Toffel

Charis hat in den letzten Wochen enorme Fortschritte in vielerlei Hinsicht gemacht. Hatte ich das schon mal erwähnt? 😉

Ein Fortschritt, über den wir uns ganz besonders freuen, ist der, dass sie nicht mehr so rüpelig bei Hundebegegnungen ist. Ja, sie ist oft noch etwas wüst, und sie neigt weiterhin zu einer gewissen Überschwänglichkeit. Schließlich ist sie aber auch noch jung. Sie kommt mit fast allen Hunden gut klar, weicht immer öfter aus, wenn ihr eine Nase nicht passt, und pöbelt immer seltener.

Unser Hauptproblem ist nach wie vor die Leine. Wir müssen den menschlichen Gegenübers immer erst erklären, dass Charis sehr wohl verträglich ist, aber eben auch seeeeehr gerne jagt … und dass sie deshalb in der freien Natur (noch) nur an der Leine spielen darf. Erfreulich viele Menschen lassen sich dann doch auf den Kontakt ein. Meist hat er bis zur Erläuterung ohnehin schon stattgefunden. 😉

Vergangenen Samstag hatten wir wieder einmal eine erfreuliche Begegnung. Diesmal habe ich sogar daran gedacht, sie fotografisch festzuhalten. Ich glaube, die Bilder sprechen für sich. Gestatten, Toffel! 🙂

[Galerie nicht gefunden]

 

Am Sonntag hat Charis sich dann förmlich selbst übertroffen. Ein Jack Russel schnappte bei der Begegnung heftig knurrend nach ihr (kein Wunder, der arme Kerl wurde die ganze Zeit von der Halterin heftig an der Leine übers Halsband geruckt und fortwährend mit ’nein‘, ‚lass das‘ und ‚aus‘ angebrüllt. 🙁

Noch vor wenigen Wochen hätte dieser Wicht sich unverzüglichst ordentlich eine gefangen. Nun aber drehte Charis einfach nur ihren Kopf und Vorderkörper weg und lies ihren rechten Fangzahn blitzen. Nachdem der Terrier – weil weiterhin in beschriebener Weise malträtiert – mit seinem Geknurre und Geschnappe fortfuhr, führten wir Charis unter freundlichem Markern und Loben an lockerer Leine aus der Situation raus … und fertig.

Die Gegenübers haben nicht schlecht gestaunt … und wir auch! 🙂

Wie schön, dass wir nicht mehr so mit unserem Hund umzugehen brauchen (ja, vor wenigen Jahren sah es bei uns leider nicht viel besser aus :-(). Dies sind die Momente, auf die wir so eisern positiv hingearbeitet haben.

Dies sind die Momente, die uns anschließend noch für Stunden meterhoch über dem Boden schweben lassen!

12. Woche bzw. 3 Monate

Es hat einige tolle Entwicklungen gegeben, leider auch ein paar doofe. Die tollen Entwicklungen betreffen natürlich alle Charis, die nicht so tollen Reinhard und mich. Aber das wird schon wieder …

Am Wochenende habe ich nach einwöchiger Pause wieder die ersten Spaziergänge mit der Fledermaus übernommen. Sie sind erfreulich gut gelaufen trotz der Pause im Training draußen!

charis_spass

Aber wie sagt eine liebe Bekannte immer: Das Training geht weiter …

 

 

  1. Cool down / Pause
    Charis schafft es inzwischen erstaunlich gut und schnell, sich von aufregenden Situationen zu erholen und runterzufahren. Hin und wieder sogar schon auf Signal. Letzteres ist allerdings noch im Aufbau. Die Tatsache, dass sie es überhaupt schon so gut schafft, beeindruckt uns sehr.

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  2. Auslastung und Belastbarkeit
    Auslastung hat aufgrund unseres maladen Zustands im letzten Monat vornehmlich körperlich stattgefunden. Klingt paradox, liegt aber daran, dass Reinhard mit Charis auf absehbare Zeit nur am Fahrrad unterwegs sein kann (was natürlich in sehr kontrolliertem Tempo und auch von vielen kleinen Übungen unterbrochen stattfindet! 😉 ). Letzte Woche verbrachte die Fledermaus außerdem viel Zeit mit uns im großen Garten, da ich ja auch nicht mehr mit ihr gehen konnte.
    Immerhin fand etwas Kopfauslastung in Haus und Garten statt.
    Was uns unglaublich freut (auch und ganz besonders für Charis!) ist, dass sie mittlerweile – nach den langen Wochen der Reizreduktion wegen ihrer hyperaktiven Tendenzen – bis zu einer Stunde im Garten sein kann, ohne dass sie am Rad dreht.
    Noch vor einem Monat war daran kein Denken. Da explodierte sie manchmal beim bloßen Blick in das Grundstück hinein! Nun hat die Fledermaus ein nicht unerhebliches Stück Freiheit wieder … und wir auch. Entsprechend sieht unser Terassengarten mittlerweile allerdings auch aus …

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  3. Impulskontrolle / Frustrationstoleranz
    In den letzten 3 – 4 Wochen haben wir verstärkt an der Impulskontrolle und auch der Frustrationstoleranz von Charis gearbeitet. Viele kleine, sehr kurze Übungseinheiten über den Tag verteilt haben hier wirklich große Fortschritte gebracht. Wir arbeiten natürlich weiter daran.

  4. Hundekontakte
    … sind für Charis selbstredend sehr spannend.
    Aufgrund unserer Arbeit an ihrer Impulsivität waren Hundekontakte in den ersten zwei Monaten extrem reduziert. Das hat – kaum anders zu erwarten – neben den gewünschten Effekten auch den unangenehmen Nebeneffekt einer gewissen Leinenpöbelei gezeitigt. Besonders blöd waren hier diverse Begegnungen mit – leider alle Vorurteile bestätigenden – Klein(st)-Hunden, die Charis schon auf sehr großer Distanz echt übel anblökten, obwohl sie weder über den Blick noch körpersprachlich tendenziell ‚aggressiv‘ rübergekommen wäre. Auf dieses ‚Training‘ hätten wir wirklich gerne verzichtet. 

    Immerhin hat die Fledermaus mittlerweile fast alle Hunde der näheren Nachbarschaft kennengelernt. Die meisten Kontakte sind gut bis sehr gut abgelaufen, wobei die Zusammenführung aufgrund Charis‘ Temperament schon oft mit Fingerspitzengefühl erfolgen muss.
    Gestern Abend gab es sogar den ersten Freilauf mit einer Nachbarshündin. Die Nachbarn hatten ihre Hündin frei gegeben – wohl wissend, dass wir Charis aufgrund ihrer Jagerei und unserer Arbeit an dem Thema eigentlich nicht frei laufen lassen können und wohl wissend um unsere derzeitigen gesundheitlichen Einschränkungen (nein, ich schreibe jetzt nichts weiter dazu! 🙁 ).
    So konnten die beiden Hündinnen für 2 Minuten über ein frisch abgemähtes Feld toben. Glücklicherweise ließ sich kein Hoppler oder sonstiges Getier oder weiterer Hund in dieser Phase blicken. Letztendlich also ein kleiner Glücksfall!

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  5. Tiere
    Hier gibt es keine wesentlichen Veränderungen: Der Treppenabgang wird nun mit einem Tor versehen, damit unsere Hummel ggf. die Treppe an der langen Leine runterpreschen kann, ohne sofort auf der Straße mit den Nachbarskatzen, Autos oder was auch immer zu kollidieren. Das gibt uns allen mehr Sicherheit während unseres Trainings an dieser Baustelle. Charis‘ Erregungsniveau beim Anblick von Hopplern ist stabil, das bei Vögeln ist leider wieder etwas gestiegen.
    An der Baustelle ‚Kühe‘ gibt es immerhin tolle Fortschritte zu vermelden. Diese großen Tiere sind ihr zwar weiterhin suspekt, aber sie ist nicht mehr panisch und schaffte es letzte Woche sogar, sich in gebührendem Abstand vor einer Herde von ca. 20 Kühen auf den Weg zu setzen und sie zu beobachten.  Solange die Tiere stehen blieben, war alles in Ordnung. Bei Bewegung – oder wenn sie gar zu laufen anfingen – war es mit der Ruhe natürlich vorbei. Mit etwas Zeit und Übung wird auch das werden.

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  6. Rückpfiff / Intermediäre Brücke
    Der Rückpiff hat leider immens unter meiner Pause gelitten. Reinhard kann ihn natürlich schlecht üben, wenn er am Fahrrad mit Charis unterwegs ist. Im Garten sind die Ablenkungen noch viel zu hoch, als dass wir dort eine vernünftige Chance hätten, ihn mit ihr zu üben. Den Rest hat Reinhard durch unachtsamen Umgang mit der Pfeiferei zerschossen. Hier müssen wir also von fast Null wieder neu anfangen.
    charis_kommtImmerhin hat sich die generelle IB in verschiedenen Übungen im Haus gefestigt.
    :-)

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  7. Kuscheln
    In der Urlaubszeit hat es begonnen und hat sich in den letzten zwei Wochen langsam gesteigert. Unsere Fledermaus mag inzwischen immer öfter richtig kuscheln! Unachtsame Bewegungen können sie dabei noch schnell verunsichern, aber wenn sie einmal loslegt, wird gekrabbelt und geknuddelt, was das Zeug hält. Toll!


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  8. Stopp – Weiter
    … ist auf demselben Stand wie beim Bericht zur 9. Woche.
    ;-)
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  9. Ruhephasen
    … verbringt Charis seit bald zwei Wochen immer öfter in ihrer Box. Manchmal schlaft sie dort sogar!
    charis_inderbox-klein
    Wir haben sie in keiner Weise dazu animiert oder dies irgendwie provoziert. Hier hat sich einfaches Abwarten und Durchhalten ausgezahlt.

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    Darüber hinaus hat sie sich in den letzten Tagen auch angewöhnt, von der Terrassentüre aus (wenn diese verschlossen ist) oder auch relaxt (!) auf der Terrasse liegend ‚ihr‘ Reich zu beobachten. Bislang hält sie diesen Zustand bis max. 5 Minuten in Ruhe, aber immerhin! Eine der vielen Verhaltensweisen, die sie mittlerweile öfters an den Tag legt und die uns unglaublich an Kessy erinnern. Einfach nur schön!
  10. Gesamtzustand
    Auch hier gibt es erfreuliche Entwicklungen. Die Umstellung auf die Rohfütterung usw. hat sich komplett positiv ausgewirkt. Charis nimmt mittlerweile auch immer mehr neue unterschiedliche Nahrungsangebote nach anfänglicher Skepsis an. Dadurch erweitern sich endlich auch unsere Möglichkeiten der Futterbelohnung!
    Die Verdauung ist schön regelmäßig geworden. Das Fell ist seidig glänzend. Durch das regelmäßige Laufen am Rad hat die Fledermaus Muskulatur aufgebaut. Sie wirkt einfach immer ’stimmiger‘.
    Auch seelisch scheint sie mittlerweile wirklich angekommen zu sein bei uns!
    charis_badet

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Wir sind gespannt, wie es weitergeht!

 

 

Sprachgenie

Charis macht aus ihren Befindlichkeiten kein Geheimnis. Das finden wir gut. Denn: Was gibt es Schöneres als einen Hund, der deutlich kommuniziert?

Schon bei unserem Kennenlernbesuch auf der Pflegestelle konnten wir ihr ausgeprägtes Kommunikationsvermögen beobachten. Sie sprach sehr deutlich und unmißverständlich mit den dortigen Artgenossen und differenzierte dabei auch klar zwischen deren unterschiedlichen Temperamenten. Auch bei unseren Hundebegegnungen im Dorf oder sonst unterwegs können wir dies nun gut beobachten.

Natürlich ist Charis noch altersgemäß ungestüm, zumal sie bisher anscheinend Ruhe nicht wirklich gelernt hat. Auch die kastrationsbedingte Hormonumstellung mag ihr zu schaffen machen (zu merken ist allerdings soweit nichts), aber sie meistert alle Begegnungen gut. Egal, ob kleiner Hund oder Riese – egal, ob Welpe oder gestandener Senior (wobei ältere Jahrgänge für sie schon mal ‚anstrengend‘ sind). Auch geschlechtsspezifische Unterschiede können wir bislang nicht feststellen.

Selbstverständlich blökt sie allerdings zurück, wenn sie von Artgenossen angemacht wird. Das ist für mich auch vollkommen in Ordnung. Sie ruft eben ggf. genauso in den Wald hinein, wie es aus ihm herausschallte.

 

 

Allerdings heißt das nicht, dass wir nicht daran arbeiten würden – schon aus Prophylaxe. Aber das ist ein anderes Thema, das ich evtl. irgendwann einmal separat aufgreifen werde. 😉

Spannend zu beobachten ist auch Charis‘ Kommunikation mit Menschen. Grundsätzlich geht sie auf alle verhalten bis offen zu. Wer sich ihr körpersprachlich anbietet, wird unverzüglich stürmisch begrüsst und darf sie auch knuddeln. Menschen, die sich seltsam bewegen – z.B. die allgegenwärtigen Nordic Walker, Kinder auf ihren Blades oder schreiende bzw. überhaupt laute Menschen und dergleichen – werden zunächst gespannt beobachtet. Inzwischen nimmt sie dann häufig Blickkontakt mit uns auf (ich benamsel in solchen Situationen grundsätzlich) und läuft dann mit uns weiter. Sicherheitshalber nehme ich sie da auch schon mal etwas kürzer, damit sie nicht irgendeine dumme Fehlreaktion provoziert.

Charis reagiert sehr klar auf unterschiedlich laute Ansprache. Ich rede normalerweise recht leise mit meinen Hunden, so nun auch mit ihr. Vor ein paar Tagen rutschte mir – als sie etwas arg stürmisch im Spiel wurde – ein lautes ‚AUTSCH!‘ heraus. Darauf schreckte unsere Fledermaus gut 2m zurück, machte sich körperlich so klein wie sie nur konnte und beruhigte / beschwichtigte, was das Zeug hielt.

Natürlich habe ich die Situation sofort aufgelöst und ihr durch Abwenden und Ausstrecken der offenen, niedrig gehaltenen Hand signalisiert, dass die Welt in Ordnung ist. Dennoch brauchte sie einige Sekunden, um sich von dem Schrecken zu erholen.

 

 

Was die menschliche Kommunikation angeht, lebt Charis ‚mehrsprachig‘. Das ist lerntechnisch zwar nicht optimal, lässt sich bei uns aber kaum ändern.

Ich kommuniziere hauptsächlich über Körpersprache, Sichtzeichen, möglichst knappe akustische Signale (anderweitig Kommandos genannt) und natürlich Marker mit ihr. Reinhard versucht dies auch (was mich sehr freut!!!), tut sich dabei aber noch recht schwer und fällt immer wieder in alte Muster. Seine Signalgebung war auch bei unseren früheren Hunden oft eine andere als meine. Dennoch haben unsere früheren Hunde es geschafft, uns zu verstehen. 😉

Hinzu kommt, dass Charis derzeit auch auf einer Tagesstelle betreut wird. Ich muss sie erst langsam an den Büroalltag gewöhnen (momentan wäre sie damit noch vollkommen überfordert!) und werde sie vermutlich auch in Zukunft nicht immer mit ins Büro nehmen können. Glücklicherweise wird Charis nach meinen Anweisungen betreut und die Leute sehen vieles ähnlich wie ich. Allerdings bin ich eine für viele Hundeleute extrem ‚positive‘ Hundeführerin und Trainerin. Bei aller Kundenorientiertheit können gewisse Abweichungen von meiner / unserer Kommunikationsweise nicht ausgeschlossen werden. Wir alle müssen uns damit arrangieren. Solange Charis damit klar kommt (und das tut sie bislang hervorragend!), ist das für mich okay.

Ein erstaunliches Erlebnis hatten wir in den vergangenen Tagen. Reinhard war mit Charis unterwegs und hatte sie in ausbruchsicherem Gelände von der Leine gelassen. Dafür hatte sie sich natürlich sofort mit Rennen, Springen usw. bedankt. Auf dem anschließenden Spaziergang bemerkte Reinhard dann ein Humpeln. Schreck, lass nach! Er bliebt also stehen … und da … hob Charis eine Pfote hoch. Reinhard schaute nach und fand einen Dorn darin. Was hätten wir früher bei unseren Hunden manchmal dafür gegeben, wenn sie uns so deutlich gezeigt hätten ‚Hier tut’s weh! Mach was, damit das aufhört.‘!

Ob Charis es in ihrem vorigen Leben so gelernt hat oder ob sie das aus ‚Intuition‘ tat?

 

 

Wir sind jedenfalls sehr beeindruckt von unserem kleinen Sprachgenie!