Nasenarbeit

Seit dem Jahresbeginn zeigt Charis eine recht stete Aufwärtsentwicklung. Wir hatten noch ein paar ‚unsichere‘ Phasen, aber keinerlei ‚Abstürze‘ mehr wie im vergangenen Jahr. Natürlich haben wir auch weiterhin etwas aktivere Zeiten und dann wieder solche, in denen aus unterschiedlichsten Gründen das ‚Training‘ ruhiger läuft.

Nachdem ich im April ins Mantrailing reinschnuppern und erleben durfte, wieviel Spaß unterschiedlichste Hundetypen dabei haben können, haben wir es mit Charis auch probiert. Es war ein ziemlicher Volltreffer.

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Wir sind zwar immer noch in den Anfängen, aber es macht uns dreien mächtig Spaß. Das unglaublichste Erlebnis dabei ist, dass Charis während ihrer Suche im Wald mit all seinen Verlockungen sich kaum ablenken lässt.

Strecken von ca. 100 – 200 m arbeitet sie zielstrebig aus. Ich tue mich allerdings wirklich schwer damit sie zu halten, wenn sie mit Vollgas zur gesuchten Person prescht.

Da könnte ich fast genauso gut Rehwild auf 10 m vor mir stehen haben!

 

 

Aaaaaaber … auf diesen Strecken bringt sie nichts und niemand vom Weg ab. Eine wirklich erstaunliche Erfahrung!

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Nachdem Charis mittlerweile auch keine großen Bedenken mehr bei der Kontaktaufnahme mit Baumstämmen und ähnlichem Gedöns unterwegs hat, können wir sie nun auch immer öfter Leckerchen oder Spielies suchen lassen.

Dazu haben wir inzwischen auch ‚Verloren auf der Rückspur‘ angefangen.

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Ooops, da war doch was!?

Nach diversen Anläufen, die immer wieder an ihrer Konzentrationsfähigkeit oder auch mal an unserer für sie nicht optimalen Herangehensweise scheiterten, haben wir endlich den Zugang zu Charis‘ Nasenwelt gefunden und somit eine neue, wirklich an ihren Interessen ausgerichtete und zudem endlos vielseitige Beschäftigungs- und Belohnungsmöglichkeit an der Hand.

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Alle diese gemeinsamen Aktivitäten haben ihr Interesse an uns Menschen (also Reinhard und mir) in den letzten Wochen deutlich gesteigert.

Sie bietet inzwischen immer öfter von sich aus Blickkontakt an und läuft nicht mehr permanent am Ende der Leine.

Freude auf der ganzen Linie!

Der Futterbeutel

Es macht Sinn – nicht nur, aber hier ganz besonders – jagdlich amitionierte Hunde auch über Nasenarbeit auszulasten. Dieser Bereich kam bei meinen vorherigen Hunden leider ziemlich kurz, denn ich erkannte seine Faszination und die erstaunlich unterschiedlichen Einsatz- oder Umsetzungsmöglichkeiten erst, als die drei schon im zweistelligen Alter waren. Nasenarbeit ist anstrengend … für den Kopf, aber auch für den Körper. Deshalb konnte ich mit meinen Oldies da nicht mehr viel machen.

Das soll bei Charis anders laufen!

 

 

Vor einer Weile habe ich auch vor diesem Hintergrund angefangen, der Fledermaus in der Wohnung immer wieder mal den Futterbeutel zu präsentieren und attraktiv zu machen. Der Futterbeutel an sich stellt natürlich keine Herausforderung für einen Hund dar! Er gibt mir jedoch die Möglichkeit, die Kooperation seitens Charis über die verzögerte Futterbelohnung zu fördern und gleichzeitig auch an ihrer Impulskontrolle / Frustrationstoleranz zu arbeiten.

Ich habe unterschiedliche, verschieden intensiv duftende Leckerchen hinein gepackt und verfüttert. Zu meinem Erstaunen fand Charis das Teil bei den ersten Übungseinheiten befremdlich bis gruselig. Dass da leckere Sachen drin sind, hatte sie natürlich schnell kapiert, aber sonst?

Nach ein paar Tagen Pause habe ich Charis – angeregt durch ein tolles Seminar mit Anja Fiedler – den Beutel am Sonntagabend wieder gezeigt und nun findet sie ihn richtig prima. Zu meiner Freude ist sie sofort darauf angesprungen.

 

 

Mit der Intermediären Brücke (Warmsignal) unterstützt geht sie seit Montag hin, nimmt ihn auf und … naja, der Rest ist natürlich noch ausbaufähig.

 

 

Zunächst lief Charis mit dem Beutel noch an mir vorbei bzw. versuchte es. Immerhin erkannte sie schnell, dass sie ohne mich nicht so recht an den Inhalt kommt. Ich habe seitdem Stückchen für Stückchen der Verhaltenskette aufgebaut und setze sie nun langsam zusammen.

Was mich total fasziniert:

Seit ein paar Wochen abeiten wir immer wieder in kleinen Einheiten an der Impulskontrolle und der Frustrationstoleranz unserer Fledermaus. Das ist, wie an anderer Stelle schon erwähnt, aufgrund ihrer Impulsivität eine Großbaustelle bei uns.

Am Montag habe ich Charis abgesetzt, bin neben ihr stehen geblieben und habe den Futterbeutel erst vorsichtig vor ihr hinplumpsen lassen, dann aber auch mal etwas geworfen. Sie ist tatsächlich sitzengeblieben bis zur – natürlich schnell erteilten – Freigabe!
Auch das ist ein enormer Fortschritt für uns.

 

 

Ein wichtiger zudem, weil mich aufgrund einer unglücklichen Verkettung von Vorfällen derzeit ein derart heftiger Muskelkater in beiden Oberschenkeln plagt, dass ich eigentlich gar nicht mit Charis rausgehen kann. Ich habe ihr im Fall des Falles (Achtung – Wortspiel *g*) einfach nichts entgegenzusetzen. Das führte am Montag schon zu einer Notbremsung meinerseits durch  gezieltes Stolpern in eine Hecke.
Ich stelle mir lieber nicht vor, was ohne diese Hecke passiert wäre.

 

 

Mit dem kleinen Beutel eröffnen sich uns nun neue Auslastungsmöglichkeiten.

Gestern kam der Futterbeutel wieder in der Wohnung zum Einsatz. Nachdem Charis ihn nun endlich spannend fand, ‚wanderte‘ der Beutel ein wenig durch die Wohnung. Charis durfte im Sitz warten und wirkte dabei interessiert, aber auch erstaunlich gelassen. Die Steigerung bestand darin, dass die Terrassentür diesmal offen stand und der Beutel auch ein paar Mal außerhalb ihres Sichtbereichs ging. Die Fledermaus ist brav sitzen geblieben und hat bei dem außer Blick geratenen Beutel kurz gezögert, als ich sie freigab. Dann aber lief sie zielstrebig hin, nahm ihn auf und ist zu meiner Verblüffung von 5 Läufen nur einmal an mir vorbeigerauscht … um den Beutel Reinhard zu bringen.

 

 

So macht das Spaß! Dummytraining / Nasenarbeit … wir kommen!