Der März ist gekommen

Höchste Zeit also, endlich mal wieder einen Blick auf die ‚Belohnungsliste‘ für Charis zu werfen. Immerhin hat sich doch einiges getan in den vergangenen Wochen und Monaten, auch wenn wir aufgrund des heftigen Winterwetters, meines daraus resultierenden Krankenhausaufenthalts (frau sollte einfach keine neuen Winterstiefel mit neuer Sohle auf Glatteis ausprobieren) und einiger anderer Widrigkeiten nicht so intensiv mit ihr geübt haben, wie wir das eigentlich vorhatten. Manchmal aber ist weniger auch mehr:

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Zwei wesentliche Veränderungen haben sich ergeben:

Zum einen kann Charis inzwischen deutlich besser und länger ‚Ruhe bewahren‘. Während sie im ersten Jahr bei uns doch mächtig hibbelig war und immer wieder ‚Rennattacken‘ hatte, kann sie mittlerweile wirklich lange und entspannt z.B. einfach auf der Terasse sitzen oder liegen und auf ihr Reich herab schauen (da kommen Erinnerungen an Kessy hoch). Aber auch das Schauen draußen in Feld und Flur funktioniert inzwischen richtig gut. Das werden wir noch weiter ausbauen!

 

 

Zum anderen können wir Charis inzwischen deutlich mehr über Interaktionen mit uns belohnen. Geholfen hat dabei, dass sie – gemessen am ersten Jahr – inzwischen auch draußen fast schon verfressen ist, wobei ihr absolutes Highlight Ziegenkäsebröckchen sind. Die haben zudem den Vorteil, dass sie auch in der Dunkelheit der vergangenen Wochen immer gut zu sehen waren. Das war uns öfters eine Hilfe, wenn wir sie von Auslösern weg belohnen wollten. Dunkle Brocken in der Finsternis nahm sie kaum wahr und blieb mit den Augen am Auslöser kleben. So ein fliegender heller Käsebrocken im Dunkeln hingegen ware für sie doch ein großer optischer Reiz und somit häufig das Zünglein an der Waage, wenn wir ‚Land gewinnen‘ wollten.

 

 

Zurzeit entwickeln sich die Dinge bei ihr wieder in etwas größeren Schüben. Wir werden also sicher bald wieder eine neue Liste brauchen!

 

 

Motivationsorientierte Belohnungen

… sind das A und O im Training mittels positiver Verstärkung. Dazu bedarf es guter Beobachtung. Leckereien z.B. können je nach Wetterlage, Erregungsniveau, Umfeld usw. sehr wertvoll sein. Sie können u.U. aber sogar ins Gegenteil umschlagen.

Würdet Ihr z.B. bei der derzeitigen schwülen Hitze einen trockenen Futterbrocken für erstrebenswert halten, wenn Ihr gerade eine halbe Stunde gejoggt seid?

Da würde Euch sicher der Sinn nach etwas ganz anderem stehen.

 

 

Leider war es uns in den ersten Monaten mit Charis kaum möglich, sie motivationsorientiert zu belohnen. Zudem nahm sie draußen … und dann auch noch bei Aufregung … überhaupt keine Futterblohnungen an.

 

 

Wir mussten sie erst kennenlernen. Wir mussten uns gegenseitig erst besser kennenlernen.

Dieses Kennenlernen und das gemeinsame Training haben inzwischen einige Verschiebungen in ihren Lieblingstätigkeiten und der daraus resultierenden Belohnungsliste gezeitigt. Aber schaut selbst:

Unsere erste Belohnungsliste …

belohnungsliste_juli2011

… und hier der aktuelle Stand

belohnungslistecharis_august2012

Ihre Hauptaktivität der ersten Monate bestand in Rennen, Hüpfen, Springen, Hetzen …

 

 

Fast alle Belohnungen mit uns waren seinerzeit ausschließlich im Haus oder max. auf der Terrasse möglich. Draußen waren wir praktisch komplett ‚abgemeldet‘. Inzwischen ist auch unterwegs und sogar in fremdem, neuem Gelände Interaktion mit uns möglich.

Die ‚rausgefallenen‘ Belohnungen wurden entweder in tagtägliche Rituale eingebaut oder werden nicht mehr als Belohnung eingesetzt, weil sich Charis‘ Motivationen und Bedürfnisse geändert haben.

Ich finde, das kann sich sehen lassen.

4. Woche

In der vergangenen Woche ist nicht viel Neues passiert …

Nach drei Wochen des Findens, Zueinanderfindens und Zusammenfindens hatte ich beschlossen, dass Charis dringend eine Ruhephase braucht.

Bei allen unübersehbaren Fortschritten scheinen sich trainingsbedingt ein paar ihrer ‚Macken‘ momentan zu verstärken. Das ist ganz normal. Verhaltensweisen, die infolge  Nichtbeachtens bzw. Umlenkens in Alternativverhalten eine Weile nicht gezeigt werden, treten häufig vor dem Erlöschen noch einmal verstärkt auf.

 

 

Um diese Phase gut und im Sinne eines dauerhaften Fortschritts durchzustehen, habe ich somit auch mir selbst eine kleine Pause gegönnt. Die brauchte auch ich dringend zum Regenerieren und zum Überdenken dessen, was wir in diesen drei Wochen bereits erreicht haben und wie ich das gemeinsame Training optimieren kann.

 

 

… und doch gibt es Neuigkeiten zu vermelden:

  1. Das Büro-Training ist mittlerweile soweit gediehen, dass Charis nur noch knapp 30 Minuten Spiel und Beschäftigung braucht, bevor sie sich dann tatsächlich für ein paar Stunden (!!!) zur Ruhe begibt.
    Die obligatorischen Geräusche werden kaum noch beachtet. Durch das Büro laufende Menschen werden natürlich beobachtet, aber dann wird weitergeschlafen. Auch Besucher sind nach kurzem Kennenlernen in Ordnung, so dass sie sich dann wieder zur Ruhe begeben kann!
     

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  2. Die heftigen Attacken, die Charis speziell in der ersten Woche gegen geschlossene Türen gefahren hat, sind fast vollständig verschwunden. Vor allem hat sich ihre Motivation eindeutig parallel zum Zusammenfinden mit uns verschoben. Ursprünglich waren ihre Türöffnereien generell panik- und fluchtmotiviert (auch vor uns, denn schließlich war alles noch fremd).
    Nun versucht sie nur noch aus vollkommen fremden Räumlichkeiten, die ihr zudem unangenehm erscheinen (vornehmlich alles, was an Arztpraxis erinnert), zu fliehen.  Aber auch das wird langsam besser. Hauptsache, ich bin bei ihr. 😉
    Zuhause verursacht allerdings noch das Verlassen des Hauses durch einen von uns alleine Gebelle, Gefiepe und den verzweifelten Versuch, die Wohnungstüre zu öffnen. Mit nur einem von uns zusammen zu sein, ist okay für sie. Aber der Moment, wenn einer geht, ist nicht ihr Ding. Während diese Phasen anfangs zwischen 5 und 15 Minuten schwankten, sind wir inzwischen bei knapp 1 Minute angekommen – Tendenz Richtung 30 sec. sinkend.
    Manchmal möchte die Flattermaus natürlich auch gerne in den Garten, wenn wir dies gerade mal nicht möchten. Aber das ist dann wieder ein anderes Thema. 😉
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  3. Charis hat uns in den vergangenen Wochen sehr gut beobachtet und unsere Körpersprache lesen gelernt. Das ist einerseits schön, denn so lässt sie sich ansatzweise bereits recht gut mittels kleiner Gesten lenken. Andererseits spiegelt sich in ihrem Verhalten auch immer deutlicher ihre Vergangenheit wieder. Sie reagiert heftig auf jegliches ‚Sich Aufbauen‘ oder auch nur andeutungsweise ‚bedrohliches‘ Verhalten. Darüber hatte ich ja bereits an anderer Stelle berichtet.
    Andererseits liebt sie inzwischen auch den Körperkontakt, fordert manchmal regelrecht zu kleinen körperlichen Rangeleien auf, knuspelt, hält ihren Sterz zum Krabbeln hin und zeigt auch öfters Dinge, die ein im falschen Moment hinguckender oder einfach unbedarfter Beobachter als Bedrängen meinerseits interpretieren könnte. So schlüpft sie, wenn ich mich irgendwie beuge oder so verbiege, dass ich eine wie auch immer geartete ‚Mulde‘ anbiete, oft dort hinein und bohrt dann regelrechte ‚Löcher‘ in meinen Leib. Ähnliches auch, wenn ich z.B. im Spiel den Arm beuge. Dann prescht sie manchmal in die Lücke zwischen Arm und Körper und genießt es, sich in dieser Position streicheln oder auch mal ’schrubbeln‘ zu lassen.
    Ich bin gespannt, wie sich die körperliche Kommunikation zwischen uns weiter entwickelt. Noch kommt es manchmal zu Irritationen.
    Wir müssen uns eben noch besser kennenlernen. 🙂
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  4. Am Mittwoch habe ich mich mit Anja Fiedler getroffen. Sie ist nicht nur eine tolle Trainerin und Kollegin, sondern hat sich noch dazu auf die Arbeit mit Jagdhunden und jagenden Hunden spezialisiert.
    Mir ging es bei diesem Treffen vornehmlich darum, mir einmal professionell über die Schulter gucken zu lassen. Diese Erfahrung kann ich wirklich nur jedem Trainer empfehlen, denn es gab natürlich einiges zu gucken! *g*
    Mit wertvollen Tipps bewaffnet kann das Training mit Charis nun in die nächste Phase gehen. Anja wird uns beim weiteren Anti-Jagd-Training – und auch so – begleiten. 😉
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  5. Wir waren wieder zur Physiotherapie. Hier war ein wahrer Quantensprung zu beobachten. Während Charis beim letzten Termin noch angespannt und hektisch war, so stürmte sie diesmal regelrecht den Behandlungsraum und begrüßte Martina mit einem dicken Schmatzer!

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    Cavaletti-Arbeit ging locker flockig und diesmal durfte Martina sie sogar über mehrere ca. 1-minütige Phasen tatsächlich richtig anfassen und leicht massieren (auch genannt ‚Intervall-Massage‘ 🙂 ). Wir waren beide ziemlich sprachlos über diesen Entwicklungsschub. Der Gipfel war, dass Charis Martina mehrfach demonstrativ den Rücken präsentierte, damit sie dort an der wirklich übel verhärteten Muskulatur im gesamten Schulterbereich arbeiten konnte. Pünktlich zum Abschied streckte die Fledermaus ihr sogar die Kehrseite zum Massieren und Krabbeln hin und ließ ein Abstreichen der Beine zu.
    Dies könnte der Beginn einer wunderbaren Freundschaft sein!

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Nach drei Wochen des Kennenlernens und Beobachtens war es zudem Zeit, endlich eine Belohnungsliste für Charis zu erstellen.

 

 

Noch tu ich mich ein wenig schwer damit, und die Reihenfolge der Belohnungen nach Wertigkeit stimmt auch noch nicht. Irgendwann muss frau aber mal damit anfangen.

So also sieht die Liste momentan aus:

folie1

Ich bin mächtig gespannt, wie sie sich im Laufe der Zeit verändern wird. Vermutlich sieht sie nächste Woche schon anders aus.

1. Woche

Heute Abend ist Charis genau eine Woche bei uns. Jeden Tag aufs Neue überrascht sie uns mit ihrer blitzschnellen Auffassungsgabe und dem Tempo, in dem sie Gelerntes umsetzt. Einfach granatenscharf!

Diese erste Woche war natürlich zunächst einmal davon geprägt, Charis ihren neuen Namen zu vermitteln (neues Leben = neuer Name!) und ein passables Gehen an der Leine. Beides hat erstaunlich schnell geklappt, ist aber natürlich noch optimierungsfähig.

 

 

Als allererstes wurde Charis noch am Freitagabend von mir ‚angeclickert‘. Inzwischen haben wir sogar schon ein paar ganz kurze FreeShape-Sessionen mit und ohne Objekt hinter uns.

charisanbank

Da ich nicht weiß, ob sie in der Vergangenheit womöglich irgendwelche Unarten in Bezug auf die menschliche Umwelt entwickelt hat, habe ich vorsorglich direkt begonnen, die wesentlichen ‚Objekte‘, die uns hier beim Spazierengehen begegnen, zu benennen. Dies sind z.B. Mensch, Fahrrad, Auto, Hund, Vogel, Pferd und noch ein paar andere potentielle Auslöser. Das Ziel ist, ihr diese Objekte in nächster Zukunft entsprechend positiv belegt ankündigen zu können und mittel- bis langfristig Charis nach solchen ‚Dingen‘ Ausschau halten und sie anzeigen zu lassen.

Glücklicherweise zeigt sie bislang keinerlei Tendenzen, Fahrradfahrer oder Jogger zu jagen oder dergleichen. Sie werden zwar interessiert beim Herannahen und Passieren beobachtet, mehr aber nicht. Wir arbeiten daran, dass dies bitte auch so bleibt.

Diese Benennungsliste umfasst inzwischen auch einige besonders gerne von Charis ausgeführte Aktionen, wie z.B. das Schnüffeln, Buddeln oder auch Beobachten von potentiell Jagdbarem. Hier ist das mittel- bis langfristige Ziel, diese Aktivitäten als unter Signal ausgeführte Belohnungen einzusetzen.

Andere Hunde sind natürlich immer sehr spannend, werden aber durch die Bank freundlich – wenn auch stürmisch – begrüsst, solange sie sie nicht schon im Vorfeld anblöken. Auch Welpenbegegnungen sind gut verlaufen (das ist keine Selbstverständlichkeit – den viel beschworenen Welpenschutz gibt es per se nicht!). Soweit ist also alles im grünen Bereich.

Grün würde ihr wohl auch sonst gut stehen, denn ihre Jagdleidenschaft (Fixieren, Hetzen) hat sich bei vielerlei Gelegenheit recht deutlich gezeigt. Besonders Vögel haben es ihr angetan: Fasane!, Rebhühner!, Krähen, aber durchaus auch Spatzen und dergleichen. Ich bin gespannt, wie sie auf Rehe reagieren wird.

hetzen-am-zaun

Neben dem Clicker wurde Charis – auch vor diesem jagdlichen Hintergrund – inzwischen auf die Pfeife konditioniert. Hier konnten wir heute sogar schon ein erstes Erfolgserlebnis verzeichnen. Sie hechtete einem unerwartet neben uns auffliegenden Fasan zwar natürlich bis ans Leinenende hinterher, orientierte sich aber auf den Pfiff hin sofort nach mir um und kam sogar heran, um sich ihre Belohnung zu holen.

pfiff

Es mag ein Glückstreffer gewesen sein, aber das lässt hoffen für die weitere Ausbildung!

 

 

Eine weitere einschneidende Veränderung hat Charis inzwischen auch zu einem Großteil bewältigt: die Umstellung auf die Rohfütterung. Manche Fleischsorten sind ihr roh noch nicht ganz geheuer. Da hilft kurzes Anbraten – schon duftet die ganze Küche und die Sache wird für Charis gleich viiieeeel spannender. Langsam erweitern wir auch das Angebot an Gemüse, Obst, Milchprodukten usw.

Da Charis ein ziemliches Hibbelchen ist, haben wir am Wochenende mit dem Aufbau der konditionierten Entspannung begonnen. Noch wird der Akku (ich glaube, Charis braucht einen recht großen *gg*) geladen. Mal schauen, wann ich den ersten Test wagen kann.

Ansonsten besteht meine wesentliche Aufgabe momentan noch darin, eine Top20-Liste mit unterschiedlichen Belohnungsmöglichkeiten für die Fledermaus zu erstellen. Immerhin, bei ca. 10 bin ich schon. Der Rest sollte schnell zu identifizieren sein, sobald Charis sich bei uns weiter eingelebt hat.

Auch hier macht sie enorme Fortschritte. Sie fängt langsam und vorsichtig an, mit uns zu spielen, sucht inzwischen immer häufiger unsere Nähe baut zusehends Vertrauen auf.

charisimgras

Ich bin gespannt, was alles in der nächsten Woche passiert!