Hundebegegnungen

Charis lebt jetzt seit einem halben Jahr bei uns. Das ist vermutlich der längste Zeitraum, den sie in ihrem kurzen Leben an einem Ort verbracht hat. In dieser Zeit hat sich ihr Leben vor allem auch in einem Punkt geändert: Sie hat nicht mehr permanenten Kontakt mit Artgenossen.

Auf der Pflegestelle, von der wir sie übernahmen, lebte sie mit mehreren wechselnden Hunden zusammen. Davor teilte sie ihr Heim mit einer ‚älteren‘ Hündin und davor war sie in Griechenland. Dort dürfte sie wohl auch ziemlich regelmäßig mit anderen Hunden zusammengekommen sein, vielleicht mit Ausnahme der Rekonvaleszenz nach ihren Oberschenkelbrüchen.

Hunde sollten regelmäßigen Kontakt zu Artgenossen haben. Dies schon deshalb, weil für ein gutes Sozialverhalten die innerartliche Kommunikation gelernt, geübt und regelmäßig aufpoliert und verfeinert werden muss. Bei unseren Familienhunden sollten die dazugehörigen Menschen ein gutes Auge haben auf das, was da jeweils zwischen den Hunden kommuniziert wird, und ggfs. steuernd / regulierend eingreifen. Sonst kann es schnell zu den viel beschrieenen Situationen kommen, wo es angeblich ‚urplötzlich‘ und ‚ohne jeden Grund‘ oder ‚ohne Vorwarnung‘ kracht. Seien Sie versichert: Ohne jegliche Vorwarnung passiert so etwas praktisch nie. Der Mensch hat so gut wie immer einfach nicht hingesehen und z.B. durch ein Abrufen, Umlenken, ein Entspannungssignal o.ä. eingegriffen.

Solche Steuerung und Regulierung hatte bei Charis offenbar kaum stattgefunden und/oder war schlecht umgesetzt worden. Sie hatte lediglich gelernt, dass jeder Artgenosse zur ungebremsten Begrüßung mit anschließendem Rennspiel und/oder Balgerei freigegeben ist. Sie verhielt sich bei jeder Hundesichtung ähnlich wie ein junger Hund oder Welpe, der merkt, dass es zum Hundeplatz geht. Die Erwartungshaltung war eindeutig: Jetzt kommt die Action! Das mag bei einem Welpen noch ganz nett sein (wobei ich eine derartige Konditionierung nicht für gut halte), bei einem anderthalbjährigen, kräftigen Hund ist es das definitiv nicht mehr. 😉

Nun wurde sie bei uns recht drastisch auf nahezu Null runtergefahren, weil sie u.a. durch die ständige Toberei ein konstant sehr hohes Erregungsniveau erreicht hatte. Das in Kombination mit nicht vorhandener ‚Leinenführigkeit‘, ihren Jagdambitionen usw. war einfach zuviel des Guten.

Während Charis einerseits lernte, dass das Leben auch an der Leine Spaß machen kann, baute sie einen ziemlich Frust auf, weil sie nicht mehr immer zu jedem Hund Kontakt aufnehmen konnte. Im Ergebnis blökt sie seit einer Weile gerne andere Hunde an, sobald sie sie sieht, und geht heftig in die Leine. Besonders schlimm ist es, wenn ich sie mit ins Büro nehme und dann in städtischem Umfeld mit ihr unterwegs bin, wo wilde Spiele (auf schmalen Alleen zwischen vierspurigen Autoschnellstraßen) schlichtweg nicht möglich sind.

Gott sei Dank gibt es immer öfter auch ‚gute‘ Tage, an denen sie es erstaunlich gelassen schafft, ihre Artgenossen anzuschauen und zu beobachten. Aber natürlich muss sie zwischendurch auch mal unter Ihresgleichen.

Vor diesem Hintergrund haben wir uns in den letzten Wochen immer wieder mal mit netten professionellen Bekannten und ihren Hunden auf eingezäuntem Gelände getroffen. Zum Einen zu Übungszwecken mit Charis im Sinne von Begegnungstraining. Zum Anderen, um Charis immer wieder mal die Möglichkeit zu kontrolliertem Spiel mit geeigneten Artgenossen zu geben.

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Alle Begegnungen begannen mit mehr oder weniger Leinenpöbelei, endeten aber immer mit großer Freude, wenn dann endlich – nach kurzer oder auch längerer Trainingseinheit – der heißersehnte Kontakt stattfand. Allerdings bestätigten alle diese Treffen auch meine Einschätzung, dass Charis eine recht grobe und rennorientierte Spielerin ist, die zwar durchaus die Feinheiten der Hundekommunikation beherrscht und bei entsprechendem Gegenüber auch einsetzt, in entsprechender Erregung aber auch immer wieder deutlich auf die Gemütslage des Gegenübers hingewiesen werden muss, um dann – zumindest zeitweilig – wieder vorsichtiger zu werden.

Dies ist auch schön auf nachfolgender Fotoreihe zu beobachten:

[Galerie nicht gefunden]

Aber auch unterwegs ergeben sich immer wieder Gelegenheiten zum Spielen. 🙂

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Natürlich finden solche Begegnungen dann an der Schleppe bzw. der Flexileine statt. Natürlich immer erst nach Rücksprache mit dem Gegenüber.

Viele Leute lassen sich leider wegen der Leine nicht darauf ein (in unserer Gegend wird standardmäßig in den HuSchus mit den unterschiedlichsten Begründungen gelehrt, dass Hundekontakte an der Leine nicht geduldet werden sollen 🙁 ). Viele aber eben doch, was dann zu solch ausgelassenen ‚Freudensprüngen‘ führen kann. 😉

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Wir sind gespannt, wie sich unsere Fledermaus weiter entwickelt und werden natürlich berichten. 🙂

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