Die Pfötchenhilfe

… hat sich kürzlich wieder gemeldet. Dort haben wir Charis vor bald zwei Jahren gefunden. Meine Güte, wie die Zeit rast!

Man hatte sich Gedanken gemacht, weil ich – Schande über mir – seit Monaten nicht mehr hier berichte. Ja, auch von anderer Seite ist mir das schon mehr oder weniger unverblümt vorgehalten worden. Seit Wochen habe ich mir die Aktualisierung immer wieder vorgenommen, aber immer wieder kam irgendetwas dazwischen.

Tolle wie auch nicht so tolle Entwicklungen haben meine Zeit und Energie gebunden. Das, was dann an Freizeit blieb, habe ich lieber in Charis live investiert statt in Stunden vor dem PC. Ich gelobe Besserung!

 

 

Hier also die wirklich gute Nachricht: Charis entwickelt sich toll. Seitdem sie tagsüber – wenn sie mich nicht ins Büro begleiten darf – bei meiner Kollegin ist und dort schöne Spaziergänge gemeinsam mit ihren Hundekumpels macht, hat ihre gute Entwicklung noch einmal deutlich an Fahrt aufgenommen. Es macht Sinn, wenn alles aus einem Guss ist, und das ist hier der Fall.

 

 

Charis‘ Ansprechbarkeit und ihre gesamte Orientierung an uns hat deutlich zugenommen. Nachdem wir sie im ersten Jahr praktisch nur an einer 10m Schleppe bzw. Flexileine laufen lassen konnten, habe ich im Frühjahr 2012 auf eine 8m-Flexi umgestellt und im Sommer schon auf eine 5m-Flexi. Seit Herbst 2012 geht sie bei mir ganz normal an einer verstellbaren 3m-Leine.

Diese Reduzierung der Distanz zwischen uns wurde ausschließlich über positive Verstärkung erzielt, kein Heranziehen, Leinerucken, Anbrüllen oder was sonst immer in solchen Fällen gerne eingesetzt wird. Zu kurze Leine bedeutete für Charis von Anfang an immensen Stress. Sie ging dann sehr schnell in Meideverhalten über. Die Zeichen erkannten wir aufgrund ihrer grundsätzlichen Hibbeligkeit erst nach einer ganzen Weile. Kein schöner Anblick und keine schönen Spaziergänge waren das. Gut immerhin, dass wir nicht in der Stadt leben und ihr somit unterwegs in Feld und Flur viel lange Leine gewähren können.

Immer wieder markieren und belohnen, wenn sie von sich aus mal neben einem lief, von sich aus zu uns kam, von sich aus stehenblieb oder zu uns guckte. Viele kleine Schritte hat sie gebraucht. Aber sie durfte sie selbst machen in ihrem Tempo und gemäß ihrer jeweiligen Tagesverfassung. Sie hat gelernt, dass sie bei uns ausprobieren darf und hat inzwischen sogar vorsichtig erste eigene Strategien entwickelt, mit Situationen klarzukommen, die bis vor nicht zu langer Zeit noch mächtig anstrengend für uns alle waren.

Über diese Entwicklung bin ich nicht nur glücklich, weil sie für uns eine ungemeine körperliche Entlastung bedeutet. Vor allem macht mich diese Entwicklung so froh, weil Charis nun endlich zeigen kann, was alles in ihr steckt. Endlich kann und darf sie ihr Hirn einschalten und es benutzen! Nun hat sie die nötige Ruhe dafür entwickelt und traut sich auch.

 

 

Ein kleines Beispiel von heute früh:

Auf unserer Morgenrunde sehen wir regelmäßig zunächst Nachbars Kater auf dem Garagendach gegenüber sitzen. Charis‘ Blick trifft beim Öffnen der Haustüre oft unvermittelt auf ihn. Nachdem sie mich innerhalb der ersten Wochen in dieser Situation ein paar Mal fast die Aufgangstreppe runtergerissen hätte, haben wir uns ein Törchen vor den Eingang gebaut. So kann ich notfalls die Leine loslassen. Seit einem knappen Jahr kann Charis den Anblick des Katers aber auch so gut ertragen und hat mittlerweile durch Zeigen & Benennen auch gelernt, dass es sich lohnt, ihn mir anzuzeigen (klar, dann gibt’s Leckerchen ;-)). Inzwischen merke ich oft nur noch, dass der Kater wieder drüben sitzt, weil Charis entspannt in der Türe stehen bleibt und rüberguckt. Nach einer Weile guckt sie dann zu mir = Marker & Belohnung! Das ist schon toll, wurde aber über Monate hinweg geübt und klappt bei diesem Kater auch nur, solange er halbwegs ruhig sitzen bleibt oder sich langsam bewegt. Aber immerhin!

Eine eigene Strategie hat sie auf dem weiteren Weg gezeigt. Wir kommen dann am Ende unseres Grundstücks an einem Bereich vorbei, wo regelmäßig alle möglichen Tiere den Asphaltweg queren … die Stelle, an der es im September ‚Tschakka‘ machte! 😉

Heute früh war es wieder soweit. Nach links geht’s hinter unserem Grundstück entlang, nach rechts öffnet sich der Blick auf einen der Bolzplätze des hiesigen Sportvereins … und dort genau mittig und unübersehbar saß sie … die Katze … und guckte zu uns. Freundlicherweise war sie heute im ‚Trainingsmodus‘, blieb also sitzen und ich konnte zu meiner erstaunten Freude  Charis nach einem kurzen Hingucker mit nettem ‚Weiter‘ ohne großen Zug mitnehmen. Das war schon prima. Noch ein- zweimal beim Weitergehen zurückschauen, ob die Katze sich vielleicht bewegt, waren auch okay. Freundlicherweise blieb die Katze weiterhin sitzen. Braaaav!

Nun mussten wir auf dem Rückweg aber wieder an dieser Stelle vorbei. Der Einfachheit halber stelle ich hier einmal gegenüber, wie die Situation noch vor einem guten halben Jahr aussah und wie sie nun aussieht:

Früher                                                      Heute

[Bild nicht gefunden]

Ich finde das eine tolle Entwicklung, basierend auf

  • Einfangen von ‚gutem‘ Verhalten
  • Unter-Signal-Setzen des Schauens
  • Aufbau von Entspannungsübungen (noch ausbaufähig)
  • Ignorieren (soweit irgend möglich) von unerwünschtem Verhalten bei parallelem Aufbau von (selbst belohnendem) Alternativverhalten.

Charis wurde bei uns nicht geruckt, angebrüllt, körpersprachlich gehemmt oder sonstwie negativ bearbeitet. Die Leistung, die sie heute früh vollbrachte (Strategie), bestand darin, dass sie erstmalig nicht nur einfach zu mir guckte (was dem Endziel des Übungsaufbaus von Zeigen & Benennen nahekommt), sondern 2 x zwischen Katze und mir hin- und herguckte und dabei fast in Leuchtbuchstaben auf der Stirn stehen hatte ‚Ich könnte ja jetzt zur Katze, aber lieber würde ich mit Dir gehen! Sollen wir?‘.

Für mich bedeutete das, in diesem Moment nicht einfach nur zu markern, ihr das Leckerchen nicht in Laufrichtung zu werfen (wie sonst), sondern sie zu markern, freundlich anzusprechen, loszugehen und ihr dabei einen Ziegenkäsebrocken vor die Nase zu werfen (statt in Laufrichtung). Diese Entscheidung war genau die richtige, denn gleich darauf kam sie in meine Richtung guckend angetrabt, stolperte fast über das Leckerchen und lief flott mit mir weiter nach Hause … wo sie dann noch ein paar Sekunden ‚Nachbarkater auf dem Garagendach gucken‘ durfte, bevor es ans Frühstück ging.

Kleine, feine Schrittchen, die unser Flederfrosch da macht!

 

 

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