Hohe Flüge, kleine Stürze

Der Frühling ist in der letzten Woche mächtig über uns hereingebrochen.

Einerseits freut mich das unglaublich, denn ich bin kein wirklicher Freund der Kälte und Dunkelheit. Charis waren die Temperaturen anscheinend relativ egal, solange sie nur laufen konnte. 😉

Andererseits bedeutet dies natürlich auch, dass aus wirklich jeder Ritze wieder allerlei ‚Geviechs‘ hervorkommt. Die ersten Hummeln, Zitronenfalter und kleinen Füchse haben wir entdeckt. Die Vögel flattern und trällern herum als gäb’s kein ‚morgen‘ … und Charis hat derweil die Langohren und Weißpuscheln auf den Wiesen und Feldern wieder entdeckt. All diese Tiere hinterlassen natürlich auch im wäldlichen Umfeld, das wir in den letzten Monaten aus unterschiedlichen Gründen für unsere Spaziergänge mit ihr favorisiert haben, ihre Spuren. Somit lohnt sich das in den letzten Wochen bei so ziemlich jeder Gelegenheit mit Signal belegte ‚Schnüffeln‘ für sie wieder ganz besonders … und kann dann auch mal spontan ihren Turbo auslösen. *trallalla*

All dies hat uns jedoch nicht davon abgehalten, diverse positive Veränderungen im Verhalten unseres Flederfroschs festzustellen.

Ich versuche sie mal hier aufzulisten:

  • Seit bald zwei Wochen haben wir ein neues Morgenritual. Charis bleibt inzwischen fast immer liegen, wenn wir morgens ins Wohnzimmer an die Couch kommen und ihr einen guten Tag wünschen. 😉
    Seit gut einer Woche bleibt sie auch liegen, wenn wir sie dann vorsichtig streicheln. Manchmal legt sie dabei sogar ihren Kopf in unsere Hände. Ich kann gar nicht beschreiben, wie sehr ich dieses Morgenritual vermisst habe und wie warm es mir jetzt dabei ums Herz wird.
  • Seit ca. 3 Wochen beobachte ich öfters, dass Charis auch mal zu einem von uns kommt und denjenigen regelrecht zum Kuscheln / Spielen auffordert.
  • Vor knapp zwei Wochen hat Charis mich zum allerersten Mal zu einer richtigen gemeinsamen Aktion aufgefordert!
    Ich war in der Küche beschäftigt. Da kam sie zu mir, legte mir ihre rechte Pfote an mein linkes Bein und sah mich dabei mit einem Blick an, der sagte ‚Guck, was ich kann. Kriege ich jetzt meine Belohnung?‘. Natürlich hat sie die bekommen!!! Aber wirklich verstanden, was da passiert ist, habe ich erst hinterher. 😉
    Dieses ‚Tipp‘ habe ich in letzter Zeit öfters mit ihr erclickert. Ich konnte es gar nicht fassen, dass Charis diese Übung nun plötzlich benutzte, um sich ihre Mahlzeit von mir zu ‚erarbeiten‘. 🙂
  • Seit gut 2 Wochen liegt Nachbars Kater wieder regelmäßig auf dem Garagendach, wenn wir zur ersten Runde unterwegs sind bzw. von ihr zurückkommen. Während der Frosttage war es anscheinend sogar ihm zu eisig gewesen. Bei der ersten Sichtung war Charis noch etwas aufgeregt, konnte ihn aber doch ganz gut anschauen und recht ruhig dabei stehen bleiben. Wir bauen dieses Schauen seit Wochen eifrig aus. Schließlich liegt nicht jedes Objekt der Begierde einfach bewegungslos irgendwo rum … schon gar nicht in so schlecht erreichbarer Höhe. 😉
  • Vor ein paar Tagen entdeckte Charis morgens Nachbars Kater im Gestrüpp, an dem wir auf der ersten Runde vorbeikommen. Noch vor kurzem hätte Charis mich in dieser Situation (ich war noch nicht wirklich wach) unter lautem Getöse gnadenlos in den Stacheldrahtzaun, der das Gelände von einem Parkstreifen abgrenzt, gezerrt. Nun stand sie da – regungslos – und starrte den Kater an, der erfreulicher Weise ebenso regungslos sitzen blieb! Charis konnte schauen und ich konnte zwischendurch sogar feststellen, dass die Leine locker hing. So standen wir da und machten ‚Schau / Marker / Belohnung usw.‘ für knappe 15 Sekunden. Dann konnte ich sie mit einem netten ‚Weiter‘ ohne großen Zug oder sonstigen Aufstand zum gemeinsamen Weitergehen mitnehmen!
  • Um das Ganze zu toppen, hat sie es gestern Vormittag geschafft, ein Eichhörnchen (vor kurzem noch ein Megaaufreger), das ebenfalls in diesem Gestrüpp am Boden herumhopste, zu beobachten. Sie verfolgte es mit ihren Blicken (wodurch ich es überhaupt erst bemerkte!), sah ihm nach wie es an den nächsten Baumstamm sprang und beobachtete es lautlos eine gute Minute lang beim Tanz durch die Baumwipfel mit – für ihre Verhältnisse – erstaunlich niedriger Körperspannung. Auch hier war die Leine die meiste Zeit locker. Kein Gequietsche, Gejunke oder dergleichen. Auch hier konnte ich Charis nach dieser Minute mit einem freundlichen ‚Weiter‘ mitnehmen!
  • Ebenfalls gestern ist ein weiteres kleines Wunder passiert: Charis hat sich das erste Mal, seit sie bei uns ist, auf die Terrasse in die Sonne gelegt. Einfach nur so … zum Genießen und Entspannen. Ich musste echt zweimal hingucken, weil ich es gar nicht glauben konnte.

Es gibt natürlich auch die Momente, wo die Auslöser nicht ganz so trainingsadäquat mitspielen. Vor ein paar Tagen sah ich beim Spazottel durch den Wald auf einer Lichtung Rehe. Noch vor kurzem wäre ich da auf dem Absatz umgedreht. Doch an diesem Tag fühlte ich mich stark genug, die Situation bis an die Grenze auszuloten. Es ging erstaunlich lange erstaunlich gut, bis nach 2/3 der Strecke entlang der Lichtung eines der Rehe langsam in den angrenzenden Wald ging (erfreulicherweise von uns weg *puhh*). Da setzte natürlich der Turbo bei Charis ein …
Auch, wenn diese Situation für mich ordentlich kraftraubend war, wir haben sie gemeistert. Charis ist – wie mir erst hinterher auffiel – auch dabei nicht auf die Hinterläufe gegangen und sie war für ihre Verhältnisse recht ruhig dabei.

Kaum, dass wir aus der Rehsituation raus waren, tauchten hinter uns Radfahrer mit einem Hund auf. Mir war klar, dass Charis in ihrer aktuellen Verfassung damit überfordert wäre. Also wichen wir ein Stück vom Weg in den Wald aus, von wo aus Charis – in Anbetracht ihrer hohen Erregungslage – relativ ruhig und ohne Geplärre den vorbeirauschenden Fahrrad-/Hund-Tross beobachten konnte, bevor wir unseren Weg gemeinsam fortsetzten.

Auffallend ist in diesem Zusammenhang auch, dass Charis sich nach solchen Aufregersituationen inzwischen erstaunlich schnell wieder beruhigt – wenn das Umfeld es ermöglicht. 😉

Natürlich geht sie immer noch mal in die Leine, aber immer seltener. Ja, sie zieht auch noch öfters, wenn sie besonders tolle Sachen riecht oder sieht, aber auch das immer seltener und vor allem auch immer seltener in dem Ausmaß wie es letzten Herbst noch Standard bei ihr war. Auch auf die Hinterläufe stellt sie sich immer seltener bei Sichtung entsprechender Auslöser. Klar, dass dafür ein gewisser Mindestabstand gewahrt sein muss. Aber es tut sich deutlich was im Oberstübchen unserer Chaosqueen.

Ich freue mich wie Hulle … ganz besonders für Charis! Schließlich bedeutet das auch für sie ein gehöriges Quantum mehr an Ausgeglichenheit und Zufriedenheit.

2 Antworten auf „Hohe Flüge, kleine Stürze“

    1. Da wird Herr Hulle aber traurig sein, dass Du ihn nicht kennst. 😉
      Es heißt einfach nur, dass ich mich wirklich richtig ordentlich mächtig riesig viel doll gefreut habe. *gg*
      LG ins Frankenland und ein Erdbeerchen für die Emily

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