Hörnchen-TV

Eine unserer wichtigsten Übungen mit Charis war von Anfang an das ‚Schau‘.

Dabei geht es allerdings nicht darum, dass Charis mich anschauen soll, sondern dass sie ruhig und möglichst entspannt ihre Umgebung abchecken und scannen kann. So sollte sie schrittchenweise lernen, auch mit Auslösersichtungen ruhig umzugehen. Dieses Scannen ist Bestandteil des natürlichen Jagdverhaltens und ist somit selbstbelohnend. Selbstverständlich wird bei dieser Übung ganz ’nebenbei‘ auch an der Impulskontrolle gearbeitet. Besonders für ‚augenlastige‘ Hunde wie Charis eine tolle Sache!

 

 

Nun war Impulskontrolle für Charis bei ihrem Einzug ja eher ein Fremdwort. Am Anfang waren wir schon froh, wenn sie ohne (für uns ersichtliche) Auslösersichtung für 1 Sekunde mal ruhig in der Gegend herumstehen und -gucken konnte. Im Laufe der Zeit hat sie gelernt, dies ohne Auslöser für bis zu 2 Minuten zu tun! Sie wird immer besser darin. Mittlerweile gehört z.B. das Liegen auf der Terrasse und Beobachten ‚ihres‘ Reichs zu ihren Lieblingsaktivitäten. Kein Vergleich mehr zu dem ohne Unterlaß zwischen Garten, Terrasse und Wohnzimmer hin- und herrennenden Hund, der uns 2011 noch mit seiner Hektik in den Wahnsinn trieb.

 

 

Parallel haben wir natürlich auch begonnen, das ‚Schau’en bei Sichtung nicht ganz so heftiger Auslöser auf größere Distanz zu üben, die Auslöserstärke vorsichtig zu steigern und ganz langsam auch an den Distanzen zu arbeiten.

Vor einem Jahr noch reagierte Charis z.B. bei Sichtung der in unserem Garten wohnenden Eichhörnchen ziemlich impulsiv. Ab Herbst konnten wir eine deutliche Besserung erkennen. Inzwischen sind die Eichhörnchen kaum mehr ein Thema (und das nicht nur bei uns).

 

 

In den letzten Wochen hat Charis sich sogar darauf verlegt, auf unserem ersten Morgenspaziergang regelmäßig Ausschau nach den Hörnchen zu halten und sie für eine Weile zu beobachten.

Heute früh habe ich es endlich geschafft, sie dabei einmal zu filmen. Die Qualität ist ‚optimierungsfähig‘. Mit dem Beobachten von Charis‘ Körpersprache, dem Objekt der Begierde und unserem Umfeld plus Handhabung der Kamera und Leine bin ich doch noch etwas überfordert. Ich denke aber, dass man sehr schön sehen kann, wie locker und entspannt Charis ‚ihre‘ Hörnchen beobachtet, selbst als zwischendurch ein Vogel ins Blickfeld fliegt (was früher sofort einen Hechtsprung in die Leine ausgelöst hätte).

Wer nun neugierig geworden ist, kann hier gucken.

ES ist schon wieder passiert

… und diesmal habe ich es sogar gefilmt.

Gestern haben Reinhard und ich uns wieder nach der Arbeit zum Abendspazottel in einem Waldgebiet verabredet. Das tolle Wetter musste einfach genutzt werden.

Ich hatte mich für die Ecke entschieden, wo ich Charis‘ Schleppe vor gut zwei Wochen das erste Mal für eine längere Distanz im Wald fallen ließ. Ich fühlte mich gut und wollte eine Wiederholung wagen. Reinhard war wieder etwas später dran als ich. Das kam mir gut aus. So konnte ich schon ein paar Meter in den  Wald hinein gehen und abchecken, ob ich es wagen könnte, oder ob Charis vielleicht doch Wild oder sonstige Auslöser anzeigen würde (das tut sie mittlerweile wirklich wunderbar).

 

 

Die Strecke schien sicher und Reinhard ließ sich Zeit. Ich ‚kegelte‘ ein wenig mit Charis (eine Übung, die ich seit einigen Tagen vermehrt mit Charis mache, um sie mittelfristig zu einer tollen  Belohnung über Alternativverhalten bei Auslösersichtung auszubauen). Der Flederfrosch machte brav mit, hielt aber auch eisern Ausschau nach Reinhard. Charis hatte sehr schnell das Gelände erkannt, und die Verknüpfung mit dem letzten Schleppen-Freilauf schien wirklich seeehr gut erfolgt.

 

 

Immer wieder drehte Charis sich um, zuckte kurz aufgeregt, als ein Auto am Ende des Weges auf den Parkplatz fuhr … aber es war das falsche Auto, und das erkannte sie auch schnell. Wir trotteten also weiter. Ich genoss die schöne Waldluft und den Sonnenschein, Charis schnupperte hier und hielt dort Ausschau. Ein Zustand, der vor anderhalb Jahren noch undenkbar schien!

Endlich erschien Reinhards Wagen am – mittlerweile wirklich weiten – Ende des Weges! Charis blieb wie angewurzelt stehen, als sie ihn erkannte. Nun wäre ich eigentlich gerne mit ihr wieder ein Stück zurückgegangen. Die Distanz schien mir doch recht gewagt! Andererseits … wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Ich nahm mir also die Kamera raus und hielt drauf. Somit habe ich zwar nicht das allererste Mal, aber immerhin eines der ersten Male festgehalten, wo Charis ‚frei‘ im Wald unterwegs war.

Wie man der ‚Kameraführung‘ entnehmen kann, war ich regelrecht trunken vor Glück, dass alles so toll klappte. Vor lauter Überwältigung habe ich auch komplett vergessen, dass die Kamera über einen Zoom verfügt. Aber was soll’s? Es war schon phänomenal, dass Charis so brav warten konnte, bis ich sie loslies. Vor zwei Wochen noch hing sie auf den Hinterläufen stehend und bellend in der Leine, weil sie es nicht erwarten konnte.

Leider machte die Batterie der Kamera genau in dem Moment schlapp, als Charis wieder in meine Richtung lief, aber auch da lief sie wie eine Eins auf Schienen und lief ebenso erfreut wieder zu Reinhard zurück!

 

 

Wir hatten noch einen wunderbaren Waldspaziergang. Charis konnte sogar noch eine Rehsichtung gut verpacken und blieb durchweg gut ansprechbar. Die Entwicklung der letzten Wochen haut mich fast um. Ihre Impulskontrolle ist deutlich besser geworden und insgesamt ist sie – für ihre Verhältnisse – wieder einen ganzen Schritt gelassener geworden.

Am Wochenende steht die nächste ‚Hürde‘ an. Charis wird mich zu einer Seminarteilnahme mit vielen fremden Menschen und auch Hunden begleiten. Ich bin sehr gespannt, wie sie das schaffen wird. Natürlich werde ich dann auch wieder berichten … oder Charis! 😉

 

 

 

 

Spielen

… ist wichtig. Im Spiel lernen Hunde (wie alle anderen Säugetiere inkl. dem Mensch) Kommunikation, Selbstbeherrschung, Koordination und vieles andere mehr. Gerade deshalb ist es so wichtig, dass schon Welpen richtiges Spielen lernen. Dazu braucht es natürlich kompatible Artgenossen und meist auch eine Aufsicht, die im Zweifelsfall helfend eingreift, z.B. wenn das Spiel zu grob wird. In den ersten Wochen übernimmt meist die Mutterhündin diese Rolle, aber auch in dieser Zeit kann der Mensch (dann meist der Züchter) schon unterstützend tätig werden.

Charis kann im Prinzip wunderbar mit anderen Hunden spielen. Es ist auch ziemlich egal, ob diese Hunde groß, klein, dick, dünn, weiß oder schwarz sind. Sie kann es grundsätzlich mit allen Hunden.

Man merkt jedoch immer wieder, dass ihr früher in entscheidenden Situationen nicht vernünftig geholfen wurde. Sie dreht je nach Spielpartner extrem schnell hoch (so wie in allen evtl. aufregenden Situationen), wird dann sehr schnell grob und muss daher öfters zeitig aus solchen Spielen rausgeholt werden, um ein Kippen zu verhindern.

Das ist allerdings ein Problem, das nicht nur sie oder Hunde aus dem Tierschutz betrifft. Leider ist gerade dieses Problem oft hausgemacht. Ursachen gibt es hier viele.

Umso mehr freut es mich, wenn ich Charis spielen sehe und dabei alles passt. Gestern habe ich wieder mal solch ein Spiel beobachten können und eine Sequenz daraus gefilmt.

Viel Spaß beim Zuschauen.

Seminarhund

Gestern hat mich Charis das erste Mal zeitweilig zu einem Seminar ‚begleitet‘. Ich hatte Anja Fiedler zu einem Wochenende im Zeichen der ‚jagdlich motivierten Hunde‘ eingeladen und musste mich entsprechend um die Teilnehmer kümmern.

Bisher hat Reinhard bei solchen Anlässen Charis übernommen (er hat so gar kein Interesse an diesen Seminaren :-(). Nun wird es Zeit, dass er seiner ‚Fesseln‘ entledigt wird … und ich will schließlich auch irgendwann mal mit Charis aktiv an Seminaren teilnehmen.

 

 

Sie musste eine gute Weile im Wagen ausharren, was an sich kein Problem für sie darstellt. Den Wagen kennt sie gut. Er ist ihre Burg, ihr sicheres Fort. Von dort kann sie ihre Umgebung beobachten und in ihm kann sie ausruhen.

Das war nicht immer so, weil die langweiligen oder auch mal unangenehmen (Tierarzt) Fahrten regelmäßig mit mir in diesem Auto stattfanden und die Halligalli-Spaßfahrten grundsätzlich mit dem Wagen von Reinhard. An der Schraube haben wir in den vergangenen Monaten verstärkt gedreht – mit Erfolg.

Die Herausforderung für Charis lag darin, die um das Auto (und manchmal auch um mich ;-)) herumwuselnden Hunde zu ertragen. Kein leichter Job für unsere Hummel.

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Ihnen ruhig zuzusehen, wie sie mit ihren Menschen arbeiteten, verlangte viel Impulskontrolle von Charis. Zeitweilig hat die dann auch mal versagt, aber ich war zufrieden mit ihrer Leistung. Schließlich konnte ich nach zwei Stunden sogar die Heckklappe auflassen, ohne dass Madame jeden Hund anblöken musste.

 

 

Was für mich mindestens genauso wichtig war: Ich konnte sie auch ein paar mal kurz rausnehmen, um mit ihr ein Stück an der Schleppleine zum Lösen und Lüften zu gehen.

Sie musste dabei nicht in die Gruppe preschen, sondern konnte mir passabel bis sogar locker an der Leine folgen und konnte sich auf die Signale einlassen. In ausreichender Distanz konnte sie sogar mal zur Entspannung eine isometrische Übung (Schultertouch) ausführen.

Zwischendurch ging ich immer wieder zu ihr und ließ sie das Geschehen auch mal durch die offene Seitentür beobachten. Wirklich locker sieht anders aus, aber es war möglich … und es lief deutlich besser, als ich vorher erwartet hatte.

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Mittags holte Reinhard sie ab und drehte eine große Runde über die Felder mit ihr. Selbst das ging richtig gut, wie er mir abends berichtete. Vor einem Jahr noch hätte er dann den ganzen Frust vom Warten und Zugucken abbekommen.

Alle Seminarteilnehmer, die ich vorsichtshalber vorgewarnt hatte, bestätigten unaufgefordert, dass Charis ihnen gar nicht so aufgefallen wäre – wenn ich nicht vorab darauf hingewiesen hätte, dass es eine Premiere für sie ist und sie ja gerne mal etwas impulsiv reagiert.

Erstaunlich und erfreulich, was der Flederfrosch inzwischen schafft!

Das macht Hoffnung für die bevorstehende Seminarsaison. Nun kann es langsam losgehen!

 

 

 

Die Pfötchenhilfe

… hat sich kürzlich wieder gemeldet. Dort haben wir Charis vor bald zwei Jahren gefunden. Meine Güte, wie die Zeit rast!

Man hatte sich Gedanken gemacht, weil ich – Schande über mir – seit Monaten nicht mehr hier berichte. Ja, auch von anderer Seite ist mir das schon mehr oder weniger unverblümt vorgehalten worden. Seit Wochen habe ich mir die Aktualisierung immer wieder vorgenommen, aber immer wieder kam irgendetwas dazwischen.

Tolle wie auch nicht so tolle Entwicklungen haben meine Zeit und Energie gebunden. Das, was dann an Freizeit blieb, habe ich lieber in Charis live investiert statt in Stunden vor dem PC. Ich gelobe Besserung!

 

 

Hier also die wirklich gute Nachricht: Charis entwickelt sich toll. Seitdem sie tagsüber – wenn sie mich nicht ins Büro begleiten darf – bei meiner Kollegin ist und dort schöne Spaziergänge gemeinsam mit ihren Hundekumpels macht, hat ihre gute Entwicklung noch einmal deutlich an Fahrt aufgenommen. Es macht Sinn, wenn alles aus einem Guss ist, und das ist hier der Fall.

 

 

Charis‘ Ansprechbarkeit und ihre gesamte Orientierung an uns hat deutlich zugenommen. Nachdem wir sie im ersten Jahr praktisch nur an einer 10m Schleppe bzw. Flexileine laufen lassen konnten, habe ich im Frühjahr 2012 auf eine 8m-Flexi umgestellt und im Sommer schon auf eine 5m-Flexi. Seit Herbst 2012 geht sie bei mir ganz normal an einer verstellbaren 3m-Leine.

Diese Reduzierung der Distanz zwischen uns wurde ausschließlich über positive Verstärkung erzielt, kein Heranziehen, Leinerucken, Anbrüllen oder was sonst immer in solchen Fällen gerne eingesetzt wird. Zu kurze Leine bedeutete für Charis von Anfang an immensen Stress. Sie ging dann sehr schnell in Meideverhalten über. Die Zeichen erkannten wir aufgrund ihrer grundsätzlichen Hibbeligkeit erst nach einer ganzen Weile. Kein schöner Anblick und keine schönen Spaziergänge waren das. Gut immerhin, dass wir nicht in der Stadt leben und ihr somit unterwegs in Feld und Flur viel lange Leine gewähren können.

Immer wieder markieren und belohnen, wenn sie von sich aus mal neben einem lief, von sich aus zu uns kam, von sich aus stehenblieb oder zu uns guckte. Viele kleine Schritte hat sie gebraucht. Aber sie durfte sie selbst machen in ihrem Tempo und gemäß ihrer jeweiligen Tagesverfassung. Sie hat gelernt, dass sie bei uns ausprobieren darf und hat inzwischen sogar vorsichtig erste eigene Strategien entwickelt, mit Situationen klarzukommen, die bis vor nicht zu langer Zeit noch mächtig anstrengend für uns alle waren.

Über diese Entwicklung bin ich nicht nur glücklich, weil sie für uns eine ungemeine körperliche Entlastung bedeutet. Vor allem macht mich diese Entwicklung so froh, weil Charis nun endlich zeigen kann, was alles in ihr steckt. Endlich kann und darf sie ihr Hirn einschalten und es benutzen! Nun hat sie die nötige Ruhe dafür entwickelt und traut sich auch.

 

 

Ein kleines Beispiel von heute früh:

Auf unserer Morgenrunde sehen wir regelmäßig zunächst Nachbars Kater auf dem Garagendach gegenüber sitzen. Charis‘ Blick trifft beim Öffnen der Haustüre oft unvermittelt auf ihn. Nachdem sie mich innerhalb der ersten Wochen in dieser Situation ein paar Mal fast die Aufgangstreppe runtergerissen hätte, haben wir uns ein Törchen vor den Eingang gebaut. So kann ich notfalls die Leine loslassen. Seit einem knappen Jahr kann Charis den Anblick des Katers aber auch so gut ertragen und hat mittlerweile durch Zeigen & Benennen auch gelernt, dass es sich lohnt, ihn mir anzuzeigen (klar, dann gibt’s Leckerchen ;-)). Inzwischen merke ich oft nur noch, dass der Kater wieder drüben sitzt, weil Charis entspannt in der Türe stehen bleibt und rüberguckt. Nach einer Weile guckt sie dann zu mir = Marker & Belohnung! Das ist schon toll, wurde aber über Monate hinweg geübt und klappt bei diesem Kater auch nur, solange er halbwegs ruhig sitzen bleibt oder sich langsam bewegt. Aber immerhin!

Eine eigene Strategie hat sie auf dem weiteren Weg gezeigt. Wir kommen dann am Ende unseres Grundstücks an einem Bereich vorbei, wo regelmäßig alle möglichen Tiere den Asphaltweg queren … die Stelle, an der es im September ‚Tschakka‘ machte! 😉

Heute früh war es wieder soweit. Nach links geht’s hinter unserem Grundstück entlang, nach rechts öffnet sich der Blick auf einen der Bolzplätze des hiesigen Sportvereins … und dort genau mittig und unübersehbar saß sie … die Katze … und guckte zu uns. Freundlicherweise war sie heute im ‚Trainingsmodus‘, blieb also sitzen und ich konnte zu meiner erstaunten Freude  Charis nach einem kurzen Hingucker mit nettem ‚Weiter‘ ohne großen Zug mitnehmen. Das war schon prima. Noch ein- zweimal beim Weitergehen zurückschauen, ob die Katze sich vielleicht bewegt, waren auch okay. Freundlicherweise blieb die Katze weiterhin sitzen. Braaaav!

Nun mussten wir auf dem Rückweg aber wieder an dieser Stelle vorbei. Der Einfachheit halber stelle ich hier einmal gegenüber, wie die Situation noch vor einem guten halben Jahr aussah und wie sie nun aussieht:

Früher                                                      Heute

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Ich finde das eine tolle Entwicklung, basierend auf

  • Einfangen von ‚gutem‘ Verhalten
  • Unter-Signal-Setzen des Schauens
  • Aufbau von Entspannungsübungen (noch ausbaufähig)
  • Ignorieren (soweit irgend möglich) von unerwünschtem Verhalten bei parallelem Aufbau von (selbst belohnendem) Alternativverhalten.

Charis wurde bei uns nicht geruckt, angebrüllt, körpersprachlich gehemmt oder sonstwie negativ bearbeitet. Die Leistung, die sie heute früh vollbrachte (Strategie), bestand darin, dass sie erstmalig nicht nur einfach zu mir guckte (was dem Endziel des Übungsaufbaus von Zeigen & Benennen nahekommt), sondern 2 x zwischen Katze und mir hin- und herguckte und dabei fast in Leuchtbuchstaben auf der Stirn stehen hatte ‚Ich könnte ja jetzt zur Katze, aber lieber würde ich mit Dir gehen! Sollen wir?‘.

Für mich bedeutete das, in diesem Moment nicht einfach nur zu markern, ihr das Leckerchen nicht in Laufrichtung zu werfen (wie sonst), sondern sie zu markern, freundlich anzusprechen, loszugehen und ihr dabei einen Ziegenkäsebrocken vor die Nase zu werfen (statt in Laufrichtung). Diese Entscheidung war genau die richtige, denn gleich darauf kam sie in meine Richtung guckend angetrabt, stolperte fast über das Leckerchen und lief flott mit mir weiter nach Hause … wo sie dann noch ein paar Sekunden ‚Nachbarkater auf dem Garagendach gucken‘ durfte, bevor es ans Frühstück ging.

Kleine, feine Schrittchen, die unser Flederfrosch da macht!

 

 

Liegeplätze

Seit ca. Jahreswende deuten sich Veränderungen in Charis‘ Kontaktverhalten und der bevorzugten Nutzung ihrer Schlaf- oder Liegeplätze an.

Während unsere drei früheren Hunde gerne im Schlafzimmer und am allerliebsten mit im Bett schliefen, tut sich Charis (m.E. aufgrund der Erlebnisse in ihren ersten Lebenswochen und -monaten) weiterhin recht schwer mit solch nahem Kontakt. Bis Anfang des Jahres schlief sie überwiegend auf der Couch:

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Allerdings verlässt sie seit Jahresbeginn nicht mehr sofort ihren Platz auf der Couch, sobald wir diese entern. Seit ca. 2 Monaten streckt sie uns sogar gelegentlich den Bauch hin und genießt es dann unübersehbar, wenn wir ihr den Bauch-/Brustbereich krabbeln. Wir genießen diese Entwicklung nicht minder!

 

 

Hinzu kommt, dass Charis seit zwei Monaten auch immer öfter bei uns im Schlafzimmer nächtigt, zumindest stundenweise. 😉

Diese Entwicklung nahm ihren Anfang damit, dass wir ihr im Herbst über eine liebe Bekannte ein Schafsfell besorgt hatten. Das fand sie auch von Anfang an richtig toll, allerding so toll, dass sie es immer wieder auch mal zum Zerbeissen und Zerreissen nahm. In der Zwischenzeit mussten wir es leider entsorgen bzw. in mehrere kleine Stücke schneiden. Sei’s drum.

Dieses Fell legten wir nach ein paar Wochen ins Schlafzimmer et voilà: Charis folgte ihm und legte sich fortan regelmäßig in Ruhephasen darauf, vornehmlich wenn wir nicht dabei waren, nach einer Weile blieb sie auch darauf liegen, wenn wir ins Schlafzimmer kamen.

Vor zwei Monaten hat Reinhard ihr dann eine Kudde spendiert.

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Das Teil ist der Volltreffer:

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Die Zeiten, die sie darin ruhend oder schlafend – gleich ob mit oder ohne uns im Zimmer – verbringt, werden immer länger.

 

 

Zu Jahresbeginn haben wir außerdem die zu große Faltbox (Fehlkauf 🙁 ) gegen eine kleinere getauscht.

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Zu unserer Verblüffung stieg Charis noch am selben Abend von sich aus hinein und legt sich seither oft auch zum Dösen hinein, was wir natürlich schön bestärken.

Die Fotos sind leider alle etwas dunkel geraten, weil ich jeweils nicht die richtige Kamera zur Hand hatte und ich Charis nicht mit Blitzlicht unnötig irritieren wollte. Wir werden weiter berichten, dann mit hoffentlich besseren Fotos untermalt.

Der März ist gekommen

Höchste Zeit also, endlich mal wieder einen Blick auf die ‚Belohnungsliste‘ für Charis zu werfen. Immerhin hat sich doch einiges getan in den vergangenen Wochen und Monaten, auch wenn wir aufgrund des heftigen Winterwetters, meines daraus resultierenden Krankenhausaufenthalts (frau sollte einfach keine neuen Winterstiefel mit neuer Sohle auf Glatteis ausprobieren) und einiger anderer Widrigkeiten nicht so intensiv mit ihr geübt haben, wie wir das eigentlich vorhatten. Manchmal aber ist weniger auch mehr:

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Zwei wesentliche Veränderungen haben sich ergeben:

Zum einen kann Charis inzwischen deutlich besser und länger ‚Ruhe bewahren‘. Während sie im ersten Jahr bei uns doch mächtig hibbelig war und immer wieder ‚Rennattacken‘ hatte, kann sie mittlerweile wirklich lange und entspannt z.B. einfach auf der Terasse sitzen oder liegen und auf ihr Reich herab schauen (da kommen Erinnerungen an Kessy hoch). Aber auch das Schauen draußen in Feld und Flur funktioniert inzwischen richtig gut. Das werden wir noch weiter ausbauen!

 

 

Zum anderen können wir Charis inzwischen deutlich mehr über Interaktionen mit uns belohnen. Geholfen hat dabei, dass sie – gemessen am ersten Jahr – inzwischen auch draußen fast schon verfressen ist, wobei ihr absolutes Highlight Ziegenkäsebröckchen sind. Die haben zudem den Vorteil, dass sie auch in der Dunkelheit der vergangenen Wochen immer gut zu sehen waren. Das war uns öfters eine Hilfe, wenn wir sie von Auslösern weg belohnen wollten. Dunkle Brocken in der Finsternis nahm sie kaum wahr und blieb mit den Augen am Auslöser kleben. So ein fliegender heller Käsebrocken im Dunkeln hingegen ware für sie doch ein großer optischer Reiz und somit häufig das Zünglein an der Waage, wenn wir ‚Land gewinnen‘ wollten.

 

 

Zurzeit entwickeln sich die Dinge bei ihr wieder in etwas größeren Schüben. Wir werden also sicher bald wieder eine neue Liste brauchen!

 

 

Tschakka! … oder die konditionierte Entspannung

Schon mit meinem Collie Merlin hatte ich gute Erfahrungen mit der konditionierten Entspannung gemacht. Allerdings hatte ich sie bei ihm seinerzeit recht nachlässig aufgebaut und auch nicht konsequent immer wieder aufgeladen.

Bei Charis hatte ich das Gefühl, dass sie zwar schon irgendwie darauf anspricht, aber so richtig fluppen wollte die Sache bisher bei ihr nicht. Da es mir aufgrund ihres leicht erregbaren Temperaments wichtig ist, sie auch auf akustisches Signal entspannen zu können, fand ich das schade.

Vor einem Monat gab ich mir also einen Ruck. Ich wollte es jetzt endlich wirklich wissen! 😉

Ich habe die letzten Wochen in fast jeder ruhigen Situation bei Charis das Entspannungswort konditioniert, um den ‚Akku‘ richtig voll zu laden. Außerdem habe ich mich eisern gebremst, um nicht gleich den Entspannungsakku halbgeladen für irgendwelchen Quatsch wieder zu entleeren.

 

 

Vorgestern durfte ich endlich den Durchbruch erleben:

Auf der ersten Morgenrunde querte im Dunkeln eine Katze max. 10m vor uns den Weg. Charis stutzte kurz (was für uns ja auch schon ein erheblicher Fortschritt gegenüber der Situation vor einem Jahr ist) und startete dann im Allradmodus voll durch.

 

 

Einige Meter zog sie mich hinter sich her, bis ich endlich (!) die Eingebung hatte und EEAAAASYYYYYY rief. Ich konnte kaum glauben, was geschah.

Sie blieb stehen, so dass die gerade noch straffe Leine durchhängen konnte. Ihr ganzer Körper entspannte unübersehbar. Die wütend erregte Monster-Charis fiel förmlich in den lieben, netten Flederfrosch zusammen, während sie noch der Katzenspur nachsah bzw. -schnüffelte. Ich sagte ‚weiter‘. Im selben Moment dachte ich noch voller Entsetzen, dass das vermutlich keine so gute Idee war und sie nun wohl sofort der Katzenspur weiter nachjagen wollen würde. Aber, oh Wunder, sie ging an lockerer Leine (!!!) mit mir weiter.

 

 

Dass ich das jemals bei Charis erleben würde, konnte ich mir bisher noch nicht wirklich vorstellen, obwohl ich es ja bei anderen Hunden mehrfach auch in live gesehen hatte.

Ich hätte den ganzen Tag Party machen mögen. Ständig schoß mir dieses Bild von der unübersehbar entspannenden Charis vor die Augen. Auch jetzt wieder, während ich dieses Erlebnis niederschreibe.

Ich kann es immer noch nicht ganz glauben, dass Charis jetzt auch dazu in der Lage ist.

 

 

Aber nun geht es wieder ans Aufladen. Von dieser Art Erlebnisse möchte ich schließlich noch viiieeeeeel mehr haben!

 

 

Sie wollen wissen, was es mit der konditionierten Entspannung auf sich hat? Bitte sehr, hier erfahren Sie mehr.

Motivationsorientierte Belohnungen

… sind das A und O im Training mittels positiver Verstärkung. Dazu bedarf es guter Beobachtung. Leckereien z.B. können je nach Wetterlage, Erregungsniveau, Umfeld usw. sehr wertvoll sein. Sie können u.U. aber sogar ins Gegenteil umschlagen.

Würdet Ihr z.B. bei der derzeitigen schwülen Hitze einen trockenen Futterbrocken für erstrebenswert halten, wenn Ihr gerade eine halbe Stunde gejoggt seid?

Da würde Euch sicher der Sinn nach etwas ganz anderem stehen.

 

 

Leider war es uns in den ersten Monaten mit Charis kaum möglich, sie motivationsorientiert zu belohnen. Zudem nahm sie draußen … und dann auch noch bei Aufregung … überhaupt keine Futterblohnungen an.

 

 

Wir mussten sie erst kennenlernen. Wir mussten uns gegenseitig erst besser kennenlernen.

Dieses Kennenlernen und das gemeinsame Training haben inzwischen einige Verschiebungen in ihren Lieblingstätigkeiten und der daraus resultierenden Belohnungsliste gezeitigt. Aber schaut selbst:

Unsere erste Belohnungsliste …

belohnungsliste_juli2011

… und hier der aktuelle Stand

belohnungslistecharis_august2012

Ihre Hauptaktivität der ersten Monate bestand in Rennen, Hüpfen, Springen, Hetzen …

 

 

Fast alle Belohnungen mit uns waren seinerzeit ausschließlich im Haus oder max. auf der Terrasse möglich. Draußen waren wir praktisch komplett ‚abgemeldet‘. Inzwischen ist auch unterwegs und sogar in fremdem, neuem Gelände Interaktion mit uns möglich.

Die ‚rausgefallenen‘ Belohnungen wurden entweder in tagtägliche Rituale eingebaut oder werden nicht mehr als Belohnung eingesetzt, weil sich Charis‘ Motivationen und Bedürfnisse geändert haben.

Ich finde, das kann sich sehen lassen.

Augen-Blick!

In den vergangenen Wochen war mir wohl bewusst, wie gut Charis sich gerade auch seit dem Frühjahr entwickelt hat. Da hat es noch mal einen ordentlichen Schub getan.

Wirklich klar wurde mir manches aber erst vor einigen Tagen, als sie infolge Überforderung nach gut 3 – 4 Monaten das erste Mal wieder komplett ausrastete und ihr gesamtes Frustrepertoire abspulte. Da kamen wirklich üble Erinnerungen hoch. Damals zählten wir die Momente, in denen es auch mal ruhig und gelassen ging!

 

 

Solche Begebenheiten können aber auch den Blick fürs Detail schärfen.

Woran merkt der Hundehalter z.B., wenn sein (Tierschutz-) Hund sich immer näher an ihn anschließt?

Ein Indiz ist vermutlich der Blickkontakt.

Meine früheren Hunde hielten – egal, welcher Motivation sie ansonsten grade fröhnten – gerne Blickkontakt mit mir. Charis kommt neuen Menschen zwar grundsätzlich auch erst mal interessiert bis freudig erregt entgegen. Den freien Blickkontakt hat sie aber bislang eher selten angeboten.

Wir waren schon froh, als sie nach Wochen der Markerarbeit endlich anfing, sich auf den Marker hin auch mal zu uns hin zu orientieren. Damit hatten wir den Fuß in der Tür.

Seit zwei Wochen beobachte ich ein neues Phänomen, das für viele ’normale‘ Hundehalter vermutlich nicht der Rede wert wäre:

Charis nimmt von sich aus immer häufiger Blickkontakt mit uns auf. Manchmal fordert sie uns regelrecht auf, mal dies und mal jenes zu tun.

Begonnen hat diese Entwicklung passenderweise mit dem Aufbau des ‚Schau‘. Seitdem sie das recht zuverlässig unter Signal ausführen kann … und es auch als Belohnung ausführen darf! 😉 … hat sich ihr ‚Blickwinkel‘ anscheinend verändert. Zudem lassen wir sie ja nicht ’sinnentleert‘ einfach in der Gegend herumgucken, sondern haben über das ‚Zeigen & Benennen‘ eine weitere Möglichkeit gewonnen, ihr den Anblick gewisser Auslöser angenehm bis selbstbelohnend zu gestalten.

Inzwischen ist sie im Training an dem Punkt angekommen, an dem sie beginnt Auslöser anzuzeigen … z.B. Eichhörnchen oder Vögel. Das lässt Hoffnung auch in Bezug auf andere Auslöser aufkommen!

Beim gemeinsamen Betrachten kommt inzwischen immer öfter ein Blick von ihr, der ganz klar fragt: ‚Hey, ich hab’s Dir gezeigt – WAS krieg‘ ich nun dafür?‘.

Ich kann überhaupt nicht beschreiben, was für ein Glücksgefühl mir in sämtliche Knochen fuhr, als sie das das erste Mal mit mir machte.

Endlich spricht sie in Worten mit mir! … so wie es Kessy früher oft tat.

 

 

Wir versuchen möglichst motivationsorientiert zu belohnen und zu verstärken. D.h. mal darf sie weitergucken (solange die Erregungslage dabei nicht zu hoch wird), mal darf sie einen entsprechend geworfenenen, evtl. vorher noch zum ‚Lauern‘ angebotenen Futterbrocken oder einen anderen Gegenstand hetzen und ‚erlegen‘. Manchmal darf sie ihn im Gras suchen. Manchmal laufen wir hüpfend und springend ein paar Meter zusammen den Weg entlang (ja, ich jubel dann auch freudig herum ;-D). Das ist bestimmt ein tolles Bild für den nichts ahnenden Betrachter *lol*. Inzwischen gibt es also deutlich mehr Belohnungsalternativen als vor einem Jahr.

Wir haben uns besser kennengelernt, haben Vertrauen aufgebaut, haben Spaß miteinander. Wir wachsen zusammen!

 

 

Eine liebe Bekannte erwähnte vor einer Weile mal, dass es für sie wohl nichts Größeres gibt, als von ihrem Hund ‚angehimmelt‘ zu werden.

Das war und ist nicht mein Bestreben.

Ich gebe jedoch zu … es ist ein tolles Gefühl, wenn der Hund an der Seite langsam zum ‚eigenen‘ Hund wird und dies auch durch solche Augen-Blicke zeigt!