Die Welt ist größer

Mit Charis‘ Ankunft wurde die Welt für uns im vergangenen Jahr schlagartig sehr überschaubar. Ausflüge mit ihr in unsere ‚angestammten‘ Felder gingen praktisch überhaupt nicht. Unsere Runden ums Dorf waren mächtig anstrengend … wegen der überall angrenzenden Felder. Felder waren (und sind ;-)) also ein ziemliches Thema bei uns.

Auch Spaziergänge in städtischem Umfeld sind nach wie vor eine Herausforderung bzw. sie sind manchmal schlichtweg unmöglich. Immer wieder müssen wir solche Trainingseinheiten schon nach 50 m abbrechen. Sie bergen immer das Risiko, dass Charis aufgrund der unzähligen Auslöser dort in extrem hohen Stress bis hin zu Panik verfällt. Das braucht niemand von uns und am allerwenigsten sie!

 

 

Urlaub auswärts oder mal eben ein Kurztrip zu lieben Bekannten wird mit ihr noch eine ganze Weile nicht oder nur mit entsprechend sorgfältiger Vorarbeit möglich sein. Wir hoffen auf erste Tagesausflüge inkl. städtischem Gelände im Herbst.

Unsere momentane Herausforderung in diesem Kontext besteht darin, sie langsam auch an frei überschaubare Geländetypen zu gewöhnen.

Im vergangenen Jahr entwickelten sich solche Versuche regelmäßig sehr schnell  in ein wüstes, von Bellen, Springen und ähnlichen Übersprunghandlungen begleitetes Hin- und Hergerenne. Da sie dabei grundsätzlich mit vollem Karacho ins Leinenende raste, ging Training in solchem Umfeld überhaupt nicht.

 

 

Training fand also bislang – wenn nicht zuhause – überwiegend in waldigem Gelände statt. Dort hat Charis nur ‚beschränkte‘ Weitsicht. Je nach Untergrund und Baumbestand waren (und sind) aber auch solche Sparziergänge nicht wirklich erholsam.

Immerhin … es wird!

 

 

Charis jagt (hetzt) nicht nur, sondern sie zeigt auch Hüteansätze (vereinzelt sogar das Border-typische Anschleichen). Eine ziemlich komplexe Angelegenheit also, die aber auch viele Überschneidungen im Trainingsansatz hat.

Eine unserer Hauptübungen der letzten Monate war vor diesem Hintergrund das ‚Schauen‘. Ein Hund, der schaut, hetzt (noch) nicht!

Charis schaut wirklich gerne, aber ihre Konzentrationsfähigkeit und mangelnde Impulskontrolle ließen es früher gerade mal für eine Sekunde zu, etwas einfach nur anzugucken. Dann wechselte ihr Blick sofort woanders hin. Da musste doch etwas zum Jagen herbeizugucken sein. Ihre Gene und wohl auch die Lernerfahrungen, die sie vor uns machte, schrien permanent: ‚Hetzen! Hetzen! Hetzen!‘.

So waren unsere Anfänge im Winter wirklich mühsam. Wir waren schon froh, als sie endlich konstant 1 – 2 Sekunden ’schauen‘ konnte, ohne sofort lossprinten zu wollen.

Vor zwei Wochen haben wir uns endlich mal wieder in ‚unser‘ Freilaufgelände getraut. Dort haben wir früher endlose Stunden mit unseren drei ‚Alten‘ verbracht, haben an ihren jagdlichen Ambitionen usw. gearbeitet und viele wunderbare Spaziergänge gemacht. Mit Charis waren wir letztes Jahr im Hochsommer dreimal dort und hatten dann ein ‚Einsehen‘.

 

 

Nun geht es tatsächlich. Es ist immer noch kein ‚Spaziergang‘, wie er bei anderen Leuten aussieht, aber wir fangen – alle drei! – an, es auch hier minutenweise zu genießen.

Am Sonntag gelang es mir, zwei schöne ‚Schau‘-Sequenzen mit Charis einzufangen. Mit Weitblick nach links und rechts, aber der Weg vor uns noch nicht einsehbar sah es so aus. Einige Meter weiter kam dann verschärfend die offene Wiese und der überschaubare Weg hinzu. Für uns lieferte Charis hier eine Meisterleistung ab!

Kein Zug an der Leine, keine Hektik, keine großartige Anspannung der Schulter-/Rückenmuskulatur … insgesamt ganz schön relaxt.

Diese Sequenzen entstanden zwar am Ende eines einstündigen (!) Spaziergangs durch weite Rüben- und teils schon abgemähte Getreidefelder. Noch vor 9 Monaten hätte das Charis aber nicht im Geringsten davon abgehalten, überall hektisch nach Auslösern zu suchen.

 

Das Leben ist toll!

Gestern war ein toller Tag! 🙂

Diese neuen Menschen, bei denen ich jetzt eingezogen bin, sind morgens in der Früh gleich mit mir spazieren gegangen. Mitten im Sonnenaufgang. Boah, war das klasse. Sooo viele Düfte, sooo viel zu gucken und überhaupt …

charis_schau

Ich kriegte mich bald gar nicht mehr ein! 😉 Irritierend fand ich nur immer dieses komische Geräusch, das ständig hinter mir losging. Die neue Frau hatte das schon mal kurz am Freitagabend mit mir gemacht. Erst kam ein Click und dann bekam ich ein Leckerchen ins Gesicht geschoben. Na, damit kann ich wohl leben! 😀 Nun clickte sie aber ganz schön viel rum, während wir so langliefen … und der Mann machte gleich mit! Immerhin bedeutete das … na? … Genau! Jede Menge reichlich Leckerchen!

 

Außerdem sagte die Frau immer, wenn ich so da stand und mich umguckte: ‚Schau‘. Ja, das war mir wohl klar, dass ich da rumschaute!!! Als wenn sie mir das noch erklären müsste. Tsss Tsss

Ganz ähnlich machte die das, wenn ich rumschnüffelte.

charis_schnueff

Da versuchte die mir regelmäßig zu erklären, dass ich schnüffel. Menschen sind komisch – Ich sag’s Euch! 😉

Aber diese Sache mit dem Click ist schon nett. Immer wenn es clickte, kriegte ich Futterbröckchen hingeworfen oder in die Schnute gesteckt. Das fand ich echt okay.

leckerchen

Als wir wieder zum Haus kamen, haben wir aber einen anderen Eingang genommen. Da ging es direkt in einen mächtig großen Garten. Klasse! Da konnte ich erst mal hin- und herrennen und gucken und schnüffeln und zuguterletzt noch eine Runde baden gehen:

swimmingpool

Boah, mein höchsteigener Swimming Pool!

 

Mittags ging das gleiche Spiel wieder los. Diesmal bekam ich allerdings ein Geschirr angezogen. Fand ich ja erst etwas seltsam, drückt aber nicht so am Hals, wenn ich’s eilig habe. 😉 Also wieder raus ins Grüne, Schnüffeln, Schauen, Clicken … und Leckerchen …

schnuffeln

… und weil die Leckerchen soooo lecker sind, habe ich mich unterwegs sogar zwischendurch zu einem Sitz hinreißen lassen:

sitz

Ha! Dafür gab’s gleich noch mal ein Clickfeuerwerk mitsamt Leckerchenregen! Klasse!!!

Na ja, zuhause war erst mal wieder Ruhe angesagt. Ich war aber auch so was von platt.

 

schlafen

Aber das war noch nicht alles! Später sind wir noch mal raus gegangen. Frauchen meinte irgendwas von ‚andere Leute und Hunde treffen‘ und ‚ob ich mich wohl damit verstehen würde‘. Also ICH verstehe mit fast allem und jedem (solange ich nicht angeblökt werde). Dass das mal klar ist! Wenn die mich oder meine Art dann nicht mögen, ist das doch wohl deren Problem, oder?

Was soll ich lange rumreden. Wir waren nur ein paar Meter gegangen, da kamen diese anderen Leute auch schon … und zwei Hunde auch mit dabei. War klasse. Die Hündin und ich waren sofort auf einer Wellenlänge. Den Rüden fand ich auch nett, aber der war mir dann doch etwas langsam.

 

 

Frauchen hat gesagt, nachher treffen wir die wieder. Das wird bestimmt toll! Das Leben ist soooo toll!!!