Tschakka! … oder die konditionierte Entspannung

Schon mit meinem Collie Merlin hatte ich gute Erfahrungen mit der konditionierten Entspannung gemacht. Allerdings hatte ich sie bei ihm seinerzeit recht nachlässig aufgebaut und auch nicht konsequent immer wieder aufgeladen.

Bei Charis hatte ich das Gefühl, dass sie zwar schon irgendwie darauf anspricht, aber so richtig fluppen wollte die Sache bisher bei ihr nicht. Da es mir aufgrund ihres leicht erregbaren Temperaments wichtig ist, sie auch auf akustisches Signal entspannen zu können, fand ich das schade.

Vor einem Monat gab ich mir also einen Ruck. Ich wollte es jetzt endlich wirklich wissen! 😉

Ich habe die letzten Wochen in fast jeder ruhigen Situation bei Charis das Entspannungswort konditioniert, um den ‚Akku‘ richtig voll zu laden. Außerdem habe ich mich eisern gebremst, um nicht gleich den Entspannungsakku halbgeladen für irgendwelchen Quatsch wieder zu entleeren.

 

 

Vorgestern durfte ich endlich den Durchbruch erleben:

Auf der ersten Morgenrunde querte im Dunkeln eine Katze max. 10m vor uns den Weg. Charis stutzte kurz (was für uns ja auch schon ein erheblicher Fortschritt gegenüber der Situation vor einem Jahr ist) und startete dann im Allradmodus voll durch.

 

 

Einige Meter zog sie mich hinter sich her, bis ich endlich (!) die Eingebung hatte und EEAAAASYYYYYY rief. Ich konnte kaum glauben, was geschah.

Sie blieb stehen, so dass die gerade noch straffe Leine durchhängen konnte. Ihr ganzer Körper entspannte unübersehbar. Die wütend erregte Monster-Charis fiel förmlich in den lieben, netten Flederfrosch zusammen, während sie noch der Katzenspur nachsah bzw. -schnüffelte. Ich sagte ‚weiter‘. Im selben Moment dachte ich noch voller Entsetzen, dass das vermutlich keine so gute Idee war und sie nun wohl sofort der Katzenspur weiter nachjagen wollen würde. Aber, oh Wunder, sie ging an lockerer Leine (!!!) mit mir weiter.

 

 

Dass ich das jemals bei Charis erleben würde, konnte ich mir bisher noch nicht wirklich vorstellen, obwohl ich es ja bei anderen Hunden mehrfach auch in live gesehen hatte.

Ich hätte den ganzen Tag Party machen mögen. Ständig schoß mir dieses Bild von der unübersehbar entspannenden Charis vor die Augen. Auch jetzt wieder, während ich dieses Erlebnis niederschreibe.

Ich kann es immer noch nicht ganz glauben, dass Charis jetzt auch dazu in der Lage ist.

 

 

Aber nun geht es wieder ans Aufladen. Von dieser Art Erlebnisse möchte ich schließlich noch viiieeeeeel mehr haben!

 

 

Sie wollen wissen, was es mit der konditionierten Entspannung auf sich hat? Bitte sehr, hier erfahren Sie mehr.

Motivationsorientierte Belohnungen

… sind das A und O im Training mittels positiver Verstärkung. Dazu bedarf es guter Beobachtung. Leckereien z.B. können je nach Wetterlage, Erregungsniveau, Umfeld usw. sehr wertvoll sein. Sie können u.U. aber sogar ins Gegenteil umschlagen.

Würdet Ihr z.B. bei der derzeitigen schwülen Hitze einen trockenen Futterbrocken für erstrebenswert halten, wenn Ihr gerade eine halbe Stunde gejoggt seid?

Da würde Euch sicher der Sinn nach etwas ganz anderem stehen.

 

 

Leider war es uns in den ersten Monaten mit Charis kaum möglich, sie motivationsorientiert zu belohnen. Zudem nahm sie draußen … und dann auch noch bei Aufregung … überhaupt keine Futterblohnungen an.

 

 

Wir mussten sie erst kennenlernen. Wir mussten uns gegenseitig erst besser kennenlernen.

Dieses Kennenlernen und das gemeinsame Training haben inzwischen einige Verschiebungen in ihren Lieblingstätigkeiten und der daraus resultierenden Belohnungsliste gezeitigt. Aber schaut selbst:

Unsere erste Belohnungsliste …

belohnungsliste_juli2011

… und hier der aktuelle Stand

belohnungslistecharis_august2012

Ihre Hauptaktivität der ersten Monate bestand in Rennen, Hüpfen, Springen, Hetzen …

 

 

Fast alle Belohnungen mit uns waren seinerzeit ausschließlich im Haus oder max. auf der Terrasse möglich. Draußen waren wir praktisch komplett ‚abgemeldet‘. Inzwischen ist auch unterwegs und sogar in fremdem, neuem Gelände Interaktion mit uns möglich.

Die ‚rausgefallenen‘ Belohnungen wurden entweder in tagtägliche Rituale eingebaut oder werden nicht mehr als Belohnung eingesetzt, weil sich Charis‘ Motivationen und Bedürfnisse geändert haben.

Ich finde, das kann sich sehen lassen.

Augen-Blick!

In den vergangenen Wochen war mir wohl bewusst, wie gut Charis sich gerade auch seit dem Frühjahr entwickelt hat. Da hat es noch mal einen ordentlichen Schub getan.

Wirklich klar wurde mir manches aber erst vor einigen Tagen, als sie infolge Überforderung nach gut 3 – 4 Monaten das erste Mal wieder komplett ausrastete und ihr gesamtes Frustrepertoire abspulte. Da kamen wirklich üble Erinnerungen hoch. Damals zählten wir die Momente, in denen es auch mal ruhig und gelassen ging!

 

 

Solche Begebenheiten können aber auch den Blick fürs Detail schärfen.

Woran merkt der Hundehalter z.B., wenn sein (Tierschutz-) Hund sich immer näher an ihn anschließt?

Ein Indiz ist vermutlich der Blickkontakt.

Meine früheren Hunde hielten – egal, welcher Motivation sie ansonsten grade fröhnten – gerne Blickkontakt mit mir. Charis kommt neuen Menschen zwar grundsätzlich auch erst mal interessiert bis freudig erregt entgegen. Den freien Blickkontakt hat sie aber bislang eher selten angeboten.

Wir waren schon froh, als sie nach Wochen der Markerarbeit endlich anfing, sich auf den Marker hin auch mal zu uns hin zu orientieren. Damit hatten wir den Fuß in der Tür.

Seit zwei Wochen beobachte ich ein neues Phänomen, das für viele ’normale‘ Hundehalter vermutlich nicht der Rede wert wäre:

Charis nimmt von sich aus immer häufiger Blickkontakt mit uns auf. Manchmal fordert sie uns regelrecht auf, mal dies und mal jenes zu tun.

Begonnen hat diese Entwicklung passenderweise mit dem Aufbau des ‚Schau‘. Seitdem sie das recht zuverlässig unter Signal ausführen kann … und es auch als Belohnung ausführen darf! 😉 … hat sich ihr ‚Blickwinkel‘ anscheinend verändert. Zudem lassen wir sie ja nicht ’sinnentleert‘ einfach in der Gegend herumgucken, sondern haben über das ‚Zeigen & Benennen‘ eine weitere Möglichkeit gewonnen, ihr den Anblick gewisser Auslöser angenehm bis selbstbelohnend zu gestalten.

Inzwischen ist sie im Training an dem Punkt angekommen, an dem sie beginnt Auslöser anzuzeigen … z.B. Eichhörnchen oder Vögel. Das lässt Hoffnung auch in Bezug auf andere Auslöser aufkommen!

Beim gemeinsamen Betrachten kommt inzwischen immer öfter ein Blick von ihr, der ganz klar fragt: ‚Hey, ich hab’s Dir gezeigt – WAS krieg‘ ich nun dafür?‘.

Ich kann überhaupt nicht beschreiben, was für ein Glücksgefühl mir in sämtliche Knochen fuhr, als sie das das erste Mal mit mir machte.

Endlich spricht sie in Worten mit mir! … so wie es Kessy früher oft tat.

 

 

Wir versuchen möglichst motivationsorientiert zu belohnen und zu verstärken. D.h. mal darf sie weitergucken (solange die Erregungslage dabei nicht zu hoch wird), mal darf sie einen entsprechend geworfenenen, evtl. vorher noch zum ‚Lauern‘ angebotenen Futterbrocken oder einen anderen Gegenstand hetzen und ‚erlegen‘. Manchmal darf sie ihn im Gras suchen. Manchmal laufen wir hüpfend und springend ein paar Meter zusammen den Weg entlang (ja, ich jubel dann auch freudig herum ;-D). Das ist bestimmt ein tolles Bild für den nichts ahnenden Betrachter *lol*. Inzwischen gibt es also deutlich mehr Belohnungsalternativen als vor einem Jahr.

Wir haben uns besser kennengelernt, haben Vertrauen aufgebaut, haben Spaß miteinander. Wir wachsen zusammen!

 

 

Eine liebe Bekannte erwähnte vor einer Weile mal, dass es für sie wohl nichts Größeres gibt, als von ihrem Hund ‚angehimmelt‘ zu werden.

Das war und ist nicht mein Bestreben.

Ich gebe jedoch zu … es ist ein tolles Gefühl, wenn der Hund an der Seite langsam zum ‚eigenen‘ Hund wird und dies auch durch solche Augen-Blicke zeigt!

 

Die Welt ist größer

Mit Charis‘ Ankunft wurde die Welt für uns im vergangenen Jahr schlagartig sehr überschaubar. Ausflüge mit ihr in unsere ‚angestammten‘ Felder gingen praktisch überhaupt nicht. Unsere Runden ums Dorf waren mächtig anstrengend … wegen der überall angrenzenden Felder. Felder waren (und sind ;-)) also ein ziemliches Thema bei uns.

Auch Spaziergänge in städtischem Umfeld sind nach wie vor eine Herausforderung bzw. sie sind manchmal schlichtweg unmöglich. Immer wieder müssen wir solche Trainingseinheiten schon nach 50 m abbrechen. Sie bergen immer das Risiko, dass Charis aufgrund der unzähligen Auslöser dort in extrem hohen Stress bis hin zu Panik verfällt. Das braucht niemand von uns und am allerwenigsten sie!

 

 

Urlaub auswärts oder mal eben ein Kurztrip zu lieben Bekannten wird mit ihr noch eine ganze Weile nicht oder nur mit entsprechend sorgfältiger Vorarbeit möglich sein. Wir hoffen auf erste Tagesausflüge inkl. städtischem Gelände im Herbst.

Unsere momentane Herausforderung in diesem Kontext besteht darin, sie langsam auch an frei überschaubare Geländetypen zu gewöhnen.

Im vergangenen Jahr entwickelten sich solche Versuche regelmäßig sehr schnell  in ein wüstes, von Bellen, Springen und ähnlichen Übersprunghandlungen begleitetes Hin- und Hergerenne. Da sie dabei grundsätzlich mit vollem Karacho ins Leinenende raste, ging Training in solchem Umfeld überhaupt nicht.

 

 

Training fand also bislang – wenn nicht zuhause – überwiegend in waldigem Gelände statt. Dort hat Charis nur ‚beschränkte‘ Weitsicht. Je nach Untergrund und Baumbestand waren (und sind) aber auch solche Sparziergänge nicht wirklich erholsam.

Immerhin … es wird!

 

 

Charis jagt (hetzt) nicht nur, sondern sie zeigt auch Hüteansätze (vereinzelt sogar das Border-typische Anschleichen). Eine ziemlich komplexe Angelegenheit also, die aber auch viele Überschneidungen im Trainingsansatz hat.

Eine unserer Hauptübungen der letzten Monate war vor diesem Hintergrund das ‚Schauen‘. Ein Hund, der schaut, hetzt (noch) nicht!

Charis schaut wirklich gerne, aber ihre Konzentrationsfähigkeit und mangelnde Impulskontrolle ließen es früher gerade mal für eine Sekunde zu, etwas einfach nur anzugucken. Dann wechselte ihr Blick sofort woanders hin. Da musste doch etwas zum Jagen herbeizugucken sein. Ihre Gene und wohl auch die Lernerfahrungen, die sie vor uns machte, schrien permanent: ‚Hetzen! Hetzen! Hetzen!‘.

So waren unsere Anfänge im Winter wirklich mühsam. Wir waren schon froh, als sie endlich konstant 1 – 2 Sekunden ’schauen‘ konnte, ohne sofort lossprinten zu wollen.

Vor zwei Wochen haben wir uns endlich mal wieder in ‚unser‘ Freilaufgelände getraut. Dort haben wir früher endlose Stunden mit unseren drei ‚Alten‘ verbracht, haben an ihren jagdlichen Ambitionen usw. gearbeitet und viele wunderbare Spaziergänge gemacht. Mit Charis waren wir letztes Jahr im Hochsommer dreimal dort und hatten dann ein ‚Einsehen‘.

 

 

Nun geht es tatsächlich. Es ist immer noch kein ‚Spaziergang‘, wie er bei anderen Leuten aussieht, aber wir fangen – alle drei! – an, es auch hier minutenweise zu genießen.

Am Sonntag gelang es mir, zwei schöne ‚Schau‘-Sequenzen mit Charis einzufangen. Mit Weitblick nach links und rechts, aber der Weg vor uns noch nicht einsehbar sah es so aus. Einige Meter weiter kam dann verschärfend die offene Wiese und der überschaubare Weg hinzu. Für uns lieferte Charis hier eine Meisterleistung ab!

Kein Zug an der Leine, keine Hektik, keine großartige Anspannung der Schulter-/Rückenmuskulatur … insgesamt ganz schön relaxt.

Diese Sequenzen entstanden zwar am Ende eines einstündigen (!) Spaziergangs durch weite Rüben- und teils schon abgemähte Getreidefelder. Noch vor 9 Monaten hätte das Charis aber nicht im Geringsten davon abgehalten, überall hektisch nach Auslösern zu suchen.

 

Nasenarbeit

Seit dem Jahresbeginn zeigt Charis eine recht stete Aufwärtsentwicklung. Wir hatten noch ein paar ‚unsichere‘ Phasen, aber keinerlei ‚Abstürze‘ mehr wie im vergangenen Jahr. Natürlich haben wir auch weiterhin etwas aktivere Zeiten und dann wieder solche, in denen aus unterschiedlichsten Gründen das ‚Training‘ ruhiger läuft.

Nachdem ich im April ins Mantrailing reinschnuppern und erleben durfte, wieviel Spaß unterschiedlichste Hundetypen dabei haben können, haben wir es mit Charis auch probiert. Es war ein ziemlicher Volltreffer.

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Wir sind zwar immer noch in den Anfängen, aber es macht uns dreien mächtig Spaß. Das unglaublichste Erlebnis dabei ist, dass Charis während ihrer Suche im Wald mit all seinen Verlockungen sich kaum ablenken lässt.

Strecken von ca. 100 – 200 m arbeitet sie zielstrebig aus. Ich tue mich allerdings wirklich schwer damit sie zu halten, wenn sie mit Vollgas zur gesuchten Person prescht.

Da könnte ich fast genauso gut Rehwild auf 10 m vor mir stehen haben!

 

 

Aaaaaaber … auf diesen Strecken bringt sie nichts und niemand vom Weg ab. Eine wirklich erstaunliche Erfahrung!

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Nachdem Charis mittlerweile auch keine großen Bedenken mehr bei der Kontaktaufnahme mit Baumstämmen und ähnlichem Gedöns unterwegs hat, können wir sie nun auch immer öfter Leckerchen oder Spielies suchen lassen.

Dazu haben wir inzwischen auch ‚Verloren auf der Rückspur‘ angefangen.

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Ooops, da war doch was!?

Nach diversen Anläufen, die immer wieder an ihrer Konzentrationsfähigkeit oder auch mal an unserer für sie nicht optimalen Herangehensweise scheiterten, haben wir endlich den Zugang zu Charis‘ Nasenwelt gefunden und somit eine neue, wirklich an ihren Interessen ausgerichtete und zudem endlos vielseitige Beschäftigungs- und Belohnungsmöglichkeit an der Hand.

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Alle diese gemeinsamen Aktivitäten haben ihr Interesse an uns Menschen (also Reinhard und mir) in den letzten Wochen deutlich gesteigert.

Sie bietet inzwischen immer öfter von sich aus Blickkontakt an und läuft nicht mehr permanent am Ende der Leine.

Freude auf der ganzen Linie!

Baxter

Hunde, ich muss Euch unbedingt was erzählen!

Vor ein paar Tagen fuhren meine Menschen morgens mit mir los. Das kenne ich ja schon, aber diesmal fuhren die ganz woanders lang als ich es kenne. Na ja, sollte wohl eine Überraschung werden. Die ist denen aber auch gelungen! 🙂

Wir fuhren ein ganzes Stück über die Autobahn und dann durch jede Menge größere und ganz viele kleine Straßen. Die Sonne schien, es gab viel zu Gucken, also alles okay.

Aber dann hielten wir plötzlich irgendwo an, Frauchen stieg aus … und ließ mich und Herrchen einfach im Auto. Na, das ging ja mal gar nicht! Nach einer Weile kam sie aber wieder und meinte, wir sollten ihr mal folgen. Okay, das sollte mir nur recht sein.

Und was sah ich nach ein paar Metern? Einen Prachtkerl von Hund … mit einem Frauchen hintendran. Und der guckte auch noch nett zu mir rüber. Da wollte ich natürlich sofort hin! Aber diese Menschen meinten, wir sollten erst mal ein paar Meter mit Distanz gehen. Boah, was ein Nerv!

 

 

Nach einer Weile kam es natürlich wie es kommen musste: Endlich durfte ich mir den Kerl mal näher begucken und beschnuppern … und der gnädigerweise mich auch.

 

 

Wir waren sofort auf einer Wellenlänge und durften fortan beieinander laufen. Ich wusste gar nicht, wohin ich alles gucken sollte. Da gab’s – von dem Kerl mal abgesehen – nämlich endlos weite Wiesen … und dann: Wasser – ein riiieeeesiges Wasser! Soweit ich nach rechts und links gucken konnte … Wasser! Meine Menschen meinten, das sei ein Fluss. Der hätte sogar einen Namen, nämlich Rhein … ich also nichts wie rein.

 

 

Ich sag’s Euch gleich. Wegtrinken klappt nicht. Ich hab’s versucht. Aber darin toben und plantschen lässt sich vorzüglich!

Nach einer Weile gingen wir alle die gesamte Strecke wieder zurück zu einem netten Garten (der jetzt um ein paar Blümchen ärmer ist).

 

 

Dort bekamen wir erst noch mal was zu trinken. Das war auch gut so, denn das Rheinwasser war bei der Hitze schon alles wieder raus.

Im Schatten ließ es sich richtig gut aushalten. Wir konnten ein wenig ausruhen, und dann ging’s auch schon wieder los mit der Toberei.

Die Menschen unterhielten sich, lachten viel … und Baxter und ich hatten unseren Spaß.

 

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Irgendwann sind wir dann wieder nach Hause gefahren. Ich habe in der Nacht extrem gut geschlafen. Meine Menschen meinten, ich hätte bestimmt ganz viel geträumt …  weil ich nämlich im Schlaf gejunkt, geprustet und mit den Beinen gewackelt und den Augen gerollt hätte.

Die meinten doch tatsächlich, ich hätte bestimmt auch von Baxter geträumt.

 

 

Wer weiß? Ich werd’s Euch nicht verraten. Aaaaaber meine Menschen haben mir versprochen, dass wir den Baxter bald mal wieder treffen werden. Ich glaube, das ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft!

Der Fuchs

Vor ein paar Tagen hatte ich während einer Trainingseinheit eine Eingebung.

Charis hatte sich einen fellbezogenen Futterbeutel von Anja geklaut und hatte ihn voller Begeisterung über eine – für ihre Verhältnisse – erstaunlich lange Strecke von gut 10-15m getragen. Nun hatte ich zwar schon einen ‚Felldummy‘. Den fand Charis auch relativ pannend, hat ihn aber nie auch nur einen Meter weit getragen. Sie mochte ihn aufnehmen und totschütteln … das war’s dann aber auch.

 

 

Der Beutel, den sie sich nun geschnappt hatte, zeichnete sich dadurch aus, dass er

1. viel größer, sprich länger war als unser Teil und

2. leer war.

Er schlabberte also locker zu den Seiten aus Charis‘ Schnauze.

Wir zergeln zuhause auch mal mit längeren Tüchern, aber die Kombination von ‚felliger‘ Oberfläche plus ‚Schlabbern‘ schien den Unterschied zu machen.

Ich ging also am nächsten Tag auf die Suche nach einem ‚Schlabberspielzeug‘ und wurde fündig!

Unser neues Spielzeug ist ein schlabberiger, gut 30cm langer Plüschfuchs. Charis ist derart begeistert von dem Teil, dass wir seither fast täglich damit unterwegs spielen, auch in Wald und Flur! Wir können damit lauern, mauseln … und natürlich auch werfen bzw. hinterher rennen und ihn fangen, durch die Luft schleudern … und in begrenztem Maße auch zergeln. Da wir Dank des inzwischen wieder etwas trockeneren Wetters auch häufiger mit der Schleppleine statt der Flexi unterwegs sind, hat Charis die Möglichkeit mal ein paar Meter mit ‚ihrem‘ Fuchs zu rennen und damit ‚abzuhauen‘.

Ein Heidenspaß und für uns ein unglaublicher Durchbruch.

 

 

Hier ein paar Eindrücke von unseren ‚Fuchsspielen‘:

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Der Mai ist gekommen …

Montag war ein unglaublich schöner Tag. Wir haben Urlaub und sind einfach mal ins Blaue gefahren. Zuhause haben wir erst noch eine Runde in unserem ‚unserer‘ Wälder gedreht. Toll, wie entspannt solche Spaziergänge mittlerweile bei uns laufen können. Die Begegnung mit einem schönen, großen Briard-Rüden nutzte Charis für ein ausgedehntes, wirklich wunderschönes Spiel. Keine Hetzerei, immer wieder Spielaufforderungen beiderseits und Spielbögen … alles, was wirkliches Spiel unter Hunden ausmacht.

Kurz danach eine Begegnung mit zwei älteren Hündinnen. Bei der einen (englischer Collie) blieb mir das Herz fast stehen, denn sie erinnerte mich – obwohl zobelfarben – unglaublich an Merlin in seinen letzten Monaten. Dieser von alten Knochen zeugende, steife Gang und dabei so würdevolle Blick. Ich schmolz förmlich dahin. Die andere Hündin kam uns ebenfalls recht steif – allerdings vor allem von der Mimik her – entgegen, so dass ich schon Zickenalarm befürchtete. Aber nein, Charis meisterte die Situation unglaublich souverän. Kein Rumgehampel, kein Gekeife, dafür eine zwar angespannte Annäherung, aber alles sehr ruhig, konzentriert und dabei jede Sekunde auf die Befindlichkeit des Gegenübers abgestimmt. Ich war sprachlos!

Dann ging’s bei Sonnenschein und leichtem Wind Richtung Nordeifel. Was soll ich lange herumschreiben. Unser Flederfrosch hat sich einfach nur supermega-bombastischphantastischturbotoll geschlagen. Auf sämtlichen Spaziergängen in teils – für sie – wirklich anspruchsvollem Gelände hat sie prima auf den doppelten Rückruf wie auch alle sonstigen Signale reagiert und ist durchweg ansprechbar geblieben. Mittags ging sie sogar in einem Bach im Wald baden und konnte dabei auch noch kleine Leckerchensuchspiele mit mir machen. Vor einem halben Jahr noch machte Wasser sie total gaga und war in der Kombination mit Wald nicht auszuhalten. Hätte mir morgens jemand gesagt, dass dies nun so relaxt ablaufen würde, ich hätte heftige Zweifel gehegt. 😉

Am Nachmittag kam die Krönung in Form eines Spaziergangs auf einer weiten Ebene mit extremer Weitsicht. Selbst da konnte Charis noch den DRR ausführen und blieb ansprechbar … eine halbe Stunde immerhin. Eine regelmäßige Leserin dieses Blogs wird sich das vermutlich kaum vorstellen können, denn sie hat uns vor einem Jahr noch live auf einer Wiese erlebt. Da lief alles noch seeeehhhhhhr anders.

 

 

Schön, wie sich unser Miteinander zu einem solchen entwickelt hat. 🙂

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Abends lag Charis – nachdem sie sich erst mal die Wampe vollgeschlagen hatte – wie tot auf der Couch und hat bis zum nächsten Morgen durchgeträumt.

Wenn’s das nächste Mal bei uns im Gebälk knarrzt, werde ich mir diesen Tag vor Augen halten!

 

Ostern … oder … 1 Jahr mit Charis

Ein Jahr ist Charis jetzt bei uns. Unglaublich, wie die Zeit rast. Ein anstrengendes Jahr war das, aber auch ein sehr belückendes und lehrreiches … für uns alle! 😉

Unglaublich sind auch die Fortschritte, die Charis gerade im letzten halben Jahr gemacht hat. Die kleinen Rückschritte, die ja vollkommen normal sind, streichen wir eifrig immer schnell aus dem Gedächtnis. Sie sind mittlerweile auch wirklich – zumal gemessen an den ursprünglichen Baustellen – vernachlässigbar.

Vor einem Jahr konnte Charis mit uns Menschen nicht allzu viel anfangen. Kein Verlass auf diese Zweibeiner.

Ständig hin- und hergereicht … wozu sich also noch großartig auf so welche einlassen?

Mächtig überdreht, nervös und hibbelig war Charis. Lernen hatte sie leider auch nicht wirklich gelernt. Besonders fatal bei so einem klugen Hund.

Inzwischen können wir gemeinsam konzentriert Mäuse ausspionieren und auch ziemlich relaxt miteinander spazieren gehen. Wir können sogar manchmal schon unterwegs miteinander spielen!

Hundebegegnungen verlaufen – egal, ob groß oder klein, dick oder dünn, kurzhaarig oder fusselig – fast immer zur allgemeinen Zufriedenheit. Und wenn nicht … ich mag ja auch nicht jede Nase, die mir entgegenkommt. 😉

Muskulatur hat unser Flederfrosch aufgebaut. Inzwischen ist der linke Oberschenkel fast gleich stark wie der rechte. Als Charis zu uns kam, war er gerade mal halb so groß.

Die üblen Verspannungen im gesamten Nacken-/Schulterbereich gehören (fast) der Vergangenenheit an.

Das Fell glänzt wie eine Speckschwarte. Schlank ist nach wie vor … und das soll sie auch bleiben. Aber nun ist die Statur stimmig.

Unsere ‚Anmutige‘ ist endlich angekommen … zur Ruhe gekommen:

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Wir sind sehr glücklich mit unserem Osterei!

 

 

Ein dickes Dankeschön an dieser Stelle auch an alle, die uns auf vielfältige Weise auf dieser Strecke begleitet, uns unterstützt und immer wieder ‚auf die Spur‘ gebracht haben!

 

Hohe Flüge, kleine Stürze

Der Frühling ist in der letzten Woche mächtig über uns hereingebrochen.

Einerseits freut mich das unglaublich, denn ich bin kein wirklicher Freund der Kälte und Dunkelheit. Charis waren die Temperaturen anscheinend relativ egal, solange sie nur laufen konnte. 😉

Andererseits bedeutet dies natürlich auch, dass aus wirklich jeder Ritze wieder allerlei ‚Geviechs‘ hervorkommt. Die ersten Hummeln, Zitronenfalter und kleinen Füchse haben wir entdeckt. Die Vögel flattern und trällern herum als gäb’s kein ‚morgen‘ … und Charis hat derweil die Langohren und Weißpuscheln auf den Wiesen und Feldern wieder entdeckt. All diese Tiere hinterlassen natürlich auch im wäldlichen Umfeld, das wir in den letzten Monaten aus unterschiedlichen Gründen für unsere Spaziergänge mit ihr favorisiert haben, ihre Spuren. Somit lohnt sich das in den letzten Wochen bei so ziemlich jeder Gelegenheit mit Signal belegte ‚Schnüffeln‘ für sie wieder ganz besonders … und kann dann auch mal spontan ihren Turbo auslösen. *trallalla*

All dies hat uns jedoch nicht davon abgehalten, diverse positive Veränderungen im Verhalten unseres Flederfroschs festzustellen.

Ich versuche sie mal hier aufzulisten:

  • Seit bald zwei Wochen haben wir ein neues Morgenritual. Charis bleibt inzwischen fast immer liegen, wenn wir morgens ins Wohnzimmer an die Couch kommen und ihr einen guten Tag wünschen. 😉
    Seit gut einer Woche bleibt sie auch liegen, wenn wir sie dann vorsichtig streicheln. Manchmal legt sie dabei sogar ihren Kopf in unsere Hände. Ich kann gar nicht beschreiben, wie sehr ich dieses Morgenritual vermisst habe und wie warm es mir jetzt dabei ums Herz wird.
  • Seit ca. 3 Wochen beobachte ich öfters, dass Charis auch mal zu einem von uns kommt und denjenigen regelrecht zum Kuscheln / Spielen auffordert.
  • Vor knapp zwei Wochen hat Charis mich zum allerersten Mal zu einer richtigen gemeinsamen Aktion aufgefordert!
    Ich war in der Küche beschäftigt. Da kam sie zu mir, legte mir ihre rechte Pfote an mein linkes Bein und sah mich dabei mit einem Blick an, der sagte ‚Guck, was ich kann. Kriege ich jetzt meine Belohnung?‘. Natürlich hat sie die bekommen!!! Aber wirklich verstanden, was da passiert ist, habe ich erst hinterher. 😉
    Dieses ‚Tipp‘ habe ich in letzter Zeit öfters mit ihr erclickert. Ich konnte es gar nicht fassen, dass Charis diese Übung nun plötzlich benutzte, um sich ihre Mahlzeit von mir zu ‚erarbeiten‘. 🙂
  • Seit gut 2 Wochen liegt Nachbars Kater wieder regelmäßig auf dem Garagendach, wenn wir zur ersten Runde unterwegs sind bzw. von ihr zurückkommen. Während der Frosttage war es anscheinend sogar ihm zu eisig gewesen. Bei der ersten Sichtung war Charis noch etwas aufgeregt, konnte ihn aber doch ganz gut anschauen und recht ruhig dabei stehen bleiben. Wir bauen dieses Schauen seit Wochen eifrig aus. Schließlich liegt nicht jedes Objekt der Begierde einfach bewegungslos irgendwo rum … schon gar nicht in so schlecht erreichbarer Höhe. 😉
  • Vor ein paar Tagen entdeckte Charis morgens Nachbars Kater im Gestrüpp, an dem wir auf der ersten Runde vorbeikommen. Noch vor kurzem hätte Charis mich in dieser Situation (ich war noch nicht wirklich wach) unter lautem Getöse gnadenlos in den Stacheldrahtzaun, der das Gelände von einem Parkstreifen abgrenzt, gezerrt. Nun stand sie da – regungslos – und starrte den Kater an, der erfreulicher Weise ebenso regungslos sitzen blieb! Charis konnte schauen und ich konnte zwischendurch sogar feststellen, dass die Leine locker hing. So standen wir da und machten ‚Schau / Marker / Belohnung usw.‘ für knappe 15 Sekunden. Dann konnte ich sie mit einem netten ‚Weiter‘ ohne großen Zug oder sonstigen Aufstand zum gemeinsamen Weitergehen mitnehmen!
  • Um das Ganze zu toppen, hat sie es gestern Vormittag geschafft, ein Eichhörnchen (vor kurzem noch ein Megaaufreger), das ebenfalls in diesem Gestrüpp am Boden herumhopste, zu beobachten. Sie verfolgte es mit ihren Blicken (wodurch ich es überhaupt erst bemerkte!), sah ihm nach wie es an den nächsten Baumstamm sprang und beobachtete es lautlos eine gute Minute lang beim Tanz durch die Baumwipfel mit – für ihre Verhältnisse – erstaunlich niedriger Körperspannung. Auch hier war die Leine die meiste Zeit locker. Kein Gequietsche, Gejunke oder dergleichen. Auch hier konnte ich Charis nach dieser Minute mit einem freundlichen ‚Weiter‘ mitnehmen!
  • Ebenfalls gestern ist ein weiteres kleines Wunder passiert: Charis hat sich das erste Mal, seit sie bei uns ist, auf die Terrasse in die Sonne gelegt. Einfach nur so … zum Genießen und Entspannen. Ich musste echt zweimal hingucken, weil ich es gar nicht glauben konnte.

Es gibt natürlich auch die Momente, wo die Auslöser nicht ganz so trainingsadäquat mitspielen. Vor ein paar Tagen sah ich beim Spazottel durch den Wald auf einer Lichtung Rehe. Noch vor kurzem wäre ich da auf dem Absatz umgedreht. Doch an diesem Tag fühlte ich mich stark genug, die Situation bis an die Grenze auszuloten. Es ging erstaunlich lange erstaunlich gut, bis nach 2/3 der Strecke entlang der Lichtung eines der Rehe langsam in den angrenzenden Wald ging (erfreulicherweise von uns weg *puhh*). Da setzte natürlich der Turbo bei Charis ein …
Auch, wenn diese Situation für mich ordentlich kraftraubend war, wir haben sie gemeistert. Charis ist – wie mir erst hinterher auffiel – auch dabei nicht auf die Hinterläufe gegangen und sie war für ihre Verhältnisse recht ruhig dabei.

Kaum, dass wir aus der Rehsituation raus waren, tauchten hinter uns Radfahrer mit einem Hund auf. Mir war klar, dass Charis in ihrer aktuellen Verfassung damit überfordert wäre. Also wichen wir ein Stück vom Weg in den Wald aus, von wo aus Charis – in Anbetracht ihrer hohen Erregungslage – relativ ruhig und ohne Geplärre den vorbeirauschenden Fahrrad-/Hund-Tross beobachten konnte, bevor wir unseren Weg gemeinsam fortsetzten.

Auffallend ist in diesem Zusammenhang auch, dass Charis sich nach solchen Aufregersituationen inzwischen erstaunlich schnell wieder beruhigt – wenn das Umfeld es ermöglicht. 😉

Natürlich geht sie immer noch mal in die Leine, aber immer seltener. Ja, sie zieht auch noch öfters, wenn sie besonders tolle Sachen riecht oder sieht, aber auch das immer seltener und vor allem auch immer seltener in dem Ausmaß wie es letzten Herbst noch Standard bei ihr war. Auch auf die Hinterläufe stellt sie sich immer seltener bei Sichtung entsprechender Auslöser. Klar, dass dafür ein gewisser Mindestabstand gewahrt sein muss. Aber es tut sich deutlich was im Oberstübchen unserer Chaosqueen.

Ich freue mich wie Hulle … ganz besonders für Charis! Schließlich bedeutet das auch für sie ein gehöriges Quantum mehr an Ausgeglichenheit und Zufriedenheit.