    Zwischenzeitlich hat sich Charis‘ jagdliches Interesse an Vögeln deutlich reduziert. NatĂŒrlich guckt sie auffliegendem Getier hinterher oder beobachtet fliegende Objekte. Tauben, Fasane und sogar KrĂ€hen haben jedoch deutlich an Reiz verloren. Stand Charis bei solchem Anblick in den ersten zwei Wochen regelmĂ€ĂŸig senkrecht kreischend in der Leine, folgt jetzt oft nur noch ein kurzer Sprint zum Leinenende (den sie meist punktgenau abbricht!). Spatzen können ihr sogar bis auf 4 m vor der Nase rumhĂŒpfen, ohne dass sie sich deshalb besonders aufregen mĂŒsste. NatĂŒrlich gibt es auch noch ‚Aussetzer‘, aber die können wir inzwischen in einer Woche an einer Hand abzĂ€hlen! 🙂
    Zwei Themen werden uns allerdings noch lange begleiten: Kaninchen bzw. Hasen und Rehe!
    charisguckt
    An den nur durch MaschendrahtzĂ€une abgetrennten HĂŒhnern und Schafen in der Nachbarschaft zeigt Charis zwar Interesse, ist aber nun gut bis sehr gut handelbar. Bei den Schafen stellt sich mir die Frage, ob sie die hĂŒten wollen wĂŒrde.

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    Diese Frage werden wir irgendwann in fernerer Zukunft einmal untersuchen, wenn die Flattermaus nicht mehr gar so flatterig ist.
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  5. Pfeifen
    In der letzten Woche habe ich die Arbeit mit der Pfeife arg vernachlÀssigt. StÀndig habe ich das kleine Teil vergessen.
    Dieser Umstand hat allerdings auch einen kleinen Fortschritt gezeitigt. Reinhard hat die Fledermaus einfach mit unserem ‘Familienruf‘ gepfiffen, als sie mal wieder ins Feld gesaust war (natĂŒrlich an der Leine!). Entweder kennt Charis diesen Pfiff aus ihrem vorherigen Leben oder irgendein kleines Wunder ist passiert. Jedenfalls kam die Maus auf diese Tonfolge hin wie von der Tarantel gestochen mit breitem Grinsen herbei gesaust. Wir haben es unabhĂ€ngig voneinander mehrfach ausprobiert. Dieser Pfiff funktioniert zu 80% 
 zuverlĂ€ssig! 🙂
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  6. Konditionierte Entspannung
    Ein paar Mal habe ich die KE ĂŒber Wortsignal zwischenzeitlich mit Erfolg einsetzen können. Auch mit Duft habe ich erfolgreich arbeiten können (u.a. beim Physiotherapietermin). Die Akkus werden weiter aufgeladen, auf dass dieses tolle Werkzeug bald auch bei grĂ¶ĂŸeren Herausforderungen einsetzbar ist.
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  7. Stopp – Weiter
    … hat deutliche Fortschritte gemacht. Inzwischen stoppt Charis auf das Signal hin mit 90%iger Sicherheit vor dem Leinenende (die 10% Rest teilen sich auf zu spĂ€te Signalgabe und zu hohen Reiz am anderen Ende auf ;-)). Ähnliches gilt auch fĂŒr das Weitergehen.
    Im nÀchsten Schritt werde ich nun den Geschirrgriff aufbauen.
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  8. Autofahrten
    Beide Autos sind fĂŒr Charis mittlerweile vertraute Bewegungsmittel, die sie gerne besteigt. In meinem Auto kann sie sich hinten frei bewegen. Nachdem sie sich auf den ersten Fahrten regelmĂ€ĂŸig nach ein paar hundert Metern hinlegte, guckt sie nun hĂ€ufig hinten heraus. Genau genommen schaut sie sich die vorbei rauschende Landschaft an, denn sie guckt ĂŒberwiegend zu den Seitenfenstern hinaus. Wird ihr die Landschaft zu öde, oder erkennt sie, wo es lang geht, legt sie sich wieder hin. 🙂
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  9. Leinenzauber
    Seit zwei Wochen sind wir mit Charis fast ausschließlich an 7,5m-Leinen unterwegs. Reinhard mit der Flexi, ich mit einer schönen neuen Biothane-Leine:hunterbunt
     

    Diese Umstellung hat einen weiteren großen Fortschritt in unserem Zusammenleben gebracht. Charis ist deutlich entspannter 
 und wir auch! 😉
    Das Heranrufen lĂ€sst sich so natĂŒrlich auch deutlich besser ĂŒben. Unbeschreiblich, mit wieviel Freude und Elan Charis (immer öfter 🙂 ) heransaust!
    chariskommt
    Bei solch einer Gelegenheit hat sie ĂŒbrigens letzte Woche die ersten deutlichen Spielaufforderungen uns gegenĂŒber unterwegs gezeigt!

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  10. BĂŒrobesuche
    Charis hat sich inzwischen an den Ablauf der BĂŒrotage gewöhnt. Morgens wird routinemĂ€ĂŸig erst noch eine Viertelstunde gespielt, gekrabbelt usw. Dann gibt unsere Fledermaus Ruhe bis zum Mittagsspaziergang und dann wieder bis kurz vor dem Feierabend. Zwischendurch gibt’s mal den Kong oder eine Streicheleinheit oder was immer gerade passend erscheint. Wann immer es sich also einrichten lĂ€sst, begleitet mich Charis inzwischen. Ein großer und wichtiger Schritt fĂŒr uns beide!
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  11. Kontaktaufnahmen
    Der Besuch in der Tierklinik ist nicht spurlos an Charis vorbei gegangen. Zwar spazierte sie letzte Woche noch fröhlich zur Physiotherapie hinein, jedoch ließ sie Martina nicht annĂ€hernd so an sich heran wie noch eine Woche zuvor.
    Charis ist bei Kontaktaufnahmen durch neue, fremde Leute meist noch sehr vorsichtig, lĂ€sst BerĂŒhrungen aber nach AnkĂŒndigung oft wieder zu. Uns gegenĂŒber ist sie wieder aufgetaut. Dennoch gibt es viele Situationen, in denen sie weiterhin eine gewisse Scheu zeigt. Immerhin hat es eine reichliche Woche gebraucht, bis sie sich im Schlaf das erste Mal wieder so komplett geöffnet hat wie sie es vor dem Klinikbesuch tat.

Inzwischen gibt es tatsĂ€chlich Tage, an denen wir kaum glauben können, dass das die verrĂŒckte Charis ist, die da mit uns unterwegs ist. Manchmal hĂ€lt dieser Zustand auch nur einen Spaziergang lang an. Dann gibt es wieder Tage, an denen alles Gelernte vergessen zu sein scheint. Dann fĂ€llt uns wieder ein, in welchem wichtigen Lebensabschnitt Charis sich befindet und dass zudem wohl auch die Hormonumstellung infolge der Kastration inzwischen greift. Alles ist also vollkommen normal und im grĂŒnen Bereich.

Wir freuen uns auf weitere Fortschritte!

EigenHeimchen

Hund oh Hund, diese Woche ist vielleicht was Seltsames passiert!

 

 

Meine Menschen leben ja in einem netten Haus, extra mit Garten fĂŒr mich hinten dran und alles schön strubbelig … so wie ich mir das eben vorstelle. 🙂

FĂŒr mich gibt es auch mehrere Kissen und Decken im Haus verteilt, auf die ich mich legen kann, wenn mir nach Ruhe ist … oder meine Menschen meinen, mir sollte danach sein.

 

 

Dieser Tage kam ich also mit Herrchen nach Hause. Fröhliche BegrĂŒĂŸung von Frauchen, alles prima … aber was sehe ich da plötzlich im Wohnzimmer? Genau da, wo sonst immer meine tolle Liegedecke liegt?

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Was sollte DAS denn da? Schnell lief ich zu Frauchen, um ihr zu melden, dass da etwas Fremdes in unserem Wohnzimmer ist.

Sie kam auch gleich mit mir gucken, blieb dann aber einfach nur neben mir im Raum stehen. Mir blieb wohl nichts anderes ĂŒbrig, als mir dieses Teil mal alleine nĂ€her anzugucken.

Frauchen machte immer wieder dieses Click-GerĂ€usch, wenn ich zu dem Teil hinguckte oder darauf zuging. Dann warf sie immer Leckerchen von der Box weg. 😉

Schnell wurde ich mÀchtig mutig und lief einfach mal hinein in dieses Dingsbums.

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VoilĂ  … schon kam der Jackpot geflogen in Form von gaaaanz vielen hunderttausend Leckerchen, die ich dann im ganzen Raum vom Boden einsammeln konnte. Klasse!

 

 

Unter diesen Bedingungen – dachte ich mir – darf dieses Kastendings bleiben.

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NatĂŒrlich wurde an dem Abend noch gespielt, geknuddelt usw. Irgendwann wurde ich mĂŒde. Meine Menschen guckten sich Bilder in diesem Flimmerkasten an. Da hatte ich nun gerade keine Lust drauf. Also ging ich einfach in diese Riesenbox und legte mich hinein, um ein wenig zu dösen.

Ich könnte schwören, dass meine Zweibeiner sich kurz anstubsten und mit den Augen zwinkerten. Zwischendurch kamen immer wieder mal nette Worte zu mir rĂŒber und auch mal dieses Eeeeaaaaaaasyyyy. Da bin ich doch glatt fĂŒr ein klitzekleineskurzes Weilchen eingeschlafen. 😉

FĂŒr die Nacht lege ich mich natĂŒrlich weiterhin auf mein gemĂŒtliches Kissen neben Frauchens Bett, aber fĂŒr ein kleines Nickerchen zwischendurch hat so ein richtig eigenes Eigenheim doch was! Das werde ich bestimmt noch öfter ausprobieren.

Retter in der Not? oder ‚So bitte nicht!‘

NotfĂ€lle richten sich nicht nach dem Terminkalender. Sie ergeben sich regelmĂ€ĂŸig auch dann, wenn der vertraute ‚Hausarzt‘ leider nicht greifbar ist. Das hat wohl manch einer von uns schon erleben mĂŒssen.

Uns hat es am vergangenen Wochenende erwischt. Charis entwickelte innerhalb weniger Stunden einen heftigen Brechdurchfall, der auch schnell blutig wurde.

Dies an sich hĂ€tte mich nicht unbedingt in Panik versetzt. Es gibt einige recht ‚harmlose‘ GrĂŒnde, die zu solch beeindruckenden ZustĂ€nden fĂŒhren können. Jedoch kennen wir Charis nach vier Wochen noch nicht so gut. Wir wissen noch nicht, wie ihr Körper mit bestimmten Situationen umgeht und fertig wird.

So blieb uns nichts anderes ĂŒbrig als zu einer der Tierkliniken in unserer Gegend zu fahren. Dort waren wir frĂŒher auch mit unseren Hunden, hatten uns aber nach einigen ‘irritierenden‘ Erlebnissen anderweitig orientiert (wobei wir dort auch ein paar wirklich gute Erlebnisse hatten 😉 ).

Nun musste unserer kranken Fledermaus schnell geholfen werden. Da drĂ€ngt man schlechte Erinnerungen beiseite. Meine Horrorvorstellung war zudem, dass Charis (die gerne alle möglichen und unmöglichen Dinge in die Schnauze nimmt) evtl. irgendeinen Fremdkörper im Leib hĂ€tte, der gerade sein fatales Werk an ihren DarmwĂ€nden verrichten wĂŒrde.

Und schon eilte er herbei: Unser Retter in der Not, der Tierarzt im Wochenenddienst! 🙂

Alle wichtigen Informationen wurden ausgetauscht. Ich wies mehrfach darauf hin, dass Charis erst seit kurzer Zeit bei uns ist, dass sie aufgrund ihrer Vergangenheit ziemliche Probleme mit tierĂ€rztlichem Ambiente hat usw. Derweil tastete und drĂŒckte der Doc auch schon ĂŒberall an der erstarrten Patientin herum und versicherte uns dann, dass nach seinem Befund nicht von einem Fremdkörper auszugehen wĂ€re, sondern eher von einer Magen-/Darmverstimmung. Evtl. hĂ€tte Charis irgend etwas Unpassendes aufgenommen, vielleicht hĂ€tte sie sich einen derzeit grassierenden Virus eingefangen …

Und so nahm das Drama in Form mehrerer Spritzen gegen dieses und fĂŒr jenes seinen Lauf. Insgesamt viermal musste unsere Flattermaus – zuletzt nur noch panisch schreiend und unter Aufbietung aller KrĂ€fte und FixierungskĂŒnste von vier Menschen gehalten – die Tortur ĂŒber sich ergehen lassen.

Es gibt Ärzte, die Spritzen so setzen können, dass das Tier (so gut wie) nichts davon merkt. Dieser Herr gehört nicht zu denen!

So weit so schlimm. Charis durfte endlich runter vom Tisch. Reinhard und ich atmeten erleichtert durch. Herr Doktor erzĂ€hlte noch, welche mitzunehmenden Medikamente wir der Patientin in welcher Dosis wie oft ĂŒber den Tag verteilt und wie lange insgesamt noch geben sollten. Ich nĂ€herte mich derweil mit Charis der TĂŒre, um so schnell wie möglich mit ihr diesen Raum des Schreckens verlassen zu können.

Doch dem Ganzen sollte noch eine Spitze aufgesetzt werden. 🙁

Herr Doktor rief mehrfach: ‘Komm mal her!‘ und ‘Ja, nun komm doch mal!‘. Mein Kommentar war natĂŒrlich, dass er das ja wohl nach dieser Aktion vergessen könnte. Charis wĂŒrde jetzt selbstverstĂ€ndlich nicht (mehr) zu ihm kommen! Nun, ICH solle ja auch mit dem Hund zu ihm kommen. Wieso sprach er dann nicht mich an? Ich dachte nur noch ‘Was will er ihr denn nun noch einflĂ¶ĂŸen?‘ und schleppte unsere Fledermaus so freundlich wie möglich in Richtung Arzt.

Kaum, dass sie in seiner Reichweite war, beugte er sich mit seinem kompletten Oberkörper ĂŒber Charis! Eilig griff er Charis ins Halsband, so dass sie ihm nicht entweichen konnte!! Er ‘schrubbelte‘ und tatschte ihr ‘enthusiastisch‘ ĂŒber den Kopf und das Gesicht und klopfte ihr zuguterletzt ‚kumpelhaft‘ auf dem Vorderkörper herum!!!

 

 

Ich brauche wohl nicht zu betonen, wie entsetzt und mit wie weit aufgerissenen Augen Charis guckte!

Ich brauche vermutlich auch nicht weiter auszufĂŒhren, was ich in diesem Moment am liebsten mit Herrn Doktor angestellt hĂ€tte. 😉

Schließlich gelang es mir, sie seinen HĂ€nden zu entreißen und den Raum im Eiltempo zu verlassen. Reinhard ĂŒbernahm Charis und stĂŒrmte mit ihr aus der Praxis, wĂ€hrend ich noch die Rechnung begleichen musste.

Ich war derart fertig und aufgewĂŒhlt, dass ich in verzweifelter Impulskontrolle mehrfach ‘1 – 2 – 3‘ zĂ€hlte. Die nette, mit der Situation aber auch etwas ĂŒberforderte Sprechstundenhilfe konnte das natĂŒrlich nicht ĂŒbersehen und fragte freundlich, was denn los sei.

Dass die Spritzenaktion nicht so schön war, konnte auch sie nicht leugnen, aber das abschließende Krabbeln wĂ€re doch eine EntschĂ€digung gewesen und wĂŒrde den Tieren sonst helfen!

Ach ja!!!?????

 

 

Ich bat sie sich einmal vorzustellen, dass sie in einer ihr ohnehin schon Angst einflĂ¶ĂŸenden Umgebung von fremden Wesen gepackt und fixiert wĂŒrde (darunter zwei, denen sie gerade erst zu vertrauen begonnen hĂ€tte). Dann wĂŒrde eines der Wesen sie immer wieder mit einer Spritze traktieren. Endlich sei der Moment gekommen, wo sie dĂ€chte fliehen zu können. Stattdessen aber wĂŒrde sie noch einmal zu dem Peiniger gezerrt, der sie nun körpersprachlich bedrohe und regelrecht platt mache. Als Gipfel wĂŒrde dieses Subjekt sie dann auch noch fröhlich lachend in einem intimen Körperbereich begrabbeln.

Ob Sie das dann allen Ernstes als beruhigend oder gar hilfreich empfÀnde!? Die Sprechstundenhilfe guckte daraufhin Àhnlich entsetzt wie Charis einige Minuten zuvor.

Mit den Worten ‚Mit solchem Verhalten wird keinem Tier geholfen 
 und schon gar nicht einem unserer, denn wir werden definitiv nie wieder kommen!‘ verließ ich die Praxis.

Ich denke, die Sprechstundenhilfe wird noch eine ganze Weile ĂŒber meine Worte nachgedacht haben. Bei Herrn Doktor habe ich Zweifel. Der gefiel sich einfach zu gut in seinem Tun.

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Medizinisch gesehen geht es Charis inzwischen wieder gut. Die Ursache fĂŒr die Magen-/Darmverstimmung war ziemlich sicher ein vorheriger Besuch unseres Komposthaufens.

Nach einigen sehr verstörten Stunden hat Charis wieder Zutrauen zu uns gefasst. Dennoch werden uns diese unschönen Momente noch eine Weile verfolgen.

Die Fledermaus zeigt in einigen Situationen wieder die Scheu vor der Hand, die sie gerade erst angefangen hatte abzulegen. Auch schlÀft sie seither wieder zusammengekringelt und hat sich noch nicht einmal wieder so gestreckt, wie wir es zuletzt hÀufig sahen.

Ich bin keine Medizinerin und mag mir ĂŒber die fachliche Kompetenz des Arztes kein Urteil anmaßen. Seine Kompetenz im Umgang mit tierischen Patienten wie auch mit den Menschen dahinter ist fĂŒr mich persönlich allerdings extrem optimierungsfĂ€hig!

NatĂŒrlich gibt es Situationen in der Not, in denen sich ein gewisses Maß an ‘Gewalt‘ nicht verhindern lĂ€sst. Das, was Charis in diesem Notdienst erleben musste (und wir mit ihr), war definitiv nicht nötig. Das hĂ€tte sich mit etwas mehr Geduld und vor allem mit ein wenig VerstĂ€ndnis fĂŒr das Tier besser lösen lassen!

Wir haben inzwischen von einem Tierarzt gehört, der Ă€hnlich wie die Ärztin unseres Vertrauens arbeiten soll. Den werden wir uns zur Sicherheit mal gaaanz vorsichtig angucken …

Was guckst Du?

Unsere Hunde hatten immer irgendwelche Eigenheiten. Welcher hĂ€tte die nicht? 😉

Momentan verblĂŒfft mich unsere Fledermaus mit einer Besonderheit, die sie – wieder einmal – mit ihrer Namensgeberin verbindet: Sie guckt Fernsehen. Ihre Vorliebe gilt dabei natĂŒrlich den Tiersendungen. 🙂

Sobald sie auf dem Bildschirm Tiere erkennt – insbesondere Artgenossen – macht sie die Augen ganz weit auf, stellt die Ohren so hoch sie nur kann und verfolgt mit dem wortwörtlich geneigten Köpfchen das Geschehen.

Bei den ersten entsprechenden Aktionen hatten wir das noch auf die Akustik geschoben. Ist ja klar, dass ein Hund in irgendeiner Form z.B. auf das Bellen eines anderen Hundes reagiert. Inzwischen haben wir es aber auch öfters beobachten können, wenn gar kein Ton eingeschaltet war.

 

 

Gestern ergab sich wieder die Gelegenheit anlĂ€ĂŸlich des obligatorischen Sonntagvorabendtermins:

charissiehtfern

Da musste Charis sich sogar aufrichten, um alles genauestens zu verfolgen. 😉

Kessy hatte seinerzeit anfangs erst die ganze Bude nach dem Fremdling abgesucht, bis sie die Verbindung zum Fernseher hergestellt hatte. VerblĂŒffenderweise hat Charis von Anfang an gleich zur Mattscheibe hochgeguckt!

Was lehrt uns das? Wir sollten noch mehr Tierfilme schauen! 😉

4. Woche

In der vergangenen Woche ist nicht viel Neues passiert …

Nach drei Wochen des Findens, Zueinanderfindens und Zusammenfindens hatte ich beschlossen, dass Charis dringend eine Ruhephase braucht.

Bei allen unĂŒbersehbaren Fortschritten scheinen sich trainingsbedingt ein paar ihrer ‚Macken‘ momentan zu verstĂ€rken. Das ist ganz normal. Verhaltensweisen, die infolge  Nichtbeachtens bzw. Umlenkens in Alternativverhalten eine Weile nicht gezeigt werden, treten hĂ€ufig vor dem Erlöschen noch einmal verstĂ€rkt auf.

 

 

Um diese Phase gut und im Sinne eines dauerhaften Fortschritts durchzustehen, habe ich somit auch mir selbst eine kleine Pause gegönnt. Die brauchte auch ich dringend zum Regenerieren und zum Überdenken dessen, was wir in diesen drei Wochen bereits erreicht haben und wie ich das gemeinsame Training optimieren kann.

 

 

… und doch gibt es Neuigkeiten zu vermelden:

  1. Das BĂŒro-Training ist mittlerweile soweit gediehen, dass Charis nur noch knapp 30 Minuten Spiel und BeschĂ€ftigung braucht, bevor sie sich dann tatsĂ€chlich fĂŒr ein paar Stunden (!!!) zur Ruhe begibt.
    Die obligatorischen GerĂ€usche werden kaum noch beachtet. Durch das BĂŒro laufende Menschen werden natĂŒrlich beobachtet, aber dann wird weitergeschlafen. Auch Besucher sind nach kurzem Kennenlernen in Ordnung, so dass sie sich dann wieder zur Ruhe begeben kann!
     

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  2. Die heftigen Attacken, die Charis speziell in der ersten Woche gegen geschlossene TĂŒren gefahren hat, sind fast vollstĂ€ndig verschwunden. Vor allem hat sich ihre Motivation eindeutig parallel zum Zusammenfinden mit uns verschoben. UrsprĂŒnglich waren ihre TĂŒröffnereien generell panik- und fluchtmotiviert (auch vor uns, denn schließlich war alles noch fremd).
    Nun versucht sie nur noch aus vollkommen fremden RĂ€umlichkeiten, die ihr zudem unangenehm erscheinen (vornehmlich alles, was an Arztpraxis erinnert), zu fliehen.  Aber auch das wird langsam besser. Hauptsache, ich bin bei ihr. 😉
    Zuhause verursacht allerdings noch das Verlassen des Hauses durch einen von uns alleine Gebelle, Gefiepe und den verzweifelten Versuch, die WohnungstĂŒre zu öffnen. Mit nur einem von uns zusammen zu sein, ist okay fĂŒr sie. Aber der Moment, wenn einer geht, ist nicht ihr Ding. WĂ€hrend diese Phasen anfangs zwischen 5 und 15 Minuten schwankten, sind wir inzwischen bei knapp 1 Minute angekommen – Tendenz Richtung 30 sec. sinkend.
    Manchmal möchte die Flattermaus natĂŒrlich auch gerne in den Garten, wenn wir dies gerade mal nicht möchten. Aber das ist dann wieder ein anderes Thema. 😉
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  3. Charis hat uns in den vergangenen Wochen sehr gut beobachtet und unsere Körpersprache lesen gelernt. Das ist einerseits schön, denn so lĂ€sst sie sich ansatzweise bereits recht gut mittels kleiner Gesten lenken. Andererseits spiegelt sich in ihrem Verhalten auch immer deutlicher ihre Vergangenheit wieder. Sie reagiert heftig auf jegliches ‚Sich Aufbauen‘ oder auch nur andeutungsweise ‚bedrohliches‘ Verhalten. DarĂŒber hatte ich ja bereits an anderer Stelle berichtet.
    Andererseits liebt sie inzwischen auch den Körperkontakt, fordert manchmal regelrecht zu kleinen körperlichen Rangeleien auf, knuspelt, hĂ€lt ihren Sterz zum Krabbeln hin und zeigt auch öfters Dinge, die ein im falschen Moment hinguckender oder einfach unbedarfter Beobachter als BedrĂ€ngen meinerseits interpretieren könnte. So schlĂŒpft sie, wenn ich mich irgendwie beuge oder so verbiege, dass ich eine wie auch immer geartete ‚Mulde‘ anbiete, oft dort hinein und bohrt dann regelrechte ‚Löcher‘ in meinen Leib. Ähnliches auch, wenn ich z.B. im Spiel den Arm beuge. Dann prescht sie manchmal in die LĂŒcke zwischen Arm und Körper und genießt es, sich in dieser Position streicheln oder auch mal ’schrubbeln‘ zu lassen.
    Ich bin gespannt, wie sich die körperliche Kommunikation zwischen uns weiter entwickelt. Noch kommt es manchmal zu Irritationen.
    Wir mĂŒssen uns eben noch besser kennenlernen. 🙂
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  4. Am Mittwoch habe ich mich mit Anja Fiedler getroffen. Sie ist nicht nur eine tolle Trainerin und Kollegin, sondern hat sich noch dazu auf die Arbeit mit Jagdhunden und jagenden Hunden spezialisiert.
    Mir ging es bei diesem Treffen vornehmlich darum, mir einmal professionell ĂŒber die Schulter gucken zu lassen. Diese Erfahrung kann ich wirklich nur jedem Trainer empfehlen, denn es gab natĂŒrlich einiges zu gucken! *g*
    Mit wertvollen Tipps bewaffnet kann das Training mit Charis nun in die nĂ€chste Phase gehen. Anja wird uns beim weiteren Anti-Jagd-Training – und auch so – begleiten. 😉
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  5. Wir waren wieder zur Physiotherapie. Hier war ein wahrer Quantensprung zu beobachten. WĂ€hrend Charis beim letzten Termin noch angespannt und hektisch war, so stĂŒrmte sie diesmal regelrecht den Behandlungsraum und begrĂŒĂŸte Martina mit einem dicken Schmatzer!

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    Cavaletti-Arbeit ging locker flockig und diesmal durfte Martina sie sogar ĂŒber mehrere ca. 1-minĂŒtige Phasen tatsĂ€chlich richtig anfassen und leicht massieren (auch genannt ‚Intervall-Massage‘ 🙂 ). Wir waren beide ziemlich sprachlos ĂŒber diesen Entwicklungsschub. Der Gipfel war, dass Charis Martina mehrfach demonstrativ den RĂŒcken prĂ€sentierte, damit sie dort an der wirklich ĂŒbel verhĂ€rteten Muskulatur im gesamten Schulterbereich arbeiten konnte. PĂŒnktlich zum Abschied streckte die Fledermaus ihr sogar die Kehrseite zum Massieren und Krabbeln hin und ließ ein Abstreichen der Beine zu.
    Dies könnte der Beginn einer wunderbaren Freundschaft sein!

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Nach drei Wochen des Kennenlernens und Beobachtens war es zudem Zeit, endlich eine Belohnungsliste fĂŒr Charis zu erstellen.

 

 

Noch tu ich mich ein wenig schwer damit, und die Reihenfolge der Belohnungen nach Wertigkeit stimmt auch noch nicht. Irgendwann muss frau aber mal damit anfangen.

So also sieht die Liste momentan aus:

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Ich bin mÀchtig gespannt, wie sie sich im Laufe der Zeit verÀndern wird. Vermutlich sieht sie nÀchste Woche schon anders aus.

Alles immer positiv, oder?

Ich war immer schon ĂŒberzeugt, dass es Möglichkeiten geben muss, Tieren – insbesondere den mit mir lebenden Hunden – das, was ich von ihnen an Verhalten wĂŒnsche, auf eine möglichst artgerechte und ‘positive‘ Weise zu vermitteln. Gleiches gilt ĂŒbrigens auch fĂŒr das, was ich an Verhalten nicht so erstrebenswert finde.

FĂŒr mich kann dies allerdings nicht bedeuten, dass ich z.B. anfange, ‚hĂŒndisch‘ mit Hunden zu reden oder mit ihnen umzugehen (obwohl dies durchaus auch mal lustig sein kann).

Ich bin kein Hund. Ich werde also niemals so prĂ€zise im Timing und von der Ausdrucksweise her mit Hunden ‚hĂŒndisch‘ kommunizieren können, wie sie es untereinander schaffen. Ich habe auch noch keinen anderen Menschen erlebt, der dies könnte (auch wenn verschiedene Trainer dies gerne immer wieder von sich behaupten).

 

 

Mein Hang zum ‚freundlichen Miteinander‘ mag u.a. darin begrĂŒndet liegen, dass ich selbst eine entsprechende Erziehung genossen habe. MilitĂ€rischer Drill, Strafmaßnahmen und dergleichen haben mir immer Probleme bereitet. Besonders intensiv ist mir vermutlich deshalb auch die einzige Ohrfeige meines Lebens in Erinnerung geblieben, die ich vollkommen ungerechtfertigt aufgrund eines MissverstĂ€ndnisses bekam.

Von wegen: ‘So ein Klapps macht doch nichts!‘  Solche Erfahrungen prĂ€gen und verunsichern 
 u.U. fĂŒr den Rest des Lebens! Nicht nur Menschen!

Dies heißt allerdings nicht, dass ich deshalb nun immer und jederzeit nur nett zu meiner Umwelt wĂ€re. Das schafft wohl niemand auf der Welt!

 

 

Ich bin ein ganz normales SĂ€ugetier, Spezies Mensch, mit allen VorzĂŒgen und auch Fehlern. Ich habe meine guten Tage und auch mal schlechtere. Im Umgang mit meinen Mitmenschen kann es demnach natĂŒrlich auch mal Probleme geben. Meist schaffen wir die auf menschliche Art und Weise friedlich aus dem Weg.

Wenn ich aber bedenke, wie leicht es schon im zwischen-menschlichen Miteinander zu Missstimmungen kommt, um wie viel leichter mag dies dann zwischen zwei unterschiedlichen SĂ€ugetier-Arten wie den Hunden und den Menschen geschehen? Und wie oft mag dies geschehen, ohne dass der Mensch dies ĂŒberhaupt merkt? Wer genau hinschaut, wird tagtĂ€glich etliche solche Situationen erleben.

Ein wesentlicher Schritt zum positiven Miteinander ist die Arbeit mit Markern. Marker ermöglichen eine wohl einmalig klare Kommunikation ohne nennenswerte Risiken unerwĂŒnschter Nebeneffekte. Zudem fördert die Arbeit mit Markern immens die Beobachtungsgabe, denn ohne das genaue Beobachten des zu markernden Tieres kann sie kaum funktionieren. Ich persönlich kann und will mir ein Training ohne Marker ĂŒberhaupt nicht mehr vorstellen!

NatĂŒrlich arbeite ich im Training auch mittels Körpersprache. Das tut jeder von uns, ob er will oder nicht. 😉

Ich mache mir auch immer wieder Gedanken, wie ich meinem Hund möglichst prÀzise vermitteln kann, wie ich mir das Miteinander mit ihm vorstelle.

Unter BerĂŒcksichtigung der Lerntheorie ist das alles im Prinzip relativ leicht. Das reale Leben aber ist nicht immer so leicht.

 

 

So bin ich Charis einmal – weil arg im Stress und total genervt – energisch angegangen. Konkret rief ich laut ‘Schluss jetzt!‘  und stampfte einmal mit dem Fuß auf dem Boden auf, weil sie mit einem unerwĂŒnschten Verhalten nicht aufhören wollte. Klar wusste ich, dass sie einen Grund dafĂŒr hĂ€tte (der mir allerdings nicht vollkommen klar war) und natĂŒrlich hatte ich es eine ganze Weile lang mit Umlenken, Markern usw. usw. versucht … bis mir eben die Hutschnur krachte. Ich bin nur ein Mensch.

Der zweifelhafte Erfolg war der, dass Charis sich unverzĂŒglich auf ihren Liegeplatz trollte und dabei körpersprachlich derart zusammenfiel, dass ich alles dafĂŒr gegeben hĂ€tte, diesen Moment ungeschehen zu machen.

 

 

So ist das leider im realen Leben. Und genau DAS ist der Grund, weshalb ich mich so unbedingt fĂŒr ein ‚positives‘ Training entschieden habe. Nach vielen Jahren der Suche habe ich vor einer Weile endlich den fĂŒr mich einzig richtigen Weg gefunden. Einen, der wissenschaftlich abgesichert ist, der sich immer wieder selbst auf die Probe stellt und ĂŒberprĂŒft. Einen, der nicht einfach dem Ego einer Person entsprungen ist, sondern permanent durch neue Erkenntnisse aktualisiert wird und neue Lösungen und Strategien findet.

Strafe lĂ€sst sich nicht immer vermeiden, aber deutlich öfter als die meisten Menschen glauben. Wer lange genug nachdenkt, wird – fast – immer eine passende Lösung finden!

Weshalb also sollte ich im Training mit einem Hund geplant und absichtlich mit ĂŒberflĂŒssigen Strafen auf ihn einwirken? Es passiert ohnehin oft genug … leider … immer wieder.

Wir Menschen sind keineswegs die besseren Wesen. Wir sind ganz normale SĂ€ugetiere, wie auch unsere Hunde.

Nichts gibt uns das Recht, unseren ‚geliebten‘ Haustieren mit psychischer oder körperlicher Gewalt entgegen zu treten. Noch weniger steht uns dies zu, nur um ein erwĂŒnschtes Verhalten zu provozieren oder ein unerwĂŒnschtes zu unterdrĂŒcken.

Morgen ist ein neuer Tag … hoffentlich ein positiver!

KONG-O!

Seit ihrem Einzug habe ich Charis immer mal wieder Kaustangen unterschiedlicher GrĂ¶ĂŸe und Konsistenz angeboten, um z.B. Stress abzubauen oder auch ganz einfach ihrem BedĂŒrfnis nach BeschĂ€ftigung ihres Kauapparats nachzukommen … bevor sie es an ungeeigneten Objekten tut. 😉

Dabei hat sie inzwischen gewisse Vorlieben und unterschiedliche Handlungsweisen gezeigt. Kleine bis mittelgroße, eher weiche Kaustangen werden mit mehr oder weniger Begeisterung (je nach Geschmacksrichtung) sofort verspiesen. Große, eher feste ‚Knochen‘ oder gar richtige KnochenstĂŒcke werden mit Vorliebe in den Garten getragen und dort sorgfĂ€ltig unter ‚Ganzkörpereinsatz‘ verbuddelt (und nach ordnungsgemĂ€ĂŸer ‚Garzeit‘ wieder zum Verzehr ausgebuddelt). 🙂

Nach Kessy ist sie der erste Hund, der dies wieder mit solcher Hingabe und Ausdauer tut!

 

 

Seitdem sie dieses Verhalten zeigt, sind derartige Kaustangen im Haus allerdings tabu, denn sie weicht notfalls auch auf unsere PflanzgefĂ€ĂŸe aus.

 

 

Gestern jedenfalls hatte ich beschlossen, die Maus sei reif fĂŒr den Kong! Als ich die nĂ€chste Futterration unter gewissenhafter Aufsicht vorbereitete …

charisfutterkontrolle

… prĂ€parierte ich gleich auch den Kong: Quark und Streichwurst leicht reingedrĂŒckt und fein um den Rand herum verstrichen und schon ging’s los:

kong

ZunĂ€chst wurde das Teil natĂŒrlich erst mal vorsichtig beĂ€ugt, aber der Duft der Leberwurst tat ein Übriges:

kong3

Da wurde geleckt und gepackt …

kong1

… und genuckelt, geknitscht und gesaugt …

kongb

… was der Kong hielt. Immer wieder beeindruckt uns die Fledermaus dann mit ihrer ‚Fingerfertigkeit‘. Ich habe lange keinen Hund mehr gesehen, der so gezielt und gekonnt seine Pfoten und sogar einzelne Zehenspitzenglieder einsetzt.

konga

Spannend zu beobachten war auch, als sie merkte, dass sie den Inhalt des Kongs – wenn sie ihn nicht rausgenuckelt kriegt – mit der Zunge durch das ‚EntlĂŒftungsloch‘ rausdrĂŒcken kann. Was ein GlĂŒck, dass wir ĂŒberall Laminat verlegt haben und die paar vorhandenen ‚Teppiche‘ sehr pflegeleicht sind.

 

 

Mensch sollte nicht unterschÀtzen, wie anstrengend so ein Ausflug zum Kong-O sein kann:

charisplatt

Das werden wir jetzt öfter mit unterschiedlichen FĂŒllungen machen!

 

 

 

Spiel, Spaß und …

Frauchen erzĂ€hlt ja immer von unseren Trainingsfortschritten oder wie sie das nennt. Ich will jetzt aber mal von meinen Spaß-Fortschritten erzĂ€hlen! Da gab es nĂ€mlich so einiges in den letzten Tagen.

Also, zunĂ€chst einmal darf ich hier immer ganz viel im Garten an der Terrasse sein – nicht immer, aber immer öfter!

 

 

Da darf ich buddeln und nach MĂ€usen suchen und und und … da kann ich auch rennen wie eine Rakete, wenn ich mal wieder meine jecken 5 Minuten kriege.

Nicht umsonst nennen mich die Leute von der Tagesstelle auch ‚Porsche‘.

 

 

Außerdem spielen meine Menschen viel mit mir. Die meinen, Spielen wĂ€re immer eine tolle Gelegenheit zum Lernen. DafĂŒr nehmen sie manchmal meinen tollen Quietscheball oder so einen Schleuderball oder so ein Angeldingsbums oder oder … manchmal so ein Zerrseil:

chariszergel

Als meine Menschen das das erste Mal rausholten, habe ich dem Frieden ja noch nicht so recht getraut. Aber mittlerweile macht mir das richtig dolle viel Spaß. Ich bin nĂ€mlich so mĂ€chtig stark und schnell, dass ich ganz oft beim Zergeln gewinne. Und jetzt soll mir bloß keiner kommen, dass diese Zweibeiner mich womöglich einfach gewinnen lassen wĂŒrden!

 

 

Auf alle FĂ€lle meint Frauchen immer, dass ich das supertoll machen wĂŒrde!

Seit einer Woche haben sich meine Menschen außerdem noch was einfallen lassen. Wenn wir unterwegs sind, tauschen die manchmal diese Leine aus. Beim ersten Mal habe ich mich noch ein bißchen gewundert und konnte gar nicht glauben, dass die sooooo lang wĂ€re, aber dann ging die Post ab. Boooaaaah, bin ich gelaufen – immer hin und her und zuguterletzt immer um den Reinhard herum, dass der sich immer drehen musste. Heissa, war das ein Spaß!

 

 

Zwischendurch hat Frauchen immer wieder mal mit diesem Pfeifendingsbums getrötet … und schwupps bin ich ganz schnell zu ihr hingeflitzt:

schleppe2

… und dann wieder ins Gras … und dann wieder zu Herrchen:

schleppe1

Ich kann Euch sagen: So ein Training macht Riesenspaß!!!

 

 

Aber den Oberknaller gab es gestern. Ich habe ja schon gesehen, dass meine Menschen ein ziemlich großes Wasser in ihrem anderen Garten haben (die haben tatsĂ€chlich zwei richtig strubbelige GĂ€rten 🙂 ). Da war ich ja auch mal vorsichtig reingelaufen.

Gestern hat mir Herrchen ein noch viiieeeeel grĂ¶ĂŸeres Wasser gezeigt. Vor allem war das viiiieeeeel lĂ€nger. War doch wohl klar, dass ich da ganz schnell hineinhopsen wĂŒrde:

charisimwasser

Frauchen meint, ich könnte da jetzt regelmĂ€ĂŸig Wassertreten machen. Aber wer will schon Wassertreten, wenn er Wasserrennen machen kann?

Ich bin schon so gespannt, was meine Menschen sich noch alles einfallen lassen!