Panik, Furcht und Ängste …

… erschienen uns bei Charis in den ersten Monaten unseres Zusammenlebens nicht besonders ausgeprägt. Sicher zeigte sie hier und da mal Unsicherheiten. Wir fanden das nicht weiter ungewöhnlich bei einem Hund mit solch einer Vorgeschichte. Ausgerechnet am Tag meines letzten Eintrags sollte ich jedoch eines Anderen belehrt werden.

Wir freuten uns auf den Besuch bei unserer Physio, wo Charis im Laufe der letzten Wochen wirklich erstaunliche Fortschritte gemacht hatte. Zuletzt schaffte Martina es über längere Phasen tatsächlich mit beiden Händen an ihr zu arbeiten und sie in Einheiten bis zu 20 min. leicht zu massieren. Die Erfolge der Massagen waren auch deutlich zu spüren. Charis wurde immer lockerer im Nacken- / Schulterbereich. Anläßlich des letzten Massagetermins hatte Charis Unsicherheiten mit dem Fliesenboden gezeigt, war aber mit mir reingegangen und hatte – einmal drinnen – auch mit Martinas Hündin Kontakt aufgenommen und sogar … quasi als Bonbon … beim Rausgehen noch intensiv mit dem nächsten Patienten geflirtet. 😉

So dachte ich mir nicht viel, als Charis an diesem Abend bei der Annäherung an die Praxis zunächst leichtes Meideverhalten zeigte. Die Fliesen konnten doch nicht soo schrecklich gewesen sein, oder? Charis wurde regelrecht panisch. Vier Versuche der Annäherung (aus unterschiedlicher Richtung und in unterschiedlichen Geschwindigkeiten), wobei Martina zuletzt freundlich lockend an der Türe stand / hockte, führten lediglich dazu, dass Charis mir beim letzten Anlauf mit drei Rückwärtsrucken um Haaresbreite mitten im Abendverkehr an einem Kreisel aus dem Geschirr geschlüpft wäre. Unsere Rettung war, dass genau in dem Moment, als sie mir endgültig aus dem Geschirr zu gleiten drohte und auf die Straße rannte, kein Auto kam. So folgte ich ihr schnell und konnte die Leine gerade noch rechtzeitig hoch halten und damit ihr endgültiges Ausbrechen verhindern.

Dann ging es nur noch im Turbo zum Auto, in das sie sofort reinsprang. Den Termin konnten wir natürlich knicken.

Während wir bei dieser Geschichte noch an ein Schreckerlebnis anläßlich eines Restaurantbesuchs ca. 3 Wochen zuvor dachten (die Espressomaschine mit ihrem Zischen hatte Charis derart aus der Bahn geworfen, dass ich nur noch fluchtartig mit ihr die Räumlichkeiten verlassen konnte – wobei Charis über den Fliesenboden schlidderte), zeigte Charis in den darauffolgenden Tagen in immer mehr und unterschiedlichen Situationen Panik.

Alle Versuche, einen gemeinsamen Nenner zu finden, sind bislang gescheitert. Wenn es kein krankheitsbedingtes Geschehen ist, dann müssen mehrere Auslöser im Spiel sein, die aber anscheinend auch noch variieren. Ein Faktor scheinen ziemlich sicher die Dämmerung / Dunkelheit und die damit einhergehenden Lichtkegel der Autos zu sein. Vielleicht hat sie Probleme mit den Augen? Vielleicht kommen dann Erinnerungen an ihre Stunden in der Mülltonne hoch?

Nicht weiter zu erwähnen brauche ich vermutlich, wie sehr diese Situation auch an meinen Nerven zerrt. Nie hätte ich mir vorstellen können, einen Hund zu haben, der solch eine Angst hat … und dem ich ausgerechnet dann nicht die nötige Sicherheit als Zufluchtsort bieten kann. Soweit ist Charis trotz aller Erfolge und Vertrautheit einfach noch nicht bei uns angekommen.

Zwischenzeitlich wurde ihr Vertrauen in uns auch noch dadurch belastet, dass sie eine Augenentzündung hatte und wir deshalb mit ihr zu unserer (wirklich sehr rücksichtsvoll arbeitenden) Tierärztin mussten. Ein einziges Bild des Grauens war das, was sie dort bot. Vor lauter Zittern wäre sie uns (die sie zu zweit sicherten) beinahe vom Behandlungstisch gefallen.

Leider werden wir ihr diese Prozedur noch einmal antun müssen. Unsere nächste Maßnahme wird die Untersuchung auf eine Schilddrüsenfehlfunktion sein. Ich weiß gar nicht, ob ich darauf hoffen soll oder nicht. Solange wir aber die Ursache für Charis‘ Panikattacken nicht kennen, können wir ihr schlecht helfen. Während dieser Attacken reagiert sie auf nichts – kein Click, keine noch so hochwertige ‚Belohnung‘ oder Ablenkung erreicht sie dann. Gestern musste ich sie sogar (als sie an einer stark befahrenen Straße flüchten wollte) gut 30m bis zum Auto tragen (immerhin ließ sie das glücklicherweise zu!). Hatte sie es gerade noch eilig, dorthin zu kommen, so raste sie im nächsten Moment mit weit aufgerissenen Augen und der kompletten, typischen ‚geprügelter Hund‘-Gestik an die Straßenkante und versuchte wirklich alles in ihrer Kraft stehende, um weg zu kommen. Egal wohin, nur unbedingt weg! Als wir aber endlich am Auto angekommen waren und ich die Autotür aufmachte, sprang sie mit einem Riesensatz gleich hinein und legte sich sichtlich beruhigt hin!

Natürlich trägt Charis längst ein (hoffentlich) ausbruchsicheres Geschirr. Doch die Angst vor dem Reißen der Befestigungsöse oder, dass Charis trotzdem irgendwie daraus entweichen könnte, bleibt. So sind Ängste zurzeit unsere ständigen Begleiter. 🙁

Zumindest haben wir ihr zwischenzeitlich ein Thundershirt bestellt und die Aktion ‚Zylkene‘ läuft heute Abend an.

Wir werden weiter berichten, wie sich die Dinge entwickeln …

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